Annehmbar

„Der Schüler Gerber“ von Wolfgang Glück. „Gott“ Kupfer nennen sie ihn. Aber sie fürchten ihn eher wie den Teufel, den Mathematikprofessor, der seine Schüler im letzten Jahr vor dem Abitur mit sadistischer Freude und sturem Disziplinzwang verfolgt. Einer wagt es, aufzubegehren gegen den falschen Gott. Leider fehlt es dem Schüler Gerber an mathematischem Talent. Und leider verliebt er sich obendrein in das falsche Mädchen. So liegt er am Ende mit gebrochenem Genick im Schulhof, während seine Mitschüler die frohe Kunde erreicht, daß sie nun – amtlich geprüft – „reif“ sind. Friedrich Torberg, nach dessen Roman aus dem Jahre 1930 der Film entstand, wußte, wovon er sprach. Er War 1929 durchs Abitur gefallen. Seitdem ist ein halbes Jahrhundert vergangen. Da könnte es schon zu denken geben, daß diese österreichische Produktion in ihrem Entstehungsland auf Anhieb zum Kassenschlager wurde. Fassbinders neuer Lieblings-Kameramann Xaver Schwarzenberger, der den Kriegsschauplatz Schule sehr einfühlsam photographiert hat, ist für diesen Erfolg ebenso mitverantwortlich wie Werner Kreindl als Lehrer Kupfer.

Rolf Thissen

„Trokadero“ von Klaus Emmerich, der vor fünf Jahren den schönen Aussteigen, und Gangsterfilm „Kreutzer“ gedreht hat. Auch hier geht es um einen, der zu neuen Ufern aufbricht. Theo, der Traumtänzer aus München, macht in Niederbayern eine Bierkneipe auf. Die Einheimischen bleiben dem Lokal indessen fern, und so wird Theo rasch sein bester Gast Bis. Wendelin auftaucht, noch eine windige Existenz mit noch kühneren Plänen. Aus der Kneipe soll ein Striptease-Laden namens „Trokadero“ werden. Für die beiden Spinner, Träumer, Ausgeflippten, die in ewiger Fehde mit einer öden Wirklichkeit liegen, hat – Jörg Graser wirklich witzige Dialoge geschrieben: ein chaotisches Duett für zwei Verlierer, ohne Herablassung und Sentimentalität.

Und es macht Spaß, den beiden Hauptdarstellern Ludwig Hirsch (auf dessen Lieder ich allerdings manchmal hätte verzichten können) und Franz Xaver Kroetz zuzuschauen. Auch eine Fortsetzung („Theo und Wendelin am Nil“) könnte man sich gut vorstellen. Schade nur, daß Klaus Emmerich das kauzige Stück in einem flachen Fernsehstil und im grauen 16-Millimeter-Format gedreht hat. Hans C. Blumenberg

Ärgerlich

„Shogun“ von Jerry London ist kein Film, sondern ein Zusammenschnitt aus einer in den USA sehr erfolgreichen Fernseh-Serie nach dem Roman von James Clavell. Der handelt davon, wie ein britischer Seemann im Jahre 1600 an. der japanischen Küste strandet, allmählich eine fremde Kultur kennen-und liebenlernt und-selber zum Samurai wird. In Londons indifferenter Fernseh-Inszenierung bleibt von Clavells mitreißendem Epos (für mich das schönster Abenteuerbuch des letzten Jahrzehnts) nur eine matte, spannungslose Nacherzählung übrig, die nichts mehr von der Faszination der Vorlage ahnen läßt. Die Darsteller – Richard Chamberlain als Navigator John Blackthorne, Yoko Shimada als seine Geliebte Mariko, Toshiro Mifune als Kriegsherr Toranaga – sind zwar nicht schlecht, aber die schludrige Ärmlichkeit der Serienroutine reduziert die komplexen Figuren auf langweilige Papiergestalten. Der nächste Fernsehserienverschnitt aus Hollywood, auch vom CIC-Verleih lanciert, folgt schon in der nächsten Woche: „Masada“. HCB

Empfehlenswerte Filme „Engel aus Eisen“ von Thomas Brasch. „Dressed to Kill“ von Brian De Palma. „Talentprobe“ von Peter Goedel. „Der König und der Vogel“ von Paul Grimault. „Scarface“ von Howard Hawks. „Der Elefantenmensch“ von David Lynch. „Der Loulou“ von Maurice Pialat. „Providence“ von Alain Resnais. „Wie ein wilder Stier“ von Martin Scorsese. „Komödie des Grauens“ von Jacques Tourneur. „Ohne Betäubung“ von Andrzej Wajda.