Von Burkhard Pflug

Sterbehilfe war eines der Themen auf dem Deutschen Ärztetag in Trier. Die Ärzte sprachen sich eindeutig gegen eine gesetzliche Zulassung des sogenannten Gnadentodes auf Wunsch aus, wie ihn kürzlich die Gesellschaft für humanes Sterben in einem offenen Brief an Politiker in Bonn gefordert hatte. Professor Burkhard Pflug, leitender Oberarzt an der Universitätsnervenklinik Tübingen, beschreibt die Problematik aus ärztlicher Sicht.

Ungewißheit erfüllt unser Leben; aus ihr entstehen Zweifel, Unsicherheit, Angst und Hoffnung. In der mehr oder weniger kurzen Zeitspanne, in welcher der Mensch stirbt, wird er mit der Gewißheit des Todes konfrontiert. Er nähert sich einer Grenze, vor der er nicht zurückweichen kann. Auch im Sterben lebt der Mensch. Seine Gedanken engen sich auf für ihn Wesentliches ein, in seinem Verhalten teilt er der Umgebung mit, daß er sich vom Leben trennen muß, seine körperlichen Funktionen sind durch irreversible Abbau- und Zerfallsvorgänge gekennzeichnet.

Es gibt den natürlichen Tod nach einem erfüllten Leben, in dem man sich vorbereitet hat und Vorsorge treffen konnte. Gibt es ihn heute wirklich? Fast jeder Mensch stirbt an einer Krankheit, die auf dem Totenschein vermerkt wird. Stillschweigend wird dabei vorausgesetzt, daß es sich um einen pathologischen Vorgang handelt. Die Medizin hat lediglich nicht helfen können.

Durch die Entwicklung der Medizin der letzten Jahrzehnte wissen wir viel über biochemische und physiologische Vorgänge, die zum Tode eines Menschen führen. Diese Erkenntnisse gaben uns Möglichkeiten in die Hand, gestörte Funktionen zu beeinflussen, sogar ausgefallene, lebensnotwendige Organe durch Apparate zu ersetzen. Damit wuchs die Gefahr, Vorgänge wie Sterben und Tod auf den Ausfall von Organen und Organfunktionen zu reduzieren; der Mensch als Person blieb dabei auf der Strecke.

Die Verdinglichung des Todes (Heimann) ist die moderne Form seiner Abwehr. Die hohe technische Entwicklung der Medizin ist daran nicht schuld, sie kömmt ihr nur entgegen. Das Problem heißt nicht: entwederApparatemedizin oder Menschenwürde, sondern: mit den Möglichkeiten der modernen Medizin die Würde des Menschen wahren.