Das Ritual wiederholt sich alle paar Wochen. Der für Wissenschaft und Medizin zuständige Redakteur dieses Blattes kündigt in der Konferenz seine Themen mit einer Entschuldigung an: "Ich habe leider wieder einmal eine schlechte Nachricht." Die Kollegen ahnen es schon. "Krebs? Was ist es denn diesmal?"

Auf die Antwort "Kaffee" (davor "Valium", "Asbest", "Bier") folgt eine Art befreiendes Gelächter. "Können wir nicht einmal schreiben, was nicht Krebs verursacht?" will dann jemand betont forsch wissen. Und ein anderer greift verbal nach dem nächstliegenden Strohhalm: "Ist die Sache denn überhaupt seriös?"

Seit Jahren bricht eine Flut von Krebsmeldungen auf uns herein. Stoffe, so alltäglich wie eben Kaffee (siehe nebenstehenden Bericht), stehen plötzlich auf der Liste tumorfördernder oder -auslösender Substanzen. Leben wir wirklich in jenem oft beschworenen "Meer von krebserregenden Stoffen"? Trifft immer noch zu, was der Kasseler Professor Ernst Krokowski vor drei Jahren feststellte, nämlich: "Bezogen auf gleiche Tumorstadien konnten in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten keine entscheidenden Fortschritte erzielt werden"?

Eines scheint sicher: Einen wie auch immer gearteten "Sieg" über alle bösartigen Tumore wird es – falls überhaupt – in absehbarer Zeit nicht geben. Zu innig sind die Ursachen für das plötzlich unkontrolliert wuchernde Zellgewebe an die grundlegende Frage "Was ist Leben?" gekoppelt. Ernüchterung also, ja, Hoffnungslosigkeit allenthalben?

Was bleibt, sind die Versuche, auf allen Ebenen des Problems Krebs kleine Geländegewinne zu erzielen und dadurch Zeit – Überlebenszeit – zu gewinnen: Dazu zählt das Erkennen und Vermeiden krebsfördernder und -erregender Substanzen in der Umwelt, die möglichst frühzeitige Entdeckung operabler Geschwulste, die Bemühungen um ein Anhalten oder gar eine Umkehr des Tumorwachstums.

In diesen zwar bescheidenen, aber realistischen Erwartungsrahmen fügen sich nun auch immer deutlicher die Interferone, jene körpereigenen Substanzen, die in den letzten Jahren als möglicherweise potente Mittel gegen Krebs und Virusinfektionen Schlagzeilen machten. Bei einem Treffen der führenden Interferonforscher aus dem In- und Ausland, die Mitte März auf Einladung der Deutschen Krebshilfe nach Bonn kamen, einigten sich die Experten "übereinstimmend" auf folgende Schlußfolgerungen: "Die präsentierten Ergebnisse aus den Kurzzeitstudien und laufenden Langzeitstudien haben die klinische Wirksamkeit von Interferon zumindest bei einigen Indikationen eindeutig gezeigt. Mit Interferon könnte ein neues Wirkungsprinzip in die Krebstherapie eingeführt werden."

Nun gehe es darum, meint Professor Peter-Hans Hofschneider vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München, "zu prüfen, ob und wie der Interferoneinsatz so optimiert werden kann, daß Interferon als wirksame Zusatztherapie dem schon bestehenden Arsenal der Krebstherapie, nämlich Chemotherapie, Operation, Strahlentherapie, eingefügt werden kann".