Peinliche Panne im Springer-Konzern: Um 16.07 Uhr am Montag vergangener Woche gab die Stabsabteilung Information, per Telex-Rundsendung der Öffentlichkeit Neues bekannt. Unter der Überschrift „Sony und Springer gemeinsam in Video-Markt“ ließ der Verlag verbreiten, daß man zusammen mit dem japanischen Unterhaltungselektronik-Unternehmen noch in diesem Jahr bespielte Video-Kassetten verkaufen werde. Nur gut zwei Stunden später sollte das alles nicht mehr wahr sein. Um 18.20 Uhr nämlich schickte der Springer-Verlag dem ersten Telex ein zweites hinterher. Text: „Die von uns durchgegebene Meldung... wird zurückgezogen. Sie darf nicht veröffentlicht werden.“

Der plötzliche Rückzieher hat einen guten Grund. Denn wer immer im Springer-Spitzenmanagement die Neuigkeit freigab, hatte eines übersehen: das Kartellamt. Die ebenfalls in Berlin residierenden Wettbewerbsschützer nämlich müssen über eine solche Kooperation informiert werden – und zwar nicht aus der Zeitung und vor Vollzug. Andernfalls droht das Kartellgesetz mit Bußgeldern.

Daß am Montag letzter Woche tatsächlich bereits die Verträge mit Sony unterschrieben wären, deren Chef Akio Morita laut Springer-Zeitung Welt just an diesem Tag beim Großverleger weilte, daran zweifelt ernsthaft keiner. Kartellamts-Sprecher Hartwig Wangemann kann die Panne bei Springer freilich kaum glauben: „Das müssen die doch wissen, soviel, wie die mit uns zu tun haben.“

Offiziell hieß es denn auch aus dem Verlagshaus, die Verträge seien noch nicht unterzeichnet. Doch das eigene Telex – das erste – spricht dagegen. Für das gemeinsame Video-Geschäft, so heißt es dort in der Vergangenheitsform, „wurde in Berlin die Firma Ullstein Video gegründet, die je zur Hälfte von Sony und der Axel-Springer-Gruppe getragen wird.“

*

Zeitungslesern konnte es nicht verborgen bleiben: Am 7. April war der Weltgesundheitstag. An jenem Dienstag erschien in mehreren. Tageszeitungen die erste von vier Anzeigen. Titel: Rauchzeichen für Raucher. Schon einen Tag später konnten sich die nun, gesundheitsbewußt gemachten Leser mit einer weiteren Anzeige informieren. Motto: Gut gegessen – knapp bemessen. Der Donnerstag machte auf ein weiteres Gesundheitsproblem aufmerksam: Ein Bierchen in Ehren... Die vierte Anzeige schließlich legte dem Leser Schwimmen und Radeln nahe: „Wer rastet, der rostet.“ Und damit auch. niemandem das Fitneßprogramm entgeht, wurden, die entscheidenden Tabellen der jeweils vorher erscheinenden Anzeigen wiederholt.

Unaufmerksamen Lesern konnte erst am vergangenen Sonnabend klär werden, daß bei dieser Anzeigenserie so einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Unter der Überschrift „Irreführende Anzeigen über das Rauchen“ protestiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Internationales Grünes Kreuz gemeinsam gegen die Anzeigenserie. Diese nämlich stand zwar unter dem Motto „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ der WHO. Sie stammte aber von einer Gesellschaft WHA, der World Health Associates, einer „Briefkasten-Firma in Vaduz/Liechtenstein“, wie das Grüne Kreuz erläutert.

Der vahre Hintergrund der Anzeigenserie wurde dem Leser auch erst durch die Protestanzeige so recht deutlich, denn im Gegensatz zu den eher allgemein gehaltenen WHA-Inseraten Bier, Essen und Fitneßtraining ließen die „Rauchzeichen“ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Zweiundzwanzig deutsche Zigarettenmarken wurden – wohlsortiert vom geringsten bis zum höchsten Schadstoffindex – in einer Tabelle aufgeführt. Den geringsten Schadstoffindex weisen zwei Marken des Hamburger Zigarettenkonzerns Reemtsma auf.

Wenn man doch nur wüßte, wer hinter der Briefkastenfirma in Liechtenstein steckt.

Der Abwärtstrend beim Benzinabsatz hat sich im März etwas gelegt. Während für das erste Quartal 1981 ein Minus von 4,2 Prozent ermittelt wurde, gingen die Verkäufe im März nach vorläufigen Berechnungen nur um 1,4 Prozent zurück. Womöglich schlagen sich hier Vorratskäufe der Autofahrer im Hinblick auf die Mineralölsteuererhöhung zum 1. April nieder.

über den April liegen natürlich noch keine Zahlen vor. Es hat aber wohl nicht den wegen der Mineralölsteuererhöhung befürchteten Einbruch gegeben. Die Tankstellen hatten zwar in den ersten Tagen so gut wie nichts zu tun, inzwischen hat sich das Geschäft jedoch weitgehend normalisiert.

Seinen Neidgefühlen freien Lauf zu lassen, bleibt natürlich jedem unbenommen. Doch ernsthaft etwas daran auszusetzen gibt es nicht, wenn des Volkes mit weltlichen Gütern gesegnete Lieblinge sich durch Reklame hier und da ein kleines Zubrot verdienen. Zwar wäre es nicht gerade ein Fall fürs Lehrbuch der Werbepsychologie, zum Beispiel Franz Beckenbauer für Hühneraugenpflaster antreten zu lassen. Doch solch ein faux pas ist in Wirklichkeit auch ausgeschlossen. Unsere Sportstars achten schon darauf, daß ihr Image mit dem des beworbenen Produkts kompatibel ist.

So war der unaufhaltsame sportliche und soziale Aufstieg besagten Beckenbauers bekanntlich verbunden mit dem Wechsel der Produkte, auf die er seinen verkaufsfördernden Ruhmesglanz abstrahlen ließ: Am Anfang der Karriere löffelte er noch ganz bieder Suppen von Knorr, heute leiht er seinen Namen lieber high life-accessoirs wie Autos der italienischen Edelmarke Lancia.

Dies bedenkend, kommt man nicht umhin, Fußball-Bundestrainer Jupp Derwall ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl zu attestieren. Denn auch er macht jetzt Reklame für Autos. Doch wie es seinem Naturell und – verglichen mit Beckenbauer – wohl auch seinem Bankkonto entspricht, übt er sich eher in Bescheidenheit. Er wirbt für Japan-Autos Marke Mitsubishi.

Wolfgang Gehrmann