Der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth hat die Errichtung einer Stiftung des öffentlichen Rechts mit dem Namen "Museumsstiftung Baden-Württemberg" bekanntgegeben, die auf Grund eines Beschlusses der Landesregierung zustande gekommen ist. Laut Satzung ist der Zweck der Stiftung "die Anschaffung von herausragenden Meisterwerken der Weltkunst ... für die Staatlichen Kunstsammlungen des Landes Baden-Württemberg". Die Stiftung, über deren Mittel ein Stiftungsrat verfügt, dem der Minister für Wissenschaft und Kunst und die wird am 1. Juli dieses Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Der Jahresetat beläuft sich auf acht Millionen Mark, die eine Hälfte wird von dem aus Lottomitteln gespeisten Kunstfond (derzeit siebzehn Millionen Mark) abgezweigt, die andere mit einem Teil des Gewinns der Spielbanken in Baden-Baden und Konstanz finanziert.

Darüber hinaus verfolgt die neue Stiftung eine weiterreichende Absicht. Sie kann "aus ihren Mitteln ... Beiträge an eine überregionale öffentliche und gemeinnützige Einrichtung leisten, die sich im nationalen Interesse der Erwerbung und Bewahrung wertvoller Kulturgüter widmet". Damit ist nun beileibe nicht die Nationalstiftung gemeint, sondern eine allerdings erst zu gründende "Kulturstiftung der Länder" unter Ausschluß des Bundes.

Diese Einrichtung, an der nach den Worten Späths die anderen Bundesländer lebhaft interessiert sind, soll als Geldgeber, dienen, wenn eventuell ins Ausland abwandernde Spitzenwerke mangels Masse von dem daran interessierten Bundesland nicht erworben werden können. Geplant ist, daß die Länder die nach einem bestimmten Schlüssel einzuzahlenden Gelder, insgesamt etwa zehn Millionen Mark im Jahr, nach Bedarf abrufen und dabei auch kräftig überziehen können bis zur Höhe der innerhalb von zehn Jahren zu deponierenden Summe. Für diese "Einkaufsgenossenschaft" (Holger Börner) sollen auch private Mäzene interessiert werden, deren Engagement mit steuerrechtlichen Extras belohnt werden könnte (Überlegungen dazu gibt es bereits). Stifter ja, jedoch Stifter, die sich in die Kulturpolitik einmischen, nein – lautet die Devise, und insofern richtet sich das Projekt der Kulturstiftung gegen das von dem Sammler Ludwig in Köln angestrebte Modell. Helmut Schneider