Berlin: "Karl Friedrich Schinkel – Architektur, Malerei, Kunstgewerbe" Schinkel selbst sprach von der Architektur als seiner eigentlichen Bestimmung, und tatsächlich hat er in der Malerei keinen akademischen Untericht bekommen, hat sein zeichnerisches und malerisches Werk niemals gewisse Züge des Dilettantismus verloren, Gleichwohl ist seine Produktion auf Papier und Leinwand, die sich im wesentlichen auf das Jahrzehnt nach 1805, mehr noch auf die Jahre 1810–1815 konzentriert, kaum weniger vielgestaltig und umfangreich als das übrige Werk. Nicht zuletzt aus ökonomischer Notwendigkeit entwarf Schinkel in seiner Frühzeit Dioramen und Panoramen, darunter nicht weniger als fünfzig historische Tableaus und, als berühmtestes, die Ansicht von Palermo; Theaterdekorationen (ab 1815) für mehr als vierzig Stücke, von denen die Entwürfe für die "Zauberflöte" noch heute auf der Bühne wiederzuerkennen sind; und schließlich, als wichtigstes, eine Vielzahl von freien Zeichnungen und Tafelbildern. Die heute noch erhaltene Malerei ist – weil in West-Berliner Besitz – fast vollständig in der Orangerie ausgestellt (die Zeichnungen der Italienreise befinden sich in Ost-Berlin und waren in der dortigen Schinkel-Ausstellung zu sehen). Im Gegensatz zu den an Aufträge und Verwendungszweck gebundenen Entwürfen für Gebäude und Gebrauchsgegenstände war für Schinkel die Malerei ein Medium der Empfindung und Reflexion, Mittel zur Darstellung seiner philosophischen und politischen Überzeugungen. So wird der Mont Blanc zu einem Freiheitssymbol, ist die gotische Kathedrale während der napoleonischen Besetzung ein Bekenntnis zur vaterländischen Freiheitsbewegung. Entscheidend für Schinkels malerischen Stil war die Reise nach Italien 1803–1805, wo er auf die klassische, "heroische" Landschaftsauffassung in der Tradition Poussins und Claudes traf, wie sie von Hackert und Koch weitergeführt wurde; sie wurde relativiert durch das nordische Naturgefühl eines Caspar David Friedrich. Anders als Friedrichs Entwürfe der Einsamkeit sind Schinkels Landschaften regelmäßig belebt, werden bewohnt und bebaut: Die Bilder sollen nicht erschüttern, sondern angenehm sein, manchmal belehren und im Guten beeinflussen. Auch hier ist der Künstler Schinkel zugleich der Pragmatiker, der dem preußischen Staat so nützlich, fast unentbehrlich wurde. (Orangerie des Schlosses Charlottenburg, bis 13. September 1981, Katalog 25 Mark.) Ernst Busche

Karlsruhe: "Kachina-Figuren".

Kachina – sie haben nichts Böses vor und so sehen sie auch aus: friedlich und freundlich, bunt und mitunter lustig. Die Kachina sind gute Geister, und sie verstecken sich in den Masken, die die Pueblo-Indianer bei ihren Tänzen und Festen trugen und tragen. So wird der Tänzer selber zum Kachina, zum "guten Geist". Und noch eine Zustandsform der Kachina ist bekannt. Als Puppen werden sie an Kinder ausgegeben. Spielzeuge mit pädagogischem Hintersinn: An den verschiedenen Bemalungen, Haltungen und Verzierungen wird dem Nachwuchs die Typologie und Hierarchie der Kachina erklärt. "Menschenfresser" mit spitzem Federschmuck und blanken Zahnreihen. "Clowns" mit runden Nasen und runden Augen und Quastenohen. "Wettläufer" mit schweren Kürbisköpfen, "Ordnungshüter" mit Koppel und Rutenbündeln. Die Figuren haben nicht nur die Ethnologen beschäftigt, die mit ihnen ganze Systeme der indianischen Mythologie im südwestlichen Nordamerika erstellt haben, sondern auch die Sammler. Vor allem die sammelnden Künstler, André Breton, Marcel Duchamp und Max Ernst haben berühmt gewordene Kachina-Kollektionen zusammengetragen. Verwunderlich kaum, daß sich gerade die Surrealisten mit Bildzeugnissen des Vorbewußten auseinandergesetzt haben. Verwunderlich auch nicht, daß ein künstlerischer Einzeltäter wie Horst Antes, dessen eigene Bildfigur in dämonischer Statuarik verharrt, auf die Kachina alle Sammelleidenschaft konzentriert. Was er auf Reisen in die Gebiete der Hopi-Indianer (Arizona) mitgebracht und durch Ankäufe in Europa ergänzt hat (Antes hat auch Teile der ehemaligen Duchamp-Sammlung erworben), hat allmählich Museumsreife angenommen. In Reih und Glied stehen die Figuren nun im Karlsruher Badischen Landesmuseum: Der Völkerkunde zu guten Diensten und den Kunsterziehern auch. Kinder nämlich lassen sich von den Kachina nicht nur in den Pueblos am Rio Grande faszinieren. (Badisches Landesmuseum bis 26. April, Katalog 28 Mark.) Hans-Joachim Müller