Axel Springer, der vor wenigen Wochen mit heftigem Rechtsruck die Welt in den Griff nahm, damit seinem getreuen Boenisch die „menschlich größte Enttäuschung“ seines Lebens bereitete – ihn nämlich schlicht hinauswarf –, bleibt aktiv: Nun krempelt er den Ullstein-Verlag um. Geschäftsführer Hans F. Erb, Nachfolger des ebenfalls in Ungnade gefallenen Wolf Jobst Siedler, verhandelt nicht mehr mutig über Buch Verträge, sondern unmutig über die Auflösung seines eigenen Vertrags. Peter Rühmkorfs so befehdete wie belächelte Initiative „Wir arbeiten nicht für Springer-Zeitungen“, inzwischen von dreihundert Autoren unterschrieben, hat es bewirkt. Eine Berlin-Anthologie „Die Hälfte der Stadt“ sollte von „Unterschriftstellern“ (vgl. ZEIT Nr. 13) gereinigt werden. Die Herausgeber Krista Schädlich und Frank Werner traten daraufhin zurück. „Es geht um die letzte Agonie eines bis zur Unerträglichkeit disziplinierten alten Verlages“, heißt es in einem Abschiedsbrief.

Es geht darum, was Verleger Springer, der sich persönlich eingeschaltet hat, nicht mehr ertragen kann. Den „Neuansatz, den wir in der Programmpolitik gewagt haben“, wie Hans F. Erb es noch im Ullstein-Almanach 1981 formulierte, offensichtlich nicht. Das Herbstprogramm dieser Tage auf der Vertreterkonferenz vorzustellen, wurde Erb bereits untersagt. Der Konzern steht vor zwei kniffligen Fragen. Erstens: Verlag verkaufen oder Bücher? Zweitens: Wo Bücher herbekommen ohne Autoren? Die stören ja offenkundig nur. F. J. R.