Kaum hatte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, Harald Kühnen, Anzeichen dafür ausgemacht, daß sich in der Bundesregierung in der Frage der industriellen Beteiligungen der Banken eine "etwas andere Betrachtungsweise" durchzusetzen scheint, signalisierte ihm Bundesfinanzminister Hans Matthöfer Zustimmung. Es sei noch längst nicht entschieden, "ob wir den Empfehlungen zur Beschränkung des Anteilbesitzes in rigoroser Form folgen sollen", sagte er vor dem Finanzausschuß des Bundestages. Für Matthöfer ist nicht Einschränkung der Geschäftstätigkeit der Banken das Gebot der Stunde, sondern ihre Stärkung, damit sie in der Lage bleiben, Sparkapital in Investitions- und Risikokapital umzuwandeln.

Daß sein FDP-Ministerkollege Lambsdorff eine andere Meinung vertritt, stört Matthöfer wenig. Lambsdorff braucht die Banken weniger als der milliardenhungrige Finanzminister. Es scheint aber festzustehen, daß es das Bundeskabinett mit Neuerungen im Kreditwesen-Gesetz keineswegs eilig hat.

Damit entfällt für einige Banken das bequeme Argument, sie hätten ihre Industriebeteiligungen verkauft, um der KWG-Novelle zuvorzukommen, während sie in Wirklichkeit Buchgewinne brauchten, um ihre lädierte Ertragsrechnung auszugleichen. Immerhin hat sich der industrielle Beteiligungsbesitz der Banken auch ohne Druck des Gesetzgebers verringert. Leere Kassen sind eben wirksamer als alle Enquete-Kommissionen... K. W.