Nachstellungen", zum Beispiel diese: das Fragment eines Madonnenbildes, wie eine Operationswunde freigelegt unter einer Schicht alter Postkarten, die Wundränder verblichener Botschaften durch Büroklammern fixiert. Oder diese: Ansammlungen abgestempelter Dokumente, rostige Nägel mit Nummern, Marienmedaillons, eine Brille, ein Paßbild. Udo Klückmanns Bilder sind "Nachstellungen" im doppelten Sinne: nachgestellte, rekonstruierte Realität und Spurensuche, Verfolgung von Gedanken und geschichtlichen Zusammenhängen, bevor sie vergessen und verdrängt sind. – Photographie als Fiktion und Dokumentation zugleich: Der Maler Udo Klückmann, 1941 in Potsdam geboren, arrangiert aus Fundstücken Real-Tableaus, photographiert sie und ergänzt diese Photos durch Übermalungen oder weitere Objekt-Montagen. Dieses künstlerische Verfahren ist keineswegs so neu, wie Horst Kurnitzky im Vorwort zu den 54 Photo-Assemblagen behauptet. Von Max Ernst und seinen Photo-Malereien bis zu den inszenierten Photo-Stilleben des Malers Wols haben sich Künstler immer wieder solcher Methoden der photographierten Objekt-Collage und Realfiktion bedient. Entscheidend ist allemal die Evokationskraft der Bilder, und die bleibt, scheint mir, hier in den meisten Fällen hinter dem hochgesteckten Anspruch zurück, das Verhältnis von Katholizismus, Faschismus und "Bürokratismus" zu untersuchen. So überflüssig sonst oft Texte zu Bildbänden sind, so sehr gewinnt dieser durch seine Autoren: Die Beiträge von Heinar Kipphardt ("Bruder Eichmann"), Werner Kofler ("Lübecker Tagebuch"), Alexander Kluge, Helmut Heissenbüttel und anderen bringen Udo Klückmanns Bilder eindringlicher zur Sprache als diese selbst es vermögen. Ein Zwitter mithin, gleichwohl ein anregender, im Programm dieses Verlages, der mit dem zweiten Band seiner Carl-Einstein-Edition und mit Robert von Ranke-Graves’ Buch über die "Weiße Göttin" zunehmend Profil gewinnt. (Medusa Verlag, Berlin, 1981; 120 S., 36,– DM).

Peter Sager