Mit zwei neuen Modellenwill Europas größter Automobilkonzern, Peugeot/Citroën, seine kränkelnde Marke Talbot wieder ins Geschäft bringen: mit der "Luxuslimousine" Tagora und dem Sportwagen Matra Murena. Vom Tagora sollen in diesem Jahr 38 000 Exemplare verkauft werden, davon 7000 in der Bundesrepublik. Der Murena soll in Deutschland 1600 Käufer finden.

Für Talbot ist es wichtig, beide Autos auf die deutschen Straßen zu bringen, denn die Marke gilt den Verkaufsstrategen als nur noch gerade gesichert. Diesen Wert setzt man bei einem Marktanteil von einem Prozent an (Volvo und Alfa Romeo sind deutlich unter diese Grenze gerutscht). Talbot, mit dem Solara nicht sonderlich erfolgreich, verlor im vergangenen Jahr gut 20 Prozent seines Marktanteils und sank ab auf 1,5 Prozent. Im Januar sackte Talbots Anteil nochmals um 22 Prozent ab – die magische Ein-Prozent-Markierung war erreicht.

Jetzt sollen die Neuen für Auftrieb in der Statistik und Auffüllung in der Kasse sorgen, schließlich hat selbst Peugeot im vergangenen Jahr 19 Prozent weniger verkauft in Deutschland. Ob der Murena und vor allem der Tagora die gesetzten Erwartungen erfüllen können, bleibt abzuwarten. Die 4,63 m lange Limousine wird in vier Versionen gebaut: mit 2,4-Liter-Vierzylindermaschine in zwei Ausstattungsversionen, mit einem 2,6-Liter-Sechszylinderaggregat und mit einem 2,3-Liter-Diesel-Turbomotor. Der Diesel ist ein überzeugendesAuto: komfortabel und geräumig, ausreichend schnell für diesen Antrieb und ein guter Treibstoffverwerter. Talbots Messungen liegen unter zehn Liter, die Fahreindrücke eines Tages bestätigten diesen Dieselverbrauch. Der Wagen hat nur einen gravierenden Nachteil, den hat er allerdings mit allen Schwestermodellen gemeinsam: ein mißlungenes Armaturenbrett mit einem Handschuhkasten, der den Knien gefährlich nahekommt, dafür mit den Händen kaum zu bedienen ist.

Das äußerliche Erscheinungsbild der Tagora-Reihe erinnert in einigen Partien an Opels Senator und Fords Granada, wirkt aber insgesamt durch schlichte Eleganz. Die "Knickfalte", die rings um den Wagen verläuft, wird allerdings nicht jedermanns Sache sein. Aber das sind Wagen dieser Größenordnung derzeit ohnehin nicht. Bei Opel und Ford stehen die Großen auf dem Hof herum. Ob der Konzern den Wagen gebaut hätte, wenn er ihn nicht von Chrysler als fast fertiggestellte Entwicklung übernommen hätte, ist fraglich.

Von Chrysler stammt auch die (weiterentwickelte) Vierzylindermaschine; für die Modelle mit diesem Motor liegen jetzt die Preise fest. Mit Viergangschaltung kostet der Wagen 20 700 Mark, mit fünf Gängen und guter Zusatzausrüstung wird er für 23 450 Mark angeboten. Die Preise für die größeren Modelle liegen noch nicht fest. Talbot wird sich heftiger Konkurrenz ausgesetzt sehen auf diesem heißumkämpften Markt – unter anderem von den Peugeot- und den Citroen-Modellen aus dem eigenen Stall.

Diese Sorge hat die Firma mit dem Murena nicht, aber hier muß sie immerhin den schlechten Ruf des Vorgängers Baghera ausbügeln. Der Murena, wie sein Vorgänger ein Mittelmotorwagen mit drei Sitzen in der Frontreihe und einer Kunststoffkarosse, ist in zwei Motorversionen erhältlich:-mit einem 1,6-Liter-Motor mit 90 PS/66 kW und einem 2,2-Liter-Motor mit 118 PS/87 kW, beide haben vier Zylinder, die Spitzengeschwindigkeiten sind mit 180 und 200 Stundenkilometern angegeben. Der Murena ist ein ausgesprochen schönes Auto, das sich durch vorzügliche Straßenlage und – auch bei der kleinen Maschine – befriedigende Fahrleistungen auszeichnet. Er hat aber immer noch das Problem seines Vorgängers: Er heizt sich schnell auf und ist schwer zu belüften. Die drei Sitze nebeneinander sind auch in der neuen Konstruktion wenig sinnvoll. In den beiden Außensitzen wird man auch ohne dritten Mann zu sehr an die Karosse gedrückt, wenn man nicht zu den Zierlichen gehört; ist man zu dritt, muß der Mittelmann seine Beine seitlich recken. Ein Zweisitzer mit Notsitz nach alter Volksporsche-Art wäre nützlicher.

Für den Murena steht bislang nur der Preis des kleineren Typs fest: 21 950 Mark. Vor anderthalb Monaten, als der Wagen vorgestellt wurde, hieß es noch, er werde wohl zwischen 19 500 und 20 500 Mark kosten. Zur Zeit laufen die Preise selbst schnellen Sportwagen davon. K. V.