München

Endlich amoi wieder a scheena Prozeß“, meinte ein Dauergast im Münchner Strafjustizzentrum, „des war aufregend bis zuletzt“. Ungewöhnlich war das Verfahren schon, das in den letzten vier Monaten vor dem Landgericht München I verhandelt wurde. Nicht nur wegen der großen Beachtung, die die lokale Presse dem Prozeß widmete, obwohl es doch nur um das Vergehen der Untreue ging. Schließlich war einer der beiden Angeklagten einmal der „schnellste Mann der Welt“ – Armin Hary, Olympiasieger 1960 im 100-Meter-Lauf. Spannend bis zum Schluß aber waren für die Zuschauer auch die Verstrickungen von Angehörigen einer Institution, die nur selten in Gerichtssälen anzutreffen ist – der katholischen Kirche.

Für die Kirche, genauer für die Finanzkammer des Erzbischöflichen Ordinariats von München und Freising, arbeitete einmal der Angeklagte Karl-Heinz Bald. Der 53jährige Kaufmann war Liegenschaftsreferent. Zusammen mit dem neun Jahre jüngeren Armin Hary hat er nach Ansicht der Richter seinen einstigen Auftraggeber um rund drei Millionen Mark gebracht. Dafür verurteilte ihn letzte Woche die 19. Strafkammer zu fünf Jahren Gefängnis und Hary wegen Beihilfe in zwei Fällen zu zwei Jahren. Ohne Bewährung. Harte Strafen nach einem Prozeß, über den die Süddeutsche Zeitung schrieb, er habe „sonderbare Wendungen“ vollzogen.

Am Anfang schien alles klar zu sein. Der Staatsanwalt warf Bald vor, er habe einzelne Pfarrer und den Chef der Erzbischöflichen Finanzkammer zu nachteiligen Grundstücksgeschäften „unter Täuschung über den tatsächlich erforderlichen Aufwand oder erzielbaren Erlös“ veranlaßt. Dabei habe Bald seine Vertrauensstellung ausgenützt und Geschäfte empfohlen, bei denen er und Hary kräftig absahnten.

So zahlte zum Beispiel eine Pfarrpfründestiftung 1,8 Millionen Mark für ein Grundstück an Harys Schwiegervater, das dieser am gleichen Tag für nur 780 000 Mark gekauft hatte. Der Differenzbetrag landete bei den Angeklagten. Die gemeinnützige „Neue Heimat Bayern“ half tatkräftig dem Zustandekommen von Grundstücksgeschäften mit der Kirche nach. Mit Schecks über 1,34 Millionen Mark für Bald.

Der gab die finanziellen Transaktionen zu Prozeßbeginn auch voll zu. Seine Erklärung: Die Beträge seien eine Entschädigung für entgangene Geschäfte mit der Kirche gewesen. Und von einer Täuschung könne gar keine Rede sein; der Erzbischöfliche Finanzdirektor, Domkapitular Johann Strasser, habe schließlich von allem gewußt.

Doch der war anfangs anderer Ansicht. Strassen „Ich hätte niemals einem Grundstücksgeschäft zugestimmt, bei dem zwar ein wertentsprechender Kaufpreis bezahlt worden ist, der Verkäufer aber bereit gewesen wäre, zu einem weitaus niedrigeren Kaufpreis zu verkaufen.