DIE ZEIT

Hamburg provinziell

Der Einfall war nicht sehr originell, aber sehr schön: Die Hamburger Universität sucht die Nähe der Bürger, indem sie attraktive Vorträge und Kurse anbietet, die nicht in erster Linie der Vorbereitung auf Fachprüfungen dienen.

Steht Bonn vor dem Staatsbankrott?

Die Debatte findet kein Ende, die Unruhe nimmt eher noch zu: Die Finanzen des Staates geraten in immer schrilleres Gerede. Hieß es gerade noch, Hans Apels diesjähriger Verteidigungshaushalt sei mit zusätzlichen 825 Millionen Mark noch einmal ins Lot gebracht worden, so tut sich nun ein noch viel größeres Loch im Wehretat auf – fürs kommende Jahr fehlen vier Milliarden.

Das Blut des Papstes

So tief der Schrecken über den Mordanschlag die Welt erschüttert, das Pathos der Empörung, von mundfertigen Medien in die ewig wiederkehrenden Formeln gebannt, verbraucht sich auch an einem Papst.

Fragen an Reagan

Eine politische Lebensregel rät amerikanischen Präsidenten, in Zeiten innenpolitischer Bedrängnis die Szene zu wechseln: "Hast du Sorgen, so reise" – when in trouble, travel.

Ronald Reagans Sonderemissär: Der Diplomat, der seine Zunge hütet

Die Photos sind längst alltäglich geworden. Der Sonderbotschafter des amerikanischen Präsidenten, Philip Charles Habib, verläßt entweder den Amtssitz Menachem Begins in Jerusalem, den Präsidentenpalast Haifez el Assads in Damaskus, die Residenz König Chahus in Riad oder das Palais des Staatsoberhauptes Sarkis in Beirut – gleichviel: Habib blickt die seit Stunden wartenden, nachrichtenhungrigen Reporter mit grimmigen Augen an, hebt abwehrend beide Hände und sagt kein einziges Wort zur Sache, nur soviel: "Laßt mich meine Arbeit tun.

Worte der Woche

„Wir werden nicht einmal trachten, den Kommunismus zu kritisieren, wir werden ihn einfach als ein trauriges und bizarres Kapitel der Menschheitsgeschichte auffassen, dessen letzten Seiten gegenwärtig geschrieben werden.

Zeitspiegel

In diesen Tagen schicken der Bundeskanzler und Frau Schmidt die Einladungen zu ihrem alljährlichen Sommerfest hinaus. diesmal, steht die Festivität am 11.

"Vielleicht ist der nächste Krieg fällig"

l. Yad Vashem, die Gedenkstätte für die sechs Millionen Opfer des Holocaust, liegt im Sonnenglast auf einem der dürren Hügel, die Jerusalem umkränzen: Erinnerung, Mahnung, Warnung.

CDU-FDP-Koalition in Rheinland-Pfalz: Rücksicht auf die Freien Demokraten

Wenn demnächst Berlin in Bonn von einem Hessen vertreten werden sollte, der bislang ein rheinland-pfälzisches Bundestagsmandat innehat, nämlich von Norbert Blüm, so verwundert das niemanden mehr: Man weiß, daß es sich dabei nicht um ein Exempel besonderer Umtriebigkeit handelt, sondern um Berliner Politik.

SPD-Debatte um die Nachrüstung: Der Kanzler geht aufs Ganze

Das Motto für das Wochenende des Kanzlers hatte Hermann Heinemann, der Vorsitzende des SPD-Bezirks Westliches Westfalen, gefunden: „Helmut, mach Dampf!“ Es galt nicht nur für die Rede Schmidts in Recklinghausen vor altgedienten Funktionären des mächtigsten SPD-Bezirks, sondern auch für den Auftritt auf dem Parteitag der bayerischen SPD in Wolfratshausen.

Wolf gang Ebert: Signalkunde

Als der Kanzler gerade seinen Doppelbeschluß verkündet hatte, entweder für die Stationierung von Mittelstreckenraketen auf deutschem Boden bei seiner Partei Rückendeckung zu finden oder seinem Amt den Rücken zu kehren, las er, daß wenigstens die Union – laut Friedrich Zimmermann – geschlossen hinter ihm gegen die SPD steht.

Nachwehen des Hungerstreiks: Knast für Schmierer?

Es war in Deutschland bislang nicht der Brauch, daß Richter öffentlich Kritik an Entscheidungen ihrer Standeskollegen üben – von Anmerkungen in der Fachliteratur und den gelegentlichen Minderheitsvoten beim Bundesverfassungsgericht einmal abgesehen.

Zum Nato-Doppelbeschluß: Die neuen Raketen gehören auf See

Seit der Etablierung der nuklear-strategischen Abschreckung in den fünfziger Jahren habe ich für die Zeit vor 1980 keine Kriegshandlungen in Europa erwartet, habe sie aber beginnend mit den achtziger Jahren für möglich gehalten.

Vor uns die Sintflut

Noch fünf Wochen bis zur großen parlamentarischen Sommerpause. Kaum einer in Bonn, zumal im Regierungslager, der nicht ungeduldig auf dieses Datum schielte.

Italien: Liberale Praxis

Nur 11,5 Prozent der Wähler waren für eine weitere Liberalisierung der Abtreibung, wie sie von der Radikalen Partei angeregt worden war, und nur 32,1 Prozent stimmten im Sinne der katholischen Kirche und der Christdemokraten für eine Streichung der Gesetzesparagraphen, die aus sozialen und psychischen Gründen in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft die Abtreibung in staatlichen Krankenhäusern erlauben.

Milchpulver und Menschenrechte

Die Befürchtung, daß hinter der moralischen Buchführung der Regierung Reagan ganz gewöhnliches Geschäftsgebaren stecke, erhielt in dieser Woche neue Nahrung: Ernest W.

Frankreich: Beginn der Ära Mitterrand

Am Donnerstagmorgen hat François Mitterrand auch offiziell sein Amt als Präsident der Französischen Republik angetreten. Erstmals in der Geschichte der Fünften Republik wurden die Geschäfte dem neuen Staatsoberhaupt im Elysée-Palast offiziell von seinem Vorgänger übergeben.

Berlin: Unangenehme Wahl

Alle reden sie von Glaubwürdigkeit. Nur die Berliner Wähler wissen kaum noch, was sie glauben sollen. Wahlsieger von Weizsäcker, dessen CDU zur absoluten Mehrheit nur zwei Sitze im Abgeordnetenhaus fehlen, sagte in Richtung auf SPD und FDP: Wer sich der gemeinsamen demokratischen Verpflichtung entziehe, dem Gemeinwesen eine Regierung zu geben, erleide einen „Bruch“ seiner Glaubwürdigkeit.

Walesa: Geblendet vom Modell Japan

Ich würde am liebsten ein Drittel der polnischen Arbeiter nach Japan schicken, damit sie lernen, wie wichtig die Arbeit ist“, eröffnete Lech Walesa seinen japanischen Gastgebern.

Alternative Liste: Eine seltsame Würze

Wahrscheinlich hätte es weit mehr Aufsehen und Verlegenheit über die Wahl Gerald Klöppers als Abgeordneten der Alternativen Liste (AL) in Berlin gegeben, wenn der mutmaßliche Terrorist nicht in die zweitrangige Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Tiergarten, sondern in das Abgeordnetenhaus gewählt worden wäre, so wie der gestorbene britische IRA-Häftling Bobby Sands vor kurzem plötzlich ein Unterhausmandat der nordirischen Wähler in die Haftzelle bekam.

Geschichten aus der Provinz: Seine Hoheit, der Landrat

Landrat Hans Rüger (CDU) hat es sich mit der Presse seines Main-Kinzig-Kreises verdorben. Die allwöchentliche Kaffeestunde im Hanauer Landratsamt, wo die Hoheiten der Kreisverwaltung nach dem Motto „Hier kann jeder schreiben, was wir wollen“ die Journalisten bisher mit dürftigen Brosamen an Information abfütterten, wurde von den Presseleuten boykottiert: Fünf Lokalredakteure erhoben sich kürzlich unter Zurücklassung halbgeleerter öffentlicher Kaffeetassen zum vereinten Protest gegen obrigkeitsstaatliche Pressepolitik und verließen das Landratsamt.

Falscher Alarm und volles Rohr

Es ist kurz nach Mitternacht. In der Lübecker Altstadt herrscht nächtliche Ruhe. Auch in der kleinen Rosenstraße sind die Lichter in den schmalbrüstigen Häusern längst erloschen.

Asylanten: Zwischen allen Stühlen

Zuerst gab es kaum Probleme: Als Halil Ibrahim Engin voriges Jahr im Mai aus der Türkei in die Bundesrepublik gereist, war, bat er gleich am ersten Tage das Ausländeramt in Rottenburg um eine Arbeitserlaubnis und die Anerkennung als Asylant.

Überraschende Antworten: Nette Beamte

Wenn den Kabarettisten die Puste ausgeht, wenn ihnen beim besten Willen nichts mehr einfällt, haben sie für den Notfall immer noch eine unverwüstliche Klamotte im Ersatzteillager: Der Bürger und das Finanzamt.

„Rettet die Elbe jetzt!“

Zwischen 30 000 und 40 000 Menschen haben am vergangenen Samstag in Hamburg demonstriert – junge und alte, linke, und rechte, Berufsfischer und Freizeitsegler.

Sanierung mit der Axt

Die Entscheidung ließ sich zwar noch ein wenig aufschieben, doch alle Beteiligten in der Bundesregierung und in der Opposition wissen: aufheben läßt sie sich nicht mehr.

Europäische Autoindustrie: Offenbarungseid

Die Chefs der europäischen Autofirmen haben offenbar ihren Beruf verfehlt. Sie werden bezahlt dafür, gute Autos zu bauen und diese auch zu verkaufen – sie aber machen unverdrossen kostenlose Werbung für die Konkurrenten aus Japan.

Bonner Kulisse

Die teuren Spaziergänger des öffentlichen Dienstes, vorzeitig in Pension geschickte politische Beamte, sind wohl den meisten Bürgern ein Ärgernis.

Zinsen: Zugeständnis?

Bei den Delegierten des Weltkongresses der Sparkassen in Berlin hat Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl Zinshoffnungen geweckt.

IG Metall: Einsichten

Die Lohnverhandlungen dieses Jahres waren hart, sehr hart, besonders in der Metallindustrie. Es ist daher auch recht und billig, wenn die meisten Vorstandsmitglieder der IG Metall erst einmal ein paar Urlaubstage eingelegt haben, denn die Nachtschichten während der Verhandlungsrunden sind kein Zuckerschlecken und tags galt es ja, in Versammlungen die Basis bei der Stange zu halten.

Wohnungsbaupolitik: Gespaltene Koalition

Es ist beileibe nicht nur die komplizierte Materie, die die Suche des Bundeskabinetts nach einem wirksamen Konzept für die Wohnungsbaupolitik zu einem beinahe hoffnungslosen Unterfangen macht.

Konjunktur: Krankenstand

Die Hamburger Werft Blohm & Voss klagt darüber, daß bei verbesserter Beschäftigungslage (es müssen Überstunden geleistet werden) der Krankenstand der gewerblichen Mitarbeiter deutlich zugenommen hat.

Verlust in vollen Zügen

Es war ein heiterer Frühjahrsmorgen, an dem der Beförderungsfall Wolfgang. G. leider nicht ganz pünktlich auf dem Bahnhof der Stadtrandsiedlung eintraf: Vom S-Bahn-Zug Richtung Hamburg sah er deshalb nur noch die Schlußlichter.

Argentinien: Natururan, weil’s billiger ist

Eigentlich wollte die Kraftwerk Union AG (KWU) diesen Reaktortyp gar nicht mehr anbieten. Bei dem zu Siemens gehörenden Unternehmen gab es im Entwicklungszentrum Erlangen auch nur noch einen Mann, der sich mit der „Natururan-Linie“ beschäftigte, mit Atomkraftwerken, die im Unterschied zu den heute weltweit dominierenden Leichtwasserreaktoren nicht mit angereichertem, sondern natürlichem Uran arbeiten und schweres Wasser als Moderator verwenden.

Bertelsmann: Vorrang für Gewinne

Nicht allein die Aktiva, sondern auch die Aktivitäten eines Verlages bestimmen letztlich seinen Stellenwert.“ Mit dieser nicht gerade neuen Erkenntnis versuchte im vergangenen Jahr Horst Benzing, der kaufmännische Leiter der Münchner (Buch-)Verlagsgruppe Bertelsmann, das Selbst- und Konzernbewußtsein der Mitarbeiter zu stärken.

Bittere Pille für den Drogisten

Sorgenvoll in die Zukunft blicken – das muß er nicht, auch wenn er im vergangenen Jahr eine seiner beiden Drogerien im hessischen 7000-Seelen-Ort Klein-Auheim schließen mußte.

„Nur ein Doofer zahlt den Listenpreis“

Autofahren muß erschwinglich bleiben“, tönte noch zum Jahreswechsel die Opel-Werbung – in der vorigen Woche folgte dann Opel als erster dem Beispiel von VW und erhöhte die Preise um ebenfalls 3,9 Prozent.

Zeitraffer

Jeder spürt’s am Haushaltsbudget, was die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) jetzt mit Zahlen belegt: 1979 bereits mußte im Durchschnitt ein Vier-Personen-Haushalt mit rund 149 Mark monatlich etwa dreimal so viel für Benzin, Gas, DI und Strom zahlen wie 1970.

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