Adreßführer und Ratgeber gegen die Isolation der Subkultur

Von Andreas Conrad

Hamburg

Den Widerspruch zu allem Üblichen und Etablierten verkünden die Adreßbücher der Alternativszene bereits in ihrem Titel. Sie heißen "Stattbuch" oder auch "Stattführer", und sollte die eigenwillige Orthographie potentielle bürgerliche Käufer etwa irritieren, so ist dies durchaus beabsichtigt. Mit den Werbebroschüren der Kommunalverwaltungen und Verkehrsvereine möchten die Herausgeberkollektive ihre Bücher nämlich nicht verglichen sehen. Sie sollen vielmehr Wegweiser durch das "andere Leben" einer Stadt sein, alternative Nachschlagewerke also, die allen Projekten der Gegenkultur eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung bieten.

Stattbücher gibt es bereits in zahlreichen Städten, so natürlich, in Berlin, Hamburg und Köln, aber auch in Münster, Braunschweig, Stuttgart und Karlsruhe, und sogar für die Region um Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg.

Besonders in den Ballungsgebieten sind alternative Projekte in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Wo nun aber genau Ratschläge für den Bau eines Sonnenkollektors oder Rezepte für makrobiotische Kochversuche zu bekommen sind, ist nur durch mühselige Detektivarbeit zu ermitteln.

Die alternativen Adreßbücher könnten da Abhilfe schaffen. Auffordernd zu gemeinsamem Handeln, helfen sie Minderheiten beim Auffinden von Bezugsgruppen, ermöglichen politisch Engagierten den Anschluß an Gleichgesinnte und machen die Alternativler, die ja trotz allem auch Konsumenten sind, mit den verschiedenen Handwerks-, Handels- und Dienstleistungskollektiven bekannt. So soll das Netz einer neuen Gegengesellschaft geknüpft und die frustrierende Isolation durch eine alternative Infrastruktur überwunden werden.