DIE ZEIT

Zorn staut sich auf in Afrika

Wieder einmal hat sich gezeigt, wie falsch es ist zu meinen, „nach der Wahl“, „nach der Gipfelkonferenz“ oder nach was auch immer wisse man mehr als vorher; Die Probleme bleiben – und wer sich vorher scheute, sie anzupacken, wird es auch nachher nicht tun.

Testfall Berlin

Vordergründig geht es in Berlin am Sonntag darum, ob der nächste Regierende Bürgermeister Jochen Vogel oder Richard von Weizsäcker heißt.

Begins Groll

Als Konrad Adenauer 1951 die ersten Fühler nach Israel ausstreckte, um über Wiedergutmachung zu verhandeln, war dort begreiflicherweise die Empörung so groß, daß die bloße Vorstellung schon Tumulte im Parlament auslöste.

Mit spitzen Fingern

In Rom hat der Nato-Ministerrat eine Selbstverständlichkeit bekräftigt: Der Doppelbeschluß des Bündnisses vom Dezember 1979 wird nicht halbiert.

Zähneklappern

Nun geht die Party richtig los. Die Koalitionsparteien, über die notwendige Nachrüstung in sich uneins, müssen ein kaum minder kontroverses Thema bewältigen: den Haushalt 1981.

Nato-Tagung: Das vieldeutige Signal von Rom

Scheinbar heiter wie die Wetterfahnen der Touristensaison wehten die Flaggen der fünfzehn Nato-Partner vor den Fenstern. Frostig, bald gewitterschwül wie dieser Frühling, den die Meteorologen nicht einmal in Rom herbeibeten können, war auch die Luft in den vollklimatisierten Sälen des Hotels, dessen Name bis dahin niemandem geläufig gewesen war: "Regife Palace".

Zeitspiegel

Demonstrieren bleibt in der Bundeshauptstadt wohlfeil. Bei einer Revision ihrer „Satzung über Erlaubnisse und Gebühren für Sondernutzungen an öffentlichen Straßen“ wollten die Stadtväter fortan Gebühren für Flugblattverteilung erheben – 20 Mark für 500 Stück: Ausgleich für die Kosten, die dem Reinigungsdienst bei der Beseitigung des „Meinungsmülls“ entstehen, der nach den in Bonn besonders häufigen Demonstrationen und Kundgebungen auf den Straßen herumliegt.

Worte der Woche

„Ich weise die Vorwürfe des israelischen Ministerpräsidenten Begin gegen Bundeskanzler Schmidt zurück. Solche Entgleisungen stehen wohl im Zusammenhang mit dem israelischen Wahlkampf.

Wahl in West-Berlin: Opposition im Aufwind

Ja zum politischen Wechsel“ heißt es auf einem Wahlplakat der CDU. „Nein zur CDU“ hat jemand daraufgepinselt. „Was mit Hans-Jochen Vogel am Horizont auftaucht“, zeigt ein SPD-Plakat: eine wie von Kinderhand gemalte, etwas eierige Sonne.

Jugendunruhen: Die Antimodelle sind verschwunden

Die Bonner Demokratie funktioniert ohne große Schwierigkeit. Nach einem gar nicht so harten Wahlkampf hat es wieder einmal eine hohe Wahlbeteiligung gegeben, und fast alle Wähler haben ihre Stimme einer der Parteien gegeben, die diese Demokratie uneingeschränkt bejahen.

Schmidt zwischen den Feuern

Der tiefe Seufzer, mit dem Helmut Schmidt sich am Mittwoch letzter Woche in Riad nach der Verabschiedung von Kronprinz Fahd in seinen Sitz fallen ließ, um nach Abu Dhabi weiterzufliegen, verriet Erleichterung.

Wolfgang Ebert: Entschlußfreudig

Möchten Sie wirklich in der Haut eines Staatsmannes stecken, der vor einer schweren Entscheidung steht? Dann stellen Sie sich bitte vor, wie das ist, wenn der Staatsmann morgens die Augen aufschlägt und gleich wieder schließen möchte, weil er ahnt: Das wird wieder ein fürchterlicher Tag.

Spanien: Aufmarsch der Ultras

Ministerpräsident Leopoldo Calvo-Sotelo demonstrierte Gelassenheit: Auf dem Flughafen von Lissabon, wo er gerade zu einem kurzen Besuch eingetroffen war, nannte er alle Gerüchte über einen möglichen zweiten Putsch-, versuch „völlig grundlos“.

„Keine Pipeline zu Gott“

Leider haben wir keine Pipeline zu Gott“, klagt William J. Casey, ein älterer Herr mit zerfließenden Gesichtszügen und eisenharter Gesichtszügen Weltanschauung.

Sich fügen – heißt lügen

Nicht, daß die Bonner geradezu wie gebannt auf Berlin und den kommenden Sonntag starren. Aber in der politischen Partitur gibt die Wahl und ihr Ausgang schon eine kräftige Grundmelodie ab – durchweg in Moll.

Frankreich: Vor dem Machtwechsel?

Auch nach dem mit Spannung erwarteten Fernsehduell bleibt offen, wen die Franzosen am Sonntag zum Staatspräsidenten wählen. Valéry Giscard d’Estaing und François Mitterrand kämpften vor dem zweiten Wahlgang um die entscheidenden Wählerstimmen.

„Habsüchtig, kein Herz“

Man kann nicht im Palästinenserkonflikt der einen Seite alle Moral zuerkennen und bei der anderen Seite die Achseln zucken .

Rücktritt im Kosovo

Als der Aufstand im Kosovo ausbrach, machte die jugoslawische Führung sofort „innere und äußere Feinde“ dafür verantwortlich.

Libanon: Neue Kriegsgefahr

Auf die neu entflammten Kämpfe im Libanon war die amerikanische Regierung nicht recht vorbereitet. Deshalb verhandelte der Staatssekretär im Außenministerium, Walter Stoessel, in Washington mit Sowjetbotschafter Dobrynin, um die Eskalation einzudämmen.

Polizist in Deutschland: ein Beruf im Widerspruch

Die Stimmung in der Polizei", bekannte Berlins Polizeipräsident Klaus Hübner, sei "beschissen". Immer weniger Uniformierte vermögen der "Berliner Linie" zu folgen: Hausbesetzungen nicht sofort als Rechtsbruch zu ahnden, um die Eskalation zu vermeiden.

Landespressekonferenz: Nur für Mitglieder

Ernst Albrecht ärgerte sich über einen ihm unliebsamen Journalisten: Am Dienstag voriger Woche ließ der niedersächsische Ministerpräsident über seinen Pressereferenten Klaus Pohlmann den hannoverschen Korrespondenten der Berliner Tageszeitung taz, Erwin Jortschitsch, aus dem Gästehaus der Staatskanzlei hinauskomplimentieren.

Maibock-Anstich: Des san ja Linke

Die Herren am rechten Biertisch im Münchener Hofbräuhaus merkten als erste: „Des san ja Linke.“ Auf der Bühne zogen die „Biermösl-Blasn“ beim traditionellen Maibock-Anstich bajuwarisches Heiligtum durch den Kakao.

Ausstellung über jüdische Soldaten: Finsteres Erbe

Im Wehrgeschichtlichen Museum Schloß Rastatt präsentiert die Bundeswehr bis zum 31. Oktober 1981 eine ungewöhnliche Ausstellung, die Dokumentensammlung „Deutsche jüdische Soldaten 1914–1945“, Es geht um das Schicksal der jüdischen Teilnehmer am Ersten Weltkrieg und der wenigen jüdischen Soldaten der Reichswehr bis 1945, die nach 1935 von Soldaten zu „Volksschädlingen“ degradiert worden waren.

Historischer Fund: Kunstwerk Mensch

Was ist Kunst? Da greift man am besten auf die Definition des Lexikons zurück, das von einer „schöpferisch-gestaltenden Tätigkeit“ spricht.

Wo war Dr. Wrede?

Ich erlaube mir Ihnen anzuzeigen, daß ich Herrn Senator Dr. Ernst Wrede, den verantwortlichen Mitgesellschafter der Firma Merk-Telefonbau GmbH, Warngauer Str.

Gleichberechtigung: Handel ohne Frauen

Vor dem Hamburger Arbeitsgericht klagt eine Frau gegen ein deutsches Handelsunternehmen. Die Firma stellt für ihren Managementnachwuchs nur Männer ein.

Die teure Freiheit

Steigende Spritpreise und sinkende Passagierzahlen bringen die Fluglinien ins Defizit

Telephon: Betteln gehen

Als wäre es wirklich eine frohe Botschaft, meldete die Deutsche Bundespost doch dieser Tage fast euphorisch: Telephonautomation macht R-Gespräche überflüssig.

AEG-Telefunken: Showeffekt

Der AEG-Vorstandsvorsitzende Heinz Dürr agiert gern vor der Öffentlichkeit, zeigt Charme und Optimismus, in der Hoffnung, damit das düstere finanzielle Bild, das der zweitgrößte deutsche Elektrokonzern immer noch bietet, etwas aufzuheitern.

Bonner Kulisse

Manfred Abelein, CDU-Bundestagsabgeordneter, Rechtsprofessor und als passionierter Bergsteiger gern in luftigen Höhen zu Hause, muß in die Niederungen juristischer Händel herabklettern.

Die Deutschen bleiben standhaft

Die deutsche Autoindustrie gibt sich wieder tugendhaft: Auch nachdem sich Japan zu einer Beschränkung seiner Autoexporte in die USA bereitgefunden hat und damit zusätzlicher Druck in Europa droht, bleiben die Stellungnahmen aus der deutschen Industrie moderat.

Wall Street: Zwei ungleiche Partner

Ein bemerkenswertes Duo hat sich da zusammengefunden: Der eine ist ein etwas steif wirkender Bankierstyp, der einer Familie aus dem Geldadel der amerikanischen Südstaaten entstammt und seine Karriere unter der Protektion eines Familienfreundes gemacht hat.

Konzentration: Mehr Mut als Macht

Mit dem Wettbewerbsrecht weniger vertraute Freunde ungebremsten Unternehmertums mußten zwischen Staunen und Verzweiflung schwanken.

Streit um Theorien

In dieser Woche bekämen die Baissiers in den deutschen Börsensälen wieder Oberwasser. Auf die Dauer – so behaupten sie – wird sich auch der Aktienmarkt den wieder anziehenden Zinsen nicht, entziehen können.

ZEIT spart Geld

Beiträge zu einer Risikolebensversicherung, die im Zusammenhang mit der Aufnahme eines Bauspardarlehens abgeschlossen wurde, gehören zu den als Sonderausgaben abziehbaren Vorsorgeaufwendungen.

Manager und Märkte

Die Klöckner-Werke AG, Duisburg, soll nun endgültig aus der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie hinauskatapultiert werden.

Öffentlich debattieren

Hauff: Weil es Verträge gibt, an die ich mich gebunden fühle, die ich auch einhalten werde. Aber dieser juristisch eindeutige Sachverhalt enthebt mich nicht der Verantwortung, öffentlich darüber nachzudenken, ob der Kanal verkehrspolitisch und wirtschaftlich vernünftig und richtig ist.

Zeitraffer

Handwerksbetriebe können auf ein wahrlich goldenes Jahr 1980 zurückblicken. Ihr Präsident Paul Schnitker bezeichnet es gar als das beste seit dem Krieg.

Im Urlaub über die Grenzen

Die Vielseitigkeit deutscher Landschaften, die die Prospekte der heimischen Touristikindustrie gern preisen, kann nicht darüber hinwegtäuschen: Unter Ausländern gelten deutsche Gaue nicht als Traumziele für ihre schönsten Wochen des Jahres.

+ Weitere Artikel anzeigen