Auf dem Rentenmarkt haben die Kurse in dieser Woche wieder leicht angezogen. Der Rückgang der Zinsen ist gestoppt. Ob für lange, hängt zunächst einmal von der Zinsentwicklung in den USA ab. Dort ist die prime rate zwar kräftig gesunken, aber die Bonds (festverzinsliche Kapitalmarkttitel) haben diese Bewegung in den letzten Tagen nicht mehr mitgemacht.

Die Konditionen der neuen Bundesanleihe (10 Prozent Nominalzins, 8 Jahre Laufzeit, Ausgabekurs 101 1/4 Prozent, Rendite 9,77 Prozent) tragen der veränderten Lage insofern Rechnung, als sie sich im Grunde nur an die private Bankenkundschaft und nicht an die institutionellen Anleger richtet, die zur Zeit kaum aus ihrer Reserve herauszulocken sind.

Dem privaten Sparer wird die Anleihe mit dem Zinskupon von zehn Prozent schmackhaft gemacht, obwohl er dafür einen Aufschlag zahlen muß, der die Rendite unter zehn Prozent drückt. Aber das nimmt der "Normalanleger" in Kauf, wenn er die Gewißheit hat, acht Jahre lang zehn Prozent kassieren zu können, meinen die Banken.

Auch die von zehn auf acht Jahre verkürzte Laufzeit trägt der Neigung der privaten Sparer Rechnung. Sie scheuen vor langen Laufzeiten zurück, eine Tendenz, die wegen der ungewöhnlich heftigen Zinsausschläge in den letzten Jahren verständlich geworden ist. Der Bund macht sich dies mit dem Angebot attraktiv verzinster Kurzläufer (wie Finanzierungsschätze, Bundesobligationen und letztlich auch Bundesschatzbriefe, die nach einem Jahr bereits ohne Kursrisiko zurückgegeben werden können) zunutze, sehr zum Leidwesen der Hypothekenbanken, die ebenfalls nur noch Pfandbriefe mit kurzen Laufzeiten absetzen können.

Strittig ist, ob der private Sparer die vergleichsweise auch heute noch hohen Renditen nutzen und die zur Zeit angebotenen Papiere kaufen soll. "Zehn Prozent Rendite verpassen, ist eine Dummheit", inseriert Portfolio Management in München, ein Börseninformationsdienst, der die Meinung vertritt, daß die Zeit "exotischer" Zinssätze hinter uns liegt.

Viele institutionelle Anleger sind anderer Ansieht. Sie verweisen auf den steigenden Kapitalbedarf der öffentlichen Hände, der einen tiefen Absturz des Zinses in der Bundesrepublik unwahrscheinlich macht und es immer wieder zu zinstreibenden Friktionen kommen lassen wird.

Dem Attentismus der Großanleger versucht der Bundesfinanzminister durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit entgegenzuwirken. So ließen die Schuldenmanager des Bundes in der Vorwoche verlauten, daß sie bereits 35 Milliarden Mark zur Finanzierung des Haushaltes 1981. aufgetrieben hätten, also mehr als die Hälfte des veranschlagten Bruttofinanzierungsbedarfs von 62 Milliarden, der sich allerdings wohl noch kräftig erhöhen wird. Einmal wegen niedrigerer Steuereingänge, zum anderen wegen der Finanzierung beschäftigungspolitischer Maßnahmen, die angeblich bereits vorbereitet werden.

"Erfolgsmeldungen" über den Grad der Etatfinanzierung stoßen in Börsenkreisen schon seit langem auf Skepsis. Aber man hat für den Bundesfinanzminister Verständnis. Er ist geradezu gezwungen, so zu taktieren. Schließlich befindet er sich in einer ungünstigen Position. Er muß im Bundesetat seinen Finanzbedarf offenlegen, so daß jedermann seine Nöte kennt. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als Stimmungsbeeinflussung dadurch zu betreiben, daß er eben behauptet, schon weitgehend finanziert zu sein. K. W.