Die Abwertung der italienischen Lira um sechs Prozent war seit einem Jahr überfällig. Für die Zukunft entscheidend ist die Frage, ob die zusätzlich beschlossenen Kreditrestriktionen ausreichen, um eine weitere Abwertung in wenigen Monaten unnötig bleiben zu lassen. So lange die Inflationsrate nicht nachhaltig sinkt, wird Italien der außenwirtschaftlichen Logik nicht entkommen.

Zur Zeit galoppiert die Inflation mit 20 Prozent. Die Kreditkosten werden nach den am Wochenende beschlossenen Maßnahmen auf 25 Prozent steigen. Die Subventionsprogramme führen dazu, daß der gesunde Teil der Wirtschaft prohibitive Zinsen zahlen muß, während die heruntergewirtschafteten Großbetriebe des Staates kostenlos durch die Hintertür bedient werden.

Angst vor sozialer Unruhe hält Roms Regierung auch davon ab, die gesetzliche Anpassung der Löhne an die Inflation in ihren Auswüchsen zu beschneiden. Schon drohen die Gewerkschaften mit Generalstreik. Heiße Auseinandersetzungen sind ohnehin in dem Augenblick zu erwarten, in dem das Kabinett versucht, die jetzt beschlossene Kürzung der ungedeckten Staatsausgaben um zehn Milliarden Mark zu verwirklichen. "Die Minister müssen diese Entscheidungen treffen und dann für einige Zeit mit unbekanntem Ziel verreisen", empfehlen die Spötter. Unter solchen Auspizien ist die jüngste Lira-Abwertung ein zu zaghafter Schritt.

fg