Über einen originellen Spendenaufruf in der ZDF-Quizsendung „Wetten, daß...?“ hatten wir in der vorigen Woche berichtet. Der Schauspieler Karl-, heinz Böhm hatte diesen schönen Einfall: „Ich wette, daß nicht einmal ein Drittel der Zuschauer, die uns jetzt in Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland zusehen, bereit ist, nur eine Mark für die hungernden Menschen in der Sahel-Zone zu spenden. Und diese Wette möchte ich gern verlieren.“ – Dazu schrieb uns Karlheinz Böhm diesen Brief:

Liebe ZEIT-Leser,

im Namen der Sache danke ich der ZEIT-Redaktion für die Erwähnung meines als Wette verkleideten Aufrufs zugunsten der notleidenden Menschen in der Sahel-Zone. Angesichts horrender Pro-Tag-Zahlen an Rüstungsausgaben auf der ganzen Welt gegenüber mehr als tausend Hungertoten im gleichen Zeitraum, angesichts von Debatten über eine Milliarde Mark Mehrausgaben pro Jahr für Flugübungsbenzin für die Luftwaffe erscheint mir kühle Logik nicht mehr angebracht. Mein Appell gründet auf der Hoffnung, daß die jedem Menschen der westlichen und östlichen Industrievölker entbehrliche Summe von einer Mark und die Erkenntnis, daß die Multiplikation mit Millionen von Gleichgesinnten eine neue, humane Form der Hilfsmöglichkeit eröffnen. Daher auch der völlig unorganisierte Vorschlag, die Summe an die drei Bundespräsidenten im Sendegebiet zu überweisen. Alle drei waren vorher nicht informiert und reagierten hilfsbereit. Ich hätte gewünscht, die Postminister hätten ebenso reagiert. Von Beginn an war mein Ziel die Umgehung aller etablierten Hilfsorganisationen – mein Vorbild: Mutter Teresa in Indien, die einmal gesagt hat: „Es ist nicht möglich, allen Hungernden auf der Welt zu helfen, aber dem Bruder neben dir!“ Gefragt, ob man nicht auch zehn oder mehr Mark überweisen könne, ist meine Antwort: Lieber eine Mark und neun Mitmenschen überzeugen, wie viel man gemeinsam tun kann. Vielleicht lernen wir, wieder Mensch zu sein und nicht nur den Kampf gegen die Unbilden der Natur zu führen, sondern im Fühlen der Gemeinschaftlichkeit Gewalt, Profitstreben, Terror und Kriegen aus eigener Kraft jenseits aller politischen Parteien und Systeme ein Ende zu setzen.