Feuilleton

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DIE ZEIT

Weiße Frau der Koalition?

Selbst ein so nüchterner Ort wie Bonn hat Anspruch auf seine Hausgespenster, die von Zeit zu Zeit am Rande des politischen Betriebs auftauchen.

Vom Geist der Armee

Das Sprichwort vom Kind, das erst in den Brunnen fallen muß, damit die Fürsorgepflichtigen Schaden verhüten, wäre ein Motto für die Traditionsdebatte in dieser Woche, zu der Bundesverteidigungsminister Hans Apel mehr als fünfzig Gesprächspartner aus „allen gesellschaftlich relevanten Gruppen“ nach Bonn geladen hat.

Bis zum bitteren Ende

Es war ein makabres Osterfest in diesem Jahr. Am Karfreitag, kaum vierundzwanzig Stunden nach dem Tod des Terroristen Sigurd Debus in einem Hamburger Krankenhaus, beendeten sämtliche in der Bundesrepublik und in Westberlin einsitzende RAF-Häftlinge wie auf Kommando ihren Hungerstreik.

Die Last mit dem Leo

Verkaufsschlager der Spitzentechnologie hat die Bundesrepublik jüngst nicht gerade im Überfluß entwickelt. Dennoch möchte manch einer ein Produkt deutschen Einfallsreichtums gerne missen: Der Leopard II verursacht Alpdrücken.

Worte der Woche

„Ostern birgt in sich die Botschaft des vom Tod erretteten Lebens. Mögen die Pläne und Programme für den Schutz menschlichen Lebens vor dem Tod obsiegen und nicht die Illusionen jener, die menschlichen Fortschritt in dem Recht auf Tötung von Leben erblicken, das soeben erst empfangen worden ist.

Zeitspiegel

So fern ist die DDR doch nicht, daß sie nicht an vergleichbaren Problemen wie die Bundesrepublik zu kauen hatte. Das gilt selbst, für ein Problem wie die Klage studierender Kinder gegen upterstützungs-unwillige Eltern.

Jugoslawiens Krise: Der Aufstand im Armenwinkel

Zwischen Banken und Basaren, zwischen den gläsernen Verwaltungspalästen der kommunistischen Provinzfürsten und den geflickten Hütten des privaten Handwerks ist die Bürgerkriegsgefahr fürs erste gebannt – und der Frieden für lange verspielt.

Der Jugend den Krieg erklärt

Die Jugendrevolte der achtziger Jahre definiert sich nicht durch die Studentenbewegungvon 1968 – nicht einmal negatorisch. Die letzte Jugendkultur, die sich noch von der Studentenbewegung her definierte, ist die Sponti-Kultur; sie ist inzwischen verfallen.

Ist die Jugendrevolte eine Neuauflage der APO? Zwei Autoren, die 1968 zu den Protestierenden gehörten, verneinen den Zusammenhang: Der eine sieht darin ihren entscheidenden Mangel, der andere ihre Chance zu überleben.: Bewegung ohne Botschaft

Die Neue Linke steht am Anfang der Außerparlamentarischen Opposition der Jahre 1967–69: Als intellektueller Motor (SDS) trägt sie entscheidend zur Mobilisierung der Protestbewegung und zur Formulierung ihres Selbstverständnisses bei.

Zwischenbilanz eines Bonner Novizen: "Nicht mit dem Klammerbeutel..."

Gerhard Schröder, einer der 67 neuen SPD-Abgeordneten im 9. Bundestag, ehemaliger Vorsitzender der Jungsozialisten, war von Schwarzmalern der anderen Seite des parlamentarischen Spektrums noch vor seinem furchtsam beobachteten "Marsch nach Bonn" sogleich in die finstere Ecke linker Hasardeure geschubst worden, Doch Gerhard Schröder, daran läßt er gar keinen Zweifel, ist regierungstreu; er ist, auch dies keine Frage, kanzlertreu.

Neuwahl in Berlin: Die Parteien im Patt?

Besonders heiß ging es in der Woche vor Ostern zu. Rund 500 Demonstranten zerschlugen mindestens 200 Schaufensterscheiben auf dem Kurfürstendamm; die Polizei hatte derweil Feierabend.

Der Draht nach Washington

Anfang Dezember 1980 traf bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Augustin ein Brief aus Washington ein. Adressat war der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts, Hans Rühle, Absender der sicherheitspolitische Berater im Übergangsteam des gewählten Präsidenten, Richard V.

Bauchredner als Werbegag

Wer ihn kennt, ist nicht mehr zu überraschen: Die Fraktion des FDP-Abgeordneten sieht zu und schweigt, wie er in eine Münchner Presse- und Public Relations Agentur einsteigt.

Polen: Gewerkschaft für die Bauern

Die polnische Führung machte überraschende Konzessionen: Ohne neue Streikdrohungen erlaubte sie den Bauern, eine eigene Gewerkschaft zu gründen.

Washington: Mit gespaltener Zunge reden

Wieder war es Weinberger, der aus der Reihe tanzte, als er nach der Rückkehr von einer Tagung der nuklearen Planungsgruppe der Nato erklärte, solange die Sowjetunion Polen direkt oder indirekt mit Intervention bedrohe, dürfe man auf erfolgreiche Gespräche mit den Sowjets über eine Begrenzung der atomaren Mittelstreckenwaffen in Europa nicht hoffen.

Namen und Nachrichten

In Nordirland drohen neue Unruhen, falls der inhaftierte IRA-Terrorist Bobby Sands stirbt. Sands, der vor zwei Wochen eine Nachwahl zum britischen Unterhaus gewonnen hat, ist seit fast zwei Monaten im Hungerstreik.

Am Sonntag findet die erste Abstimmung der französischen Präsidentschaftswahl statt Nach sieben Jahren hat die Herrschaft Valéry Giscard d’Estaings monarchische Züge angenommen: Ist Frankreich noch eine Demokratie?

Sieben Jahre hat Valéry Giscard d’Estaing die Geschicke des Landes gelenkt, doch ist es der Republik nicht gut bekommen. Giscard bewirbt sich um ein weiteres Mandat von sieben Jahren, und nicht nur seine Gegner meinen, damit sei Frankreich zu lange in der Hand eines Mannes.

Wolf gang Ebert: Weinberger, täglich

Herr Doktor, Herr Doktor, ich halte es nicht mehr aus“, schrie der Patient, als er in die Praxis von Doktor Frust stürmte. „Irgendwelche Schmerzen?“ erkundigte der sich, während er den Patienten abhörte.

Paragraphenreiter: Hilfe als Delikt

In Hagen handelte sich der Amtsrichter Günter Dithmar strafrechtliche Verfolgung ein, weil er einem Schwerbehinderten mit Rat und Tat zur Seite steht.

Ein preußischer Kommunist

Im Westen als Staranwalt der DDR apostrophiert, starb in Ost-Berlin im Alter von 75 Jahren Friedrich Karl Kaul. Die SED würdigte ihn in einem Nachruf als "Anwalt des Kampfes für Sozialismus und Frieden".

Koalitions-Kungelei: Signal von der Lahn?

Für die Freie Wählergemeinschaft (FWG) im Lahn-Dill-Kreis stellt sich das alles „von außen ferngesteuert“ und „von Wiesbaden aus vorprogrammiert“ dar: Obwohl die Christdemokraten vier Jahre lang mit den Freien Wählern zusammen regiert und zu erkennen gegeben hatten, daß man das Bündnis nach den Kommunalwahlen, die im März stattgefunden hatten, fortsetzen wolle, kam in einem atemberaubenden Tempo eine CDU/FDP-Koalition zustande.

Gefährliches Geschwafel

Die Cellesche Zeitung (CZ), die sich selbst als „führende Zeitung der Südheide“ bezeichnet, berieselt ihre 35 000 Leser mit Nazi-Propaganda.

Kriminell oder kriminalisiert?

Im Morgengrauen kam die Polizei. Zweihundert Mann umstellten den Altbau, zerschlugen ein Fenster und drangen in die Wohnungen ein.

Dissidenten: Ein Buch wie eine Eruption

Ein Sonderfall von Dissidenz, einer, der zuerst gar keiner sein wollte, ist Alexander Sinowjew, geboren 1922, früher Professor der Logik in Moskau, Mitglied der KPSU von 1953 bis 1976, nach jahrelangen Schwierigkeiten mit dem Regime in die Bundesrepublik ausgereist und seit 1978 in München lebend und eifrig publizierend.

Rückblick auf die DDR: Die Lust an der Abrechnung

Ein Wutausbruch gegen die Sprachlosigkeit, der verzweifelte, trotzige Versuch, die eigene Biographie vor der Verfälschung des Gedächtnisses zu retten, können therapeutisch wirken, das Bewußtsein reinigen und rehablitieren; viele Schriftsteller rechtfertigten ihre poetischen Konfessionen und Autobiographien mit dem Zwang sich den Widersinnigkeiten des Lebens schreibend zu entziehen.

Zur Einsicht nicht fähig?

Wenn teure, wirtschaftlich fragwürdige oder ökologisch bedenkliche Projekte der Innenpolitik revidiert werden, dann kommen die Anstöße dazu nur selten aus den jeweils zuständigen Parlamenten und noch seltener aus den Verwaltungen – diese Tatsache kann selbst besonnene Kritiker gelegentlich beunruhigen.

Die weißen Riesen werden sauber

Unbemerkt von den deutschen Verbrauchern wird gerade ein kleines Stück grüner Revolution inszeniert: Deutschlands größter Waschmittelkonzern, Henkel, führt im ganzen Bundesgebiet sein neues Persil ein.

Projektförderung: Im Glashaus

Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff wirft auf den Forschungsminister gern mit Steinen, etwa wenn er an der direkt ten projektgebundenen Forschungsförderung herummäkelt, zu Recht kritisiert, Bürokraten maßten sich an, die Zukunft besser zu erkennen als der Markt.

Bonner Kulisse

Wenn eine der wichtigsten Reden, die in letzter Zeit zum Thema Kernenergie gehalten wurde, noch dazu vor erlauchtem Kreis und von einem Redner, der zur ersten Adresse der deutschen Energiewirtschaft gehört, nahezu totgeschwiegen wird, ist das ein denkwürdiges Ereignis.

Polen-Kredit: Zittern um Solidarität

Am 27. und 28. April wollen die fünfzehn westlichen Gläubigerländer Polens versuchen, eine Regelung für die rund 27 Milliarden Dollar finden, die Polen im Westen als Kredite aufgenommen hat und die jetzt „notleidend“ werden.

Chemikaliengesetz: Unwürdiges Gerangel

Von Anfang nächsten Jahres an sollen neue Chemikalien staatlich kontrolliert werden, ehe sie auf den Markt kommen. Doch fünf Bonner Minister werden sich seit Monaten nicht einig, wer von ihnen dafür zuständig sein soll.

Warnstreik: Wechselspiel

Nahtlos wird Otto Rudolf Kissel, der neue Präsident des Bundesarbeitsgerichts, in der Arbeit seines Vorgängers Gerhard Müller fortfahren können und als wahrscheinlich erste bedeutsame Grundsatzentscheidung neues Recht für den Arbeitskampf setzen.

Stahlindustrie: Sündenfall

Während die fünfzehn größten europäischen Stahlunternehmen über den Abschluß eines neuen, Eurofer II genannt ten Quotenkartells verhandeln, kommen schlechte Nachrichten von der Subventionsfront.

Von Zinsen abgekoppelt

Unmittelbar nach den Osterfeiertagen wurde es auf den deutschen Aktienmärkten wieder lebhaft. Dazu trugen entscheidend neu einlaufende Kaufaufträge aus dem Ausland bei.

Ein Riese will kämpfen

Der Kurs der holländischen Philips-Aktien ist in den letzten zehn Jahren von 35,50 bis 14 Mark gesunken. In den letzten Wochen hat er sich auf 19 Mark erholt.

Laster oder fliegende Kathedrale?

Ganz ohne Euphorie betrachtet: Der erste Ausflug des Weltraumschiffes Columbia ins Reich der Schwerelosigkeit markiert den Beginn des Frachtlinienverkehrs in den Weltraum.

Zeitungsstreik: Dänen ohne Nackedeis

Seit Ende März müssen gut 250 000 Dänen auf ihren gewohnten täglichen Appetithappen verzichten. Denn die properen jungen Damen, die sich stets geschehe, was da wolle – hüllenlos auf Seite 9 der Boulevardzeitung Extrabladet zu räkeln pflegen, sind schon seit Wochen am Kiosk nicht zu haben.

Zeitraffer

Trotz der rapide gestiegenen Energiepreise haben die deutschen Verbraucher nicht das Gefühl, daß ihr Lebensstandard sinkt. Der Grund: Geknausert wird in den Familien beim Energieverbrauch und bei den Ausgaben für Haushaltsgeräte und Fahrzeuge, so daß genügend Mittel für die Erfüllung anderer Konsumwünsche bleiben.

Manager und Märkte

Peinliche Panne im Springer-Konzern: Um 16.07 Uhr am Montag vergangener Woche gab die Stabsabteilung Information, per Telex-Rundsendung der Öffentlichkeit Neues bekannt.

Auf den Export setzen

Emminger: Solange die Bundesrepublik ein hohes Leistungsbilanzdefizit hat, das durch Kapitalimporte finanziert werden muß, sind der Bundesbank in der Zinspolitik die Hände gebunden.

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