DIE ZEIT

Verlags-Agonie

Axel Springer, der vor wenigen Wochen mit heftigem Rechtsruck die Welt in den Griff nahm, damit seinem getreuen Boenisch die „menschlich größte Enttäuschung“ seines Lebens bereitete – ihn nämlich schlicht hinauswarf –, bleibt aktiv: Nun krempelt er den Ullstein-Verlag um.

Hilflosigkeit

Es gibt kaum ein Thema, über das im Bundestag so ausdauernd und uferlos geredet wird wie über „die Jugend“. Die Debatten sind in der Regel ebenso hitzig wie langweilig.

Zwischen Trennen und Verbundensein

Es geht ihnen fast wie den beiden Königskindern, die zusammen nicht kommen konnten. Das Gespräch zwischen Bundeskanzler Schmidt und dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Honecker, das die Verknotungen im deutschdeutschen Verhältnis lösen soll, wird seit Jahr und Tag erwogen, geplant und verschoben – die politischen Gräben waren allemal zu tief.

Gefährliche Mission

Es war reiner Zufall: Zwanzig Jahre auf den Tag, nachdem der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin den ersten Weltraumflug unternahm, starteten die Amerikaner das erste wiederverwendbare Raumschiff.

Fahrerflucht

Es ist schon ein starkes Stück: Da rammt das amerikanische Atom-U-Boot George Washington den japanischen Frachter Nissbo Maru, bohrt ihn in Grund und Boden – und taucht einfach weg, ohne erkennbaren Versuch der Hilfeleistung.

Zeitspiegel

Vor genau einem Jahr, in der Ausgabe vom 16. April 1980, hatte DIE ZEIT erstmals die Entlassung des inzwischen 73jährigen Rentners Karl-Heinz Bigell aus der Strafhaft, gefordert.

Wolfgang Ebert: Kanzler-Opfer

„Gottlob nicht. Nur die plötzliche Einsicht, daß wir Osterreisen nach Sizilien nicht unbedingt zum Leben brauchen. Und keine Luxushotels und teure Flugreisen.

Atomkraft: Verkürzte Bürgerrechte?

Genehmigungsverfahren für Kernkraftwerke sind nach heutiger Praxis lang, kompliziert und alles andere als bürgerfreundlich. Sie zu beschleunigen scheint also vernünftig zu sein.

Runter mit dem Jackett!

Eine Belastungsprobe hat die Koalition in der letzten Woche bei der Schlußabstimmung über das Gesetz zur Fortgeltung der Montanmitbestimmung bestanden.

Namen und Nachrichten

Der polnische Ministerpräsident Jaruzelski will erneut mit einer Rücktrittsdrohung eine Streikpause erzwingen. Polen brauche den sozialen Frieden, um sich aus der desolaten Wirtschaftslage herauszuarbeiten.

Nordirland: „Waffen schaffen keine Demokratie“

Vor einem Jahrzehnt war Bernadette Devlin eine Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung in Nordirland. Sie hatte sich schon längst ins Privatleben zurückgezogen, als sie Anfang dieses Jahres Opfer eines Attentates wurde.

Kein Lob für die Kritiker

Vor zehn, zwölf Jahren war die Jugendszene, soweit sie Schlagzeilen machte, vor allem akademisch geprägt; heute erstreckt sich der Kreis in aktiv Beteiligten weit über das Studenten- und Schülermilieu hinaus.

Der Staat ruft die Gewalt hervor

Über die Ursachen gewaltsamer Proteste meinte der Ministerpräsident", so referierte die Frankfurter Rundschau jüngst eine Rede von Ernst Albrecht, "in der Jugend gebe es, ein Bedürfnis zu zerschlagen, zu zerstören und sich auf diese Weise Luft zu schaffen.

Jubel im Chor

Wenn es mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte die Volkspolizei von Ostberlin Schilder am Stadtrand aufstellen müssen: „Diese Stadt ist vom 10.

Justiz: Ins Gesicht geschlagen

Polizeiskandale hat’s in Nürnberg schon öfter gegeben“, sagt Rechtsanwalt Johann Graf, „aber das ist das erste Mal, daß die Richter sich massiv mit einspannen ließen.

Liselotte Vogel: Er ist hier und doch nicht da

Liselotte Vogel ist 53 Jahre alt, Hausfrau. Sie hat aus ihrer ersten Ehe zwei erwachsene Töchter, die Jura beziehungsweise Medizin studieren, und sie ist seit über acht Jahren mit Hans-Jochen Vogel verheiratet, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Partielle Wahrheiten

will erklärtermaßen nicht das Für und Wider der Neuen Medien (Satellitenfernsehen, Kabelfernsehen und der verschiedenen elektronischen „Dienste“) abwägen, sondern Propaganda gegen sie machen, und konsequenterweise gipfelt es in dem Aufruf an die Bürger, sich allen Verkabelungsprojekten standhaft zu verweigern.

Wachstums-Kritik: Haschisch für Intellektuelle

Daß es bei dem heftigen Streit über die Frage, ob in Brokdorf bei Hamburg ein Kernkraftwerk errichtet werden solle, ganz offensichtlich um mehr geht als um ein weiteres Atomkraftwerk ist in der ganzen Bundesrepublik ein Allgemeinplatz.

Der schnelle Kosten-Brüter

Bundesforschungsminister Andreas von Bülow will von vornherein verhindern, daß er wie Verteidigungsminister Hans Apel zur Zielscheibe der Opposition wird.

Bestattungsgewerbe: Die schwarzen Konzerne

Selbst vor einem so altehrwürdigen Gewerbe wie dem der Bestatter macht die Konzentration nicht Halt. Die Nachfolger der Leichenbitter früherer Jahrhunderte sind mehr und mehr Groß- und Filialbetriebe, die ihren Kunden einen "Service in allen Trauerangelegenheiten" bieten.

Kündigungen: Karriere nach dem Rauswurf

Seinen Rausschmiß hält der Gefeuerte im nachhinein für filmreif. Es war ein Arbeitstag wie viele andere, auch der Anruf der Chefsekretärin und die Bitte, zum Geschäftsführer zu kommen, waren Routine.

Verdrängte Zinssorgen

Tendenziell drängen die Zinsen in der Bundesrepublik wieder leicht aufwärts. Dies unabhängig von der Entwicklung in den USA, wo jetzt der gleiche Konflikt zwischen Regierung und Notenbank ausgebrochen ist, wie er bei uns zwischen einzelnen Regierungsmitgliedern und der Bundesbank schon lange schwelt.

Gestörtes Vertrauen

Während die deutschen Aktienfonds in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Plus blieben und Fonds, die im Ausland investiert, teilweise zweistellige Wertsteigerungen vorzuweisen haben (Nippon Dynamik), gab es bei den deutschen Rentenfonds begrenzte Einbußen.

Stahlkartell: Warten auf Rauchzeichen

Luxemburg ist zum Mekka der europäischen Stahlindustriellen geworden. Am Donnerstag dieser Woche treffen sie sich zum fünften Male im großen Sitzungssaal des Luxemburgischen Stahlkonzerns Arbed an der Avenue de la Liberté.

Fernwärme rechnet sich

Lennartz: Die Zahlen für die verschiedenen Fernwärmeprogramme belaufen sich je nach Modell auf zehn bis 80 Milliarden Mark allein für Nordrhein-Westfalen; auf 200 fürs ganze Bundesgebiet.

Zeitraffer

Obst, Gemüse und Energie kamen im März den bundesdeutschen Haushalten, die mit einer Inflationsrate von 5,5 Prozent leben mußten, besonders teuer zu stehen.

Manager und Märkte

Die Unterhaltungselektronik-Branche hat ihn wieder: Franz-Hermann Vogt, einst Präsident von Grundig France und danach bis vor einem Jahr in den Diensten des französischen Thomson-Brandt-Konzerns, zuletzt als Chef der Bremer Tochterfirma Nordmende, ist der neue Boß des HiFi-Geräte-Produzenten Dual.

Die sieben Geheimnisse des Erfolges

Sie leben seit Jahren unter uns. Sie sitzen in den meisten Intercity-Zügen und in fast jedem Flugzeug, das zwischen den Wirtschaftszentren der Bundesrepublik oder Europas verkehrt.

Hiroshi Yanagi: Ein Japaner von heute

Wenn Hiroshi Yanagi ausländischen Besuchern die neue Verwaltungszentrale seines Unternehmens in Tokio zeigt, lädt er auch zur Besichtigung der Herrentoilette ein: "Für uns ist das Beste gerade gut genug", bemerkt er voller Stolz bei der Demonstration der computergesteuerten Toilettenspülung.

Jin Mizuguchi: Ein Japaner von morgen

Der junge Ingenieur hat kein Auto. Er hat es vor einiger Zeit verkauft, weil er damit im Großraum Tokio mit seinen stets verstopften Straßen doch nicht viel anfangen kann.

Erfolgreich in Fernost

Deutsche Besucher des Kamigo-Motorenwerkes von Toyota werden besonders darauf hingewiesen: Zwei Maschinen, made in Germany, gilt es zu bestaunen, die Löcher in Motorblöcken glätten.

Politiker werden erst mit siebzig zum Renner

Eine Meinungsumfrage, vom Büro des Ministerpräsidenten in Auftrag gegeben, brachte es vor drei Jahren an den Tag: Neunzig Prozent der Japaner betrachten sich als Angehörige der Mittelschicht.

Pädagogik mit Tricks

Vor einigen Monaten schaltete ich eine bereits laufende Fernsehsendung ein. „Fit with fun“ war gerade zu lesen: auf einem T-Shirt, quer über der Brust einer jungen Frau.

Durchgefallen

Ist der Student auch noch so dumm, so kommt er doch durchs Physikum." Bis zum März dieses Jahres stimmte das Bonmot: Nur 1,5 Prozent der angehenden Ärzte scheiterten in den letzten Jahren endgültig am Physikum, das bis zu zweimal wiederholt werden kann.

Ich singe aus Angst – das Unsagbare

Fritz J. Raddatz: Als wir vor geraumer Zeit mal miteinander sprachen, sagten Sie etwas, das mich ziemlich bestürzt hat: „Lieber Raddatz, was Sie da tun, ist ja im Grunde genommen: das gute Feuilleton im ‚Reich‘.

Zeitmosaik

Daß es in Hamburg die Freie Akademie der Künste gibt, 1948 von Hans Henny Jahnn gegründet und neben Berlin und München die dritte ihrer Art im westlichen Deutschland, war bisher nicht nur den meisten Bürgern fremd, sondern auch wichtigen Persönlichkeiten des Kultursenats; der finanzielle Zuschuß reicht nicht einmal für eine ständige Sekretärin, und für das Jahrbuch wie für manche Veranstaltung ging man betteln.

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