DIE ZEIT

Kein Mitenand

Mit einer seit Jahren unerreichten Mehrheit – 1,3 Millionen gegen 252 000 Stimmen – hat das Schweizer Volk am Wochenende die "Mitenand"-Initiative für eine neue Ausländerpolitik verworfen.

Das Leben als Waffe

Unsere Gesellschaft hat den Tod ausgesperrt, Tote Kinder im Straßenverkehr, Selbstmordwelle an den Oberschulen, Atomwaffen auf deutschem Boden – lieber nicht daran denken.

Gesprächsfaden

Die polnischen Wechselduschen halten an. Husak droht, Breschnjew beschwichtigt, Washington poltert, Bonn betet. Bundesaußenminister Genscher ist mit dem Gefühl aus Moskau zurückgekehrt, die westlichen Warnungen vor einer sowjetischen Invasion Polens seien verstanden worden.

Deutschland - ein Jammertal?

Eine Nation in Ungewißheit: Kommt er oder kommt er nicht, der neue Konjunkturauf-Schwung. Fast vor unserer Haustür kämpfen die Polen um ihre nationale Existenz; die Vereinigten Staaten wagen einen politischen und rüstungswirtschaftlichen Kraftakt, um die kommunistische Expansion zu stoppen; die Kombination von islamischem Fundamentalismus und Herrschaft über die Erdölquellen stellt eine ständige Bedrohung der Energieversorgung der westlichen Welt dar.

Volksfronten

Das Bild Hatte Seltenheitswert: Der Vorsitzende der moskautreuen Deutschen Kommunistischen Partei, flankiert von Bundeswehrsoldaten in Uniform, marschiert an der Spitze eines antiamerikanischen Demonstrationszuges auf den Bonner Marktplatz.

Worte der Woche

"Hier wird nach dem Grundgesetz regiert, und das sieht nun nicht mal vor, daß alle möglichen Bewegungen und Artikelschreiber im Stern oder in der Quick die Entscheidungen treffen.

Zeitspiegel

Der Ältestenrat des Bundestags hat am Ende nur noch eine Art von Sterbehilfe geleistet, als er vorige Woche sein ehrgeiziges Projekt aufgab, dem Parlament in Bonn ein neues Haus zu bauen und seinen Mitgliedern zugleich ausreichend Arbeitsraum zu verschaffen.

Wolfgang Ebert: Nächtlicher Anruf

"Darum rufe ich Sie an. Um Ihnen ein paar Tips zu geben. Vor allem: Lassen Sie sich nichts anmerken. Also erkundigen Sie sich besser nicht danach, wie es ihm geht, und ob er in Washington noch etwas zu sagen habe.

Was soll, was darf die Kirche?

DieKirche kann und soll interpretieren, was christlich und was unchristlich ist, und sie soll dies auch laut sagen. Aber die Kirche besteht aus Menschen, und diese sind fehlbar, sind der Versuchung zugänglich, entbehren oft des Mutes; darum hat die Kirche keineswegs immer recht.

Umsturzversuch in Thailand: Putsch der Obristen

Äußerlich scheint Thailand zum Normalzustand zurückgekehrt. Der Premierminister und Oberbefehlshaber der Armee, General Prem, residiert wieder in seinem Amtssitz in Bangkok, die Anführer des gescheiterten Umsturzes sind – unter offiziellem Geleitschutz – ins Ausland "geflüchtet".

Italien: Zweifelhafter Erfolg

Wieder kann sich Italiens Polizei rühmen, mit Mario Moretti einen der gefährlichsten Terroristen gefaßt zu haben. Doch die Zweifel, ob damit dem polit-kriminellen Untergrund wirklich der "entscheidende Schlag" versetzt ist, sind durch neue Morde erhärtet worden.

Waffeln statt Waffen

Mehr als zwanzigtausend – so die Angaben der Veranstalter, nach anderen Schätzungen, zwölf- bis fünfzehntausend – demonstrierten in der Bundeshauptstadt.

Jugoslawien: Aufstand in Kosovo

Der Aufstand von Studenten und Arbeitern in der Provinz Kosovo stürzte Jugoslawien in die erste schwere politische Krise seit Titos Tod.

Studie über Aussteiger

Die Studie trägt den Titel "Zur alternativen Kultur in der Bundesrepublik" und ist von Familienministerin Antje Huber dem Bundeskanzler zugeleitet worden.

Neue US-Nahost-Strategie

Im amerikanischen Außenministerium gewinnt der Verdacht an Gewicht, daß die Unruhen im Libanon von den Sowjets über ihre syrischen Freunde inszeniert wurden.

Hübsch sollten sie schon sein

Die Ausstellerfirmen der Hannoveraner Messe engagieren jedes Jahr rund 3500 Mädchen und Frauen als Hostessen. Die Anzeige "Messe-Hostessen gesucht" in der Lokalpresse wird allerdings oft mißverstanden, weshalb Fritz-Heinz Schatz, der Dienststellenleiter des Messe-Arbeitsamtes, lieber von "Standhilfen" spricht.

Nach der Massenverhaftung: Obszöne Gedanken

Zur gleichen Zeit wurden im Münchner Kultusministerium Überlegungen angestellt, öb denn nicht gegen Glaser disziplinarisch vorzugehen sei; freilich nicht, weil er 141 Leute verhaftet, sondern sich über den inzwischen historischen Vorgang geäußert hatte.

Schülerzeitunen: Weg mit der Zensur

Es ist schon etwas Besonderes, Schüler des Jesuiten-Kollegs St. Blasien im Südschwarzwald zu sein. Viele der 800 Zöglinge des privaten Internates haben prominente Eltern, niemandem freilich wird erspart, was seit einer Brandkatastrophe in dem barocken Kloster zum notwendigen Ritual wurde: die Teilnahme an Feueralarmübungen.

Käufer in Uniform: Häuschen vom Bund

Ausgerechnet ein Gebäudeschätzer aus der badischen Kleinstadt Bruchsal wurde vom Oberlandesgericht Karlsruhe in letzter Instanz dazu verurteilt, zwölf Reihenhäuser für jeweils etwa 100 000 Mark zu verkaufen, obwohl sie seriösen und unabhängigen Gutachterschätzungen zufolge etwa das Doppelte wert sind.

Das Geld der Scheiche

Ob nun direkt bei den Saudis, bei einem der anderen großen Überschußländer oder auf dem Umweg über die internationalen Kapitalmärkte: Irgendwo werden wir in diesem Jahr wieder Geld leihen müssen.

Subventionen: Taktik

Vergangene Woche in Bonn: Der Bundestag läßt in öffentlicher Anhörung die Vertreter verschiedener Interessenverbände zu Wort kommen, die sich allesamt gegen die von der Bundesregierung vorgeschlagene Streichung einzelner Subventionen (etwa der Sparförderung) wehren.

Bonner Kulisse

Manfred Emcke, der Hamburger Unternehmensberater, dessen industriellen Sachverstand sich Verteidigungsminister Hans Apel ins Haus geholt hat, um die Lotterwirtschaft bei den großen Beschaffungs-Projekten abzustellen, wird den Steuerzahler nun doch einiges kosten.

Mitbestimmung: Stilfrage

Zum guten Stil des politischen Umgangs in einer Demokratie gehört es, daß man sich mit dem politischen Gegner oder anderen Gruppen an einen Tisch setzt, um Probleme zu beraten.

Hannover-Messe: Optimismus

Dann begann in Hannover eine Messe, eine Ausstellung für Industrie-Erzeugnisse – und schon ist alles anders: Mut hat sie plötzlich gefaßt, die deutsche Wirtschaft; Optimismus beherrscht die Schlagzeilen.

Kernkraft: Der Glaube soll Berge versetzen

So richtig glaubt eigentlich kaum noch jemand an den Vollzug des deutsch-brasilianischen Atomabkommens. Zu den wenigen Gläubigen gehört aber ganz sicher Helmut Fritz Oskar Völcker, Vorstand der STEAG in Essen, Diplomphysiker und seit 20 Jahren mit der Kerntechnik verbunden.

Die Deutsche Bank deklassiert ihre Konkurrenten

In keinem Jahr der Nachkriegszeit klafften die Ergebnisse der drei deutschen Großbanken so weit auseinander wie 1980. Von dem jahrelang geübten Dividendengleichschritt kann keine Rede mehr sein.

Manager und Märkte

Zwei ehemalige Bonner Beamte räumen in der deutschen Schwerindustrie auf. Nachdem Ex-Staatssekretär Detlev Rohwedder mit Franz Josef Hufnagel das letzte deutsche Vorstandsmitglied aus der Gründungsphase des deutschholländischen Stahlkonzerns Estel los wurde, sprangen auch bei der bundeseigenen Salzgitter AG zwei Vorstandsmitglieder über die Klinge.

Mittelstand: Einigkeit macht stark

Klagen allein nutzen ihm nichts, dem Mittelstand. Deshalb rafften sich vor vier Jahren fünfzehn kleinere Datenverarbeitungsfirmen zur Tat auf: Sie gründeten den Interessenverband "Impuls".

Agrarpreise einfrieren

Schneider: Sie haben recht, eines der großen Ziele, nämlich der Einstieg in eine Reform der Agrarpolitik ist gescheitert. Ich glaube allerdings, daß der Druck der finanziellen Folgen, die sich auch aus den neuen Beschlüssen ergeben, so massiv sein wird, daß wir einfach gezwungen sind, endlich zu handein.

Aktienseller

Im März hat die Umsatztätigkeit auf dem deutschen Aktienmarkt deutlich zugenommen. Zu verdanken ist dies den Kaufaufträgen aus dem Kreis der reichen OPEC-Staaten.

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