Fehler, Fehler, Fehler: Immer wieder wird von Tests berichtet, die Industrie- und Handelskammern für Berufsanfänger durchführen. Die Ergebnisse sind für die Schulabgänger meist niederschmetternd. Jüngster Fall: Von 130 Realschülern, die sich für eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker beworben hatten, fielen bei einem Berufstest der Innung in Hannover 117 durch. Viele der Schulabgänger konnten nicht 1,7 mit 3,9 multiplizieren, sie wußten weder, was "Verbindlichkeiten" bei einer Bank sind noch was die "Exekutive" in einem Staat ist. Unlösbar auch die Frage: Wenn sich ein Motor in 4 Sekunden 15 mal dreht, wie oft dreht er sich in einer Stunde?

Manchmal gelingt es aber auch Prüflingen, den Prüfern Fehler, nachzuweisen. Jedenfalls in Amerika. In Florida fand ein 17 Jahre alter Schüler einen Fehler in dem Preliminary Scholastic Aptitude Test, an dem rund 1,3 Millionen amerikanische Schüler zur Vorbereitung auf den Hochschulzugangstest teilnahmen. Bei einer Frage in Geometrie – zwei Pyramiden mit zusammen neun Seiten, acht davon sind gleichgroße, gleichschenklige Dreiecke, werden aneinandergelegt: wie viele Flächen zeigen nach außen? – hielten. die Prüfer nur die Antwort "sieben" für möglich. Der Schüler Daniel Löwen bewies mit Hilfe seines Vaters, einem Ingenieur des Space-Shuttle-Raumschiffs, daß auch die Antwort "fünf" möglich sei. Die Testhersteller und die 16 Professoren, die den Test überprüfen, mußten sich korrigieren. Jetzt werden die Noten von rund 240 000 Schülern geändert. Und das Educational Testing Board muß für seinen Fehler mit 110 000 Dollar an Kosten für eine Benachrichtigung der Betroffenen einstehen.

*

Wer ist frei von Fehlern? Mehrere ZEIT-Leser machten uns darauf aufmerksam, daß wir das Wort Rohstoffe ohne "h" geschrieben hatten, als wir vor zwei Wochen über ein Diktat der nordrhein-westfälischen Handelskammern berichteten, bei dem über die Hälfte der teilnehmenden Hauptschüler durchgefallen waren.

Hunderte von Bummelanten vermutete das bayrische Kultusministerium an den Universitäten des Freistaates. Sie sollen mit einem "Semestergeld" belegt werden, falls sie die Studienzeit zu lange ausdehnen oder das Studienfach zu häufig wechseln. Die Bummelanten zu finden, ließ, sich der Freistaat, etwas kosten. So mußte die Universität Bamberg die Karteikarten sämtlicher immatrikulierter Studenten durchsehen, alle Doktoranden mußten Arbeitsberichte vorlegen, 53 Einzelfälle hatte die Kommission für Lehrer und Studierende zu überprüfen, sechs Studenten wurden in Einzelgesprächen befragt. Da konnte der Erfolg nicht ausbleiben: Ein Bamberger Student wurde jetzt als Bummelant zur Kasse gebeten.

*

An unseren Schulen steigt beständig die Zahl ausländischer Schüler. So haben in Frankfurt 40 Prozent der Kinder, die 1980 zur Welt kamen, ausländische Eltern. In den Frankfurter Innenbezirken sind die Hälfte der Grundschüler und zwei Drittel aller Hauptschüler Ausländer. In Stuttgart soll jetzt nach amerikanischem Vorbild mit "Busing" versucht werden, ausländische Schüler "gerechter" auf die einzelnen Stadtviertel zu verteilen. Lesen Sie auf Seite 42 über diesen umstrittenen Modellversuch. Peter Pedell