Nach Preußen Sachsen?

Günter Gaus hatte in seinem ZEIT-Interview (vgl. Nr. 6 vom 30. Januar) gemahnt, man möge doch, wenn man die deutsche Geschichte in Erinnerung rufe, nicht nur an die Preußen, sondern auch einmal an die Sachsen denken. Hat man ihn in der DDR verstanden, richtig verstanden, zumindest in diesem Punkt? Berichte in DDR-Zeitungen lassen darauf schließen, daß die Preußen-Renaissance die Sachsen fragen läßt, weshalb sie ihr Licht unter den Scheffel stellen sollen. In einer Diskussion zum Thema "Sachsen – Image und Leistung" ist unlängst eine Podiumsrunde im Dresdner Club der Intelligenz (einer Renommierinstitution der DDR), dem Vernehmen nach zu dem Schluß gekommen, daß die Entwicklung Sachsens bis weit ins neunzehnte Jahrhundert in vielem wegweisend gewesen sei, was aber durch die preußisch dominierte Geschichtsschreibung nicht angemessen dargestellt worden sei. Die Ergänzung der Geschichte Preußens durch die Geschichte anderer Regionen hat vor kurzem sogar das theoretische Organ der SED Einheit gefordert. Vor einem guten Vierteljahrhundert löste dieselbe SED übrigens die Länder zugunsten der bis heute bestehenden Verwaltungsbezirke auf – auch Sachsen.

Gottvertrauen statt Warndreieck

Eine Ausnahmegenehmigung zur Befreiung von Vorschriften der Straßenverkehrsordnung hat die protestantische "Amish"-Sekte im amerikanischen Bundesstaat Michigan erwirkt. Die auf schwäbisch-alemannische Einwanderer um 1700 zurückgehende, ethnisch und religiös exklusive Gruppe hält an dem aus Europa mitgebrachten Lebensstil fest und lehnt moderne Errungenschaften wie Elektrizität und Motorisierung ab. Die als gute Farmer geltenden "Amischen" benutzen nur Pferde- oder Ochsenkarren. An den Rückseiten dieser Fuhrwerke hätten sie vorschriftsmäßig reflektierende Warndreiecke anbringen müssen. Sie lehnten das ab und gingen vor Gericht: Würden wir uns auf sie verlassen, so argumentierten sie, könnte man vermuten, daß wir unser Vertrauen zu Gott verloren hätten und nicht mehr glauben würden, daß er allein uns beschützt. Der Richter in Gladwin respektierte diese Haltung.

Haak statt Haack

In einem Teil unserer letzten Auflage wurde in der Glosse "Etwas Zensur gefällig?" auf Seite 1 versehentlich dem Bundeswohnungsbauminister Dr. Dieter Haack ein Satz in den Mund gelegt, den in der Wirklichkeit sein sozialdemokratischer Parteifreund und fast gleichen Namens, der nordrhein-westfälische Minister für Bundesangelegenheiten, Dr. Dieter Haak (ohne "c"), gesprochen hat.