Er war in den letzten Phasen seines Lebens das, was er in den ersten Dezennien keineswegs gewesen war: ein Mann zwischen den Fronten. Sein Vater, ein Donkosak, war ein hochverdienter Bolschewikj Organisator der Roten Garde in Petrograd gewesen, wurde aber schließlich ein Opfer stalinistischer Willkür und Raserei.

Jurij Trifonow, der Erzähler und Romancier, fenoß zunächst durchaus die blendende Anerennung des Regimes, für die Novelle "Studenten" bekam er den Stalin Preis. Er gehörte 1965 bis 1970 dem Präsidium des Schriftstellerverbandes der RSFSR an, man verhielt sich aber nach und nach zu ihm distanzierter und ratloser. Man krittelte, wenn er das Moskauer Alltagsleben in verschiedenen Werken, so auch in der Novelle "Das Haus an der Moskwa", schilderte, an ihm herum: er sei zti objektiv (natürlich, die allseits geforderte Parteilichkeit war nicht seine Sache), seine Anschauungen seien nicht zukunftsträchtig.

Er war bis zuletzt "weder ein Dissident noch ein Mann duckmäuserischer Anpassung an Geschmack und Wünsche der Machthaber. Er war in einem nicht leicht zu definierenden "Niemandsland" tätig, nur scheinbar zuweilen unentschieden, in Wirklichkeit von unbeirrbarer Moral, ein Meister der Andeutungen und Anspielungen, des Atmosphärischen.

Zugleich erzog (auch) er seine Anhänger zu einer Kunst, dieein Nietzsche gerühmt hätte: zur Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen "Das Haus an der Moskwa" wurde von ihm und Jürij Ljubimow dramatisiert, es wurde im TagankaTheater, der Moskauer Avantgarde Bühne, aufgeführt. Für das Kellertheater des Experimentators Tabakow wollte er, der Autor des "Tausches", des "Stank" und anderer Arbeiten, ein Stück schreiben. Am letzten Sonnabend ist er in Moskau nach einer Nierenpperation gestorben: Es ist ein schwerer Verlust des literarischen Lebens, bei weitem nicht nur Rußlands.