Von Brigitte Schwaiger

Wenn sie mich beim Fußballspiel ausschlössen / weil ich zu dick war um den Ball zu erreichen / und ein anderer Dicker / bereits im Tor stand / ging ich auf einen Hügel vor dem Dorf. / Dort hatte ich in einem Erdloch / ein geheimes Lager angelegt: / Ein Buch von Camus über den logischen Selbstmord. / Nackte Frauen aus Zeitschriften. / Dreieckskäse den ich in der Gemischtwarenhandlung gestohlen hatte. / Haselnüsse. / Ein Atlas. / Stundenlang saß ich auf dem Hügel / und wartete auf den Zug nach Wien. / Pünktlich um sechsuhrzehn fuhr er vorbei / und mit ihm meine Wünsche und Hoffnungen. / Heute denk ich: / Ich hätte im Dorf bleiben sollen. / Ich hätte mich wehren sollen."

Aber dann wäre wahrscheinlich aus dem Tolpatsch nicht einer der wichtigsten österreichischen Dramatiker geworden, und so lebt Peter Turrini, der 1944 als Sohn eines Italieners und einer Steirerin in St. Margarethen geboren wurde, seit zehn Jahren in Wien. Der Bub, der früh die Erfahrung machte, nirgends so recht dazuzugehören, nicht zur Dorfgemeinschaft, auch nicht zur Familie, auch nicht zu sich selbst, der das Treten nicht lernte und nicht das Ducken, hat sich zuletzt doch gewehrt. Wenn auch seine bisherigen Theaterstücke und Fernsehserien keine sanften Botschaften brachten, scheint er doch erst in letzter Zeit wirklich wild geworden zu sein.

Er zertrümmert jetzt, was er am tiefsten haßt, weil er es am tiefsten liebt, und umgekehrt – und vieles liest sich oft nur deshalb so komisch, weil es sehr ernst ist, und umgekehrt. Über seinen neuesten Sprengstoff hat er den Raster "Gedichte" gelegt. Auf solchem Weg lockt er "Ein paar Schritte zurück" ins Reich der Kindheit.

Die Eichenbretter in der Sonne.

Der Ruf eines Freundes aus dem Hof.

Der Probealarm der Feuerwehrsirene am Samstag.