Der Nachrüstungsbeschluß rückt mehr und mehr in die heiße Zone der politischen Auseinandersetzung.

Innenpolitisch sorgt die SPD-Linke dafür – der Landesverband Baden-Württemberg, der den Beschluß 1982 erneut zum Parteitagsthema machen möchte, oder der Unterbezirk Bonn, der rundheraus seine Aufhebung fordert. Hier erwartet den Kanzler noch allerhand Unbill. Wenn die Holländer und die Belgier ihre Zustimmung zurückziehen, worauf vieles hindeutet, werden die Wellen der Emotion in der Bundesrepublik noch höher gehen. Es könnte dann die paradoxe Situation eintreten, daß eine Maßnahme, die unsere Verteidigungsfähigkeit stärken soll, sie in Wirklichkeit psychologisch untergräbt.

Außenpolitisch halten die Sowjets die Sache am Kochen, indem sie mit zäher Beharrlichkeit ihren Moratoriumsvorschlag wieder und wieder anpreisen. Ebenso beharrlich lehnt der Westen ihn mal um mal ab. Dabei ist – auch hier ein Paradox – der Vorschlag so fadenscheinig wie die Ablehnung. Da bei der Nato faktisch bis 1983/84 ein Aufstellungsstopp für eurostrategische Waffen gilt, hindert nichts den Kreml daran, sich dem einfach anzuschließen; alles weitere Gedöns wäre überflüssig. Umgekehrt: Wer sich im Westen dem Moskauer Moratoriumsplan verweigert, weil ein Eingehen darauf den sowjetischen SS-20-Vorsprung "festschreibt", der nimmt bewußt in Kauf, daß dieser Vorsprung ohne Moratorium noch zwei oder drei Jahre lang immer weiter wächst.

Ein schönes Raketen-Ragout, noch ganz und gar unverdaulich... Th. S.