In der Sole liegt das Heil. Die Sole wird aus 176 Meter Tiefe gefördert und dient heute ausschließlich der Kur. Das Klima ist flankierendes Kurmittel. Die Sonne begünstigt das Bad. Sie scheint jährlich 1800 Stunden. Der Wind von den Höhen bläst die aufsteigenden Nebel fort. Die Sommer sind warm und trocken mit kühlen Nächten, die Winter bringen Schneelasten und klirrende Fröste. So rechtfertigt Bad Dürrheim auf der Hochebene der Baar das zwiefache Prädikat als Heilbad und Heilklimatischer Kurort mit Indikation bei Krankheiten der Atemwege, Bronchial-Asthma und Emphysem sowie Herz/Kreislauf-Leiden und rheumatischen Beschwerden.

Die hochkonzentrierte Sole (27 Prozent) wird zum Bad in der Halle auf drei Prozent verdünnt und für die Inhalation zu undurchdringlichen Dämpfen zerstäubt. Bad Dürrheim, höchstgelegenes Solbad Europas (700 bis 850 Meter), ist sich seiner landschaftlichen Vorzüge (der vorteilhaften Lage zwischen Hochschwarzwald und Schwäbischer Alb) und städtebaulichen Schönheiten (der noblen klassizistischen Verwaltungspaläste der vormals Staatlichen Badischen Saline) durchaus bewußt.

Mit fröhlichem Selbstbewußtsein hat man dem Kurort auch gleich ein passendes Eigenlob gezimmert – schlicht: „Die sympathische Kur- und Bäderstadt.“

Die Verwaltung des sympathischen Bad Dürrheim, seit mehr als 20 Jahren mit einem Bürgermeister und Kurdirektor in Personalunion, hat gleichwohl nie geruht, das Kurangebot ständig zu verbessern und um Gäste zu werben. Kern des hundertjährigen Heilbads ist das Kurzentrum mit Kurmittelhaus, Kurhaus und Sole-Mineral-Hallenbad – durchweg Einrichtungen auf der Höhe der Zeit. Die Kurparkzone umfaßt 50 Hektar großzügiger Anlagen, zugleich ein Freilichtmuseum mit Tierplastiken des Münchner Bildhauers und Afrikareisenden Fritz Behn. Der Park verliert sich in der stillen Schwarzwaldlandschaft mit fünf Dörfern als Teilgemeinden (Gesamteinwohnerzahl: 10 000) und einem Wanderwegenetz von 250 Kilometern. Zur Zerstreuung der Gäste bietet die Kurverwaltung ein umfängliches Unterhaltungsprogramm, natürlich Kurkonzerte und mancherlei Geselligkeit wie Frühschoppen, Ausflüge, geführte Wanderungen, Trimmtrab, Diskussionsrunden, Tanzfeste. Zur Motivierung weiterer Kreise gibt es Schlankheitsseminare und sehr lohnende Pauschalangebote (Beispiel: „Bad Dürrheimer Gesundheitskoffer 14 Tage Bett und Frühstück ab 290 Mark in der Vorsaison).

„Auf diesem Gebiet werden wir in Zukunft unsere Anstrengungen verstärken“, sagt Kurdirektor Gerhard Hagman. „Wir werden uns in größerem Stil um Gesundheitsbildung und Gesundheitserziehung bemühen. Im Augenblick gibt es Überlegungen, Präventivkuren einzuführen.“ Der junge, tüchtige FDP-Kommunalpolitiker (mit einer CDU-Mehrheit) verantwortet zwei Etats: 20 Millionen des Gemeindehaushalts und zwischen fünf und sechs Millionen des Kurbetriebs. Die juristische Form der Bad Dürrheimer Kur ist eine GmbH im nahezu alleinigen Besitz der Stadt. Kurmittelhaus, Kurhaus und Kurpark werden von der GmbH betrieben, gehören aber dem Land Baden-Württemberg, das drei Vertreter in das von Gemeinderäten gebildete Aufsichtsgremium entsendet.

Die Bad Dürrheimer Patientenstatistik hat sich mit 37 000 Kurgästen (bei 720 000 Übernachtungen) wieder auf die durchschnittlichen Jahreszahlen vor der Rezession eingependelt, die Beherbergungskapazität (3500 Betten) ist zu annähernd 65 Prozent ausgelastet, dennoch sind die Bilanzen als Folge rückläufiger Einnahmen aus der Kurmittelabgabe seit 1975 defizitär.

Verluste zwischen 200 000 und 300 000 Mark im Budget der GmbH werden fortgeschrieben. Die Umsätze des Kurmittelhauses sind, bei derzeit 36 000 Anwendungen pro Jahr, in gleichem Maße rückläufig, wie die Kliniken sich mit ihren Angeboten durchsetzen – ein für alle Badeorte unliebsamer Nebeneffekt der sogenannten Klinifizierung der Kur. Es gibt fünf Kurkliniken (1200 Betten) und neun Sanatorien, darunter nur noch drei Kindersanatorien mit 470 Betten. Der Kurort hat seine einstige große Bedeutung als Kindersolbad verloren. Die Ursachen dafür sieht Dr. Rempis vom DRK-Kindersolbad im Desinteresse der Versicherungen (Kinderkuren sind keine Pflichtleistungen) und im zunehmenden Leistungsdruck der Schulen.

Wolfgang Boller