ARD, Mittwoch, 1. April, 20.15 Uhr: "Stumme Liebe", Film von Raphaele Billetdoux

Meine erste Enttäuschung: daß Klaus Kinski, dessen verruchte Stimme ich liebe, in diesem Film einen Schloßgärtner spielt, der stumm ist; die zweite Enttäuschung: daß dieser stumme Kinski, all seiner bekannten Wildheit und Tücke beraubt, einen Pullover strickt; die dritte: daß der Pullover nicht fertig wird. Die sanfte, sanft-erotische Schülerin Elisabeth, halb Lolita, halb Heidi, der das wärmende Strickwerk zuerdacht war, entschwindet in die Stadt aufs Konservatorium. Der Gärtner bringt sich um.

Man kann jeden Film mit einer Inhaltsangabe ruinieren. Dieser hat, trotz mancher Plattheit, seine poetischen Qualitäten, etwa in den zarten Begegnungen zwischen dem vereinsamten Erwachsenen und der von den Eltern allein gelassenen Kind-Frau. Mein Einwand ist nur, daß der Regisseur sich nicht traut, daß er, anstatt wirklich poetisch, und das hieße auch: radikal zu sein, allzu oft bloß "poeselt" (wie Musil gesagt hätte).

Ulrich Greiner