Ab Schuldnerstaat ist Mexiko auf dem deutschen Kapitalmarkt seit 1973 kein Unbekannter mehr. Gehandelt werden zur Zeit fünf auf Mark lautende Mexiko-Anleihen, deren Renditen – auf ihre mittlere Laufzeit berechnet – um elf Prozent schwanken. Vergleichsweise ist das nicht sonderlich reizvoll.

Interessanter sind Petrobonos. Sie sind ebenfalls vom mexikanischen Staat ausgegebene Anleihen und lauten auf mexikanische Pesos. Sie verbriefen nicht nur das bei festverzinslichen Papieren übliche Gläubigerrecht auf Zins- und Tilgungszahlungen, sondern garantieren darüber hinaus eine Beteiligung an Gewinnen, die sich bei Fälligkeit der Anleihen aus dem Verkauf des Zur Besicherung dienenden Erdöls ergeben können.

Was heißt das? Jede Schuldverschreibung ist nämlich durch eine bestimmte Menge Erdöl besichert, deren Marktwert zum Zeitpunkt der Auflegung genau dem Nennwert der Papiere entsprach. Dieses Erdöl wird bei Fälligkeit der Anleihe verkauft. Sofern der Erlös dann höher liegt als der Nominalwert der Anleihe zuzüglich der während der Laufzeit gezahlten Nettozinsen, fließt den Anlegern die Differenz als zusätzlicher Kapitalgewinn zu.

Zur Ermittlung des Einlösungswertes dient der durchschnittliche Exportpreis in US-Dollar pro Barrel, den die staatliche Ölgesellschaft Petróleos Mexicanos an einer bestimmten Anzahl von Tagen – je nach Emission handelt es sich um 10 bis 25 Tage – vor Endfälligkeit der jeweiligen Anleihe erzielt. Multipliziert mit dem geltenden Wechselkurs ergibt sich nach Abzug der gezahlten Zinsen der Einlösungswert für die jeweilige Anleihe. Der Mindesteinlösungswert entspricht dem Nominalwert. Insofern gibt es kein Risiko.

Sie werden gemerkt haben, meine verehrten Leser, daß es sich hier um eine komplizierte Anlagemöglichkeit handelt. Lassen Sie uns trotzdem •ersuchen, die Chancen und Risiken auszuloten. Dabei greife ich auf eine Ausarbeitung der Deutsch-Südamerikanischen Bank in Hamburg zurück, der Spezialbank der Dresdner Bank-Gruppe für Lateinamerika. Sie hat sich in der Bundesrepublik dem Handel mit Petrobonos besonders angenommen.

Zunächst die Zinsen! Sie werden Vierteljahrlich ausgezahlt und betrugen bisher für alle Emissionen 12,65823 Prozent vom Nominalwert. Nach Abzug der mexikanischen Quellensteuer (gegenwärtig 21 Prozent) ergibt sich ein Nettozins von genau zehn Prozent Dieser Zins ist als Mindestsatz garantiert, kann jedoch unter Umständen erhöht werden. Das ist bei der ersten Petrobonos-Anleihe der Fall gewesen, sollte jedoch bei Renditebetrachtungen vorsichtshalber süßer Betracht bleiben.

Die Zinserträge sind in der Bundesrepublik voll steuerpflichtig, und zwar der Bruttozinssatz von 12,65823 Prozent. Die 21prozentige mexikanische Quellensteuer kann im Rahmen der Bestimmungen des § 34 c Abs. 1 EStG angerechnet verden. Der Mark-Gegenwert der Quellensteuer vermindert in der Regel die deutsche Steuerschuld. Diese Anrechnungsmöglichkeit läuft auf eine Verbesserung der Rendite aus den Petrobonos hinaus.