Dany wendet die Handflächen von innen nach außen, ballt die Fäuste, und der ganze kleine Kerl, der früher einmal Sportreporter werden wollte, um auf dem Motorrad die Tour de France zu begleiten, droht schier zu platzen, als er hinzufügt: „Das ist einfach Power.“

Power war es auch, als Dany plötzlich im Mai ’68 zur herausragenden Figur der Pariser Studentenunruhen. wurde; Power, als er 1976 den von 20 000 Menschen besuchten Pfingstkongreß des Sozialistischen Büros gegen Berufsverbote, Zensur und Gewaltparagraphen mit einer einzigen Rede auf den Kopf stellte. Während die intellektuellen Sprecher der Apo, Wolf-Dieter Narr, Oskar Negt und Heinz Brandt, über die „staatliche Repression“ debattierten, sprach Dany von der Unterdrückung der Frauen durch linke Männer, von einander verletzenden Umgangsformen und weckte so die „eigene Betroffenheit“.

„Spaß“ habe das gemacht, sagt er, und ein „Spaß“ wird es sein, wenn die „Alternative Liste“ in Berlin bei den Wahlen am 10. Mai zehn Prozent der Stimmen gewinnt: „Dann kommt nämlich Dieter Ullmann, der jetzt noch im Knast sitzt, in das Berliner Abgeordnetenhaus. Den werden wir zum Bundestagskandidaten machen. In Berlin wurden die Bundestagskandidaten bisher immer im Proporz zu dem Stimmenanteil ihrer Partei aufgestellt und dann einstimmig gewählt. Mal sehen, ob die CDU das bei dem Knacki von der Alternativen Liste auch noch mitmacht.“

Während er spricht, sammeln sich andere Redakteure des Pflasterstrand um den Tisch. Niemand fällt Dany ins Wort. „Ist das nicht ein Bruch“, frage ich, „einerseits von der völligen Gleichberechtigung zu reden, andererseits sich so eindeutig und so unangefochten in den Vordergrund drängen?“ Dany bietet eine Erklärung an: „Nehmen wir die Alternative Liste oder die Grünen. Es ist Ausdruck von einem Bedürfnis, daß antiparlamentarische Triebstrukturen im Parlament vertreten sind. Ich habe in den letzten zwölf Jahren bewiesen, daß ich nicht integrierbar bin. Deshalb habe ich auch nicht kandidiert. Aber ich habe das Vertrauen der Szene, während die Kandidaten der Grünen doch nur Politfunktionäre sind. Ich bin hier in Frankfurt eine Institution. Wenn ich nicht zur Wahl der Grünen aufgerufen hätte, wären sie nicht drin.“

Seine Hoffnung auf die Grünen ist unbegrenzt. „Ich glaube einfach, es wird einen neuen Konsens geben, gegen die Herrschaft der Technokraten, ich glaube einfach an die göttliche Dialekt tik von Hausbesetzungen, Brokdorf, Anti-Bundeswehr und Wahlsiegen der Alternativen und Grünen.“ Dany „glaubt einfach“ ständig.

Der Unterschied zwischen ’68 und heute? „Ich glaube einfach, daß wir damals nur gegen die soziale Betonierung waren, während wir heute auch gegen die reale Betonierung sind.“ Der Wunsch nach Selbstbestimmung? „Ich glaube einfach, daß dieses grundsätzliche Bedürfnis nach Autonomie viel breiter ist als die Bewegung der sechziger Jahre.“

Dany jedenfalls paßt in diese neue Bewegung. Er war schon immer ein Feind der organisierten Linken, handelte es sich nun um die Kommunistische Partei Frankreichs oder um den Kommunistischen Bund Westdeutschland, der ihm drohte, ein „vaterlandsloser Geselle“ wie er „wird nach der Revolution aufgehängt oder bestenfalls zur Arbeit in eine Fischmehlfabrik gesteckt“.