DIE ZEIT

Holland - allen voran?

Wahlen in den Niederlanden erregen sonst nur selten europäisches Interesse. Bei 26 Parteien fällt es schwer, die Übersicht zu behalten, und wer mit wem die Regierung bildet, bleibt ohnehin einem separaten zweiten Akt überlassen: der „Formations“-Phase, die einmal schon rund sieben Monate gedauert hat.

Worte der Woche

„Würde die CDU. genau so laut aufschreien, wenn es um die Plünderung unseres Planeten, um Gift in unseren Nahrungsmitteln geht, wie sie aufschreit, wenn ein Polizist verletzt wird, dann wäre der berechtigte Aufschrei um Polizisten vielleicht gar nicht mehr nötig.

Kalkulationen in Köln

Keine „politischen Bocksprünge“ zu unternehmen, dazu hat Hans-Dietrich Genscher seine Freien Demokraten auf dem Kölner Parteitag ermahnt.

Wolfgang Ebert: Abschied von links

„Nein, bisher nur auf den realen Sozialismus, an den Sozialismus als Idee glaube ich immer noch. Jetzt seid ihr wohl alle enttäuscht von mir und haltet mich für einen Verräter“, sagte Jörg und blickte dabei unsicher in die Runde.

Abschied von Kardinal Wyszynski: Er war Polens Rückhalt

Noch sein Tod hat jene einzigartige polnische Symbiose bekräftigt, der sein Leben gewidmet war. Religion und Nation, Kirche und Staat, ja Partei schienen an der Bahre des Kardinalprimas Stefan Wyszynski enger denn je zusammenzurücken – und sei es nur im Bewußtsein der gemeinsamen Gefährdung.

Frankreich: Machtwechsel mit Maßen

Seit Montag ist wieder Wahlkampf in Frankreich. Die amtlichen Anschlagtafeln, kaum von den Konterfeis der Präsidentschaftskandidaten gesäubert, stehen schon auf den Straßen.

Japan: Kein amerikanischer Vasall

In Japan schlägt eine antiamerikanische Welle hoch. „Jetzt ist es Zeit, sich zu wehren und zu verhindern, daß ganz Japan in einen Atomkrieg gezerrt wird!“ So steht es in Leserbriefen und auf Transparenten.

Krieg aus dem Knast

Ich bringe sie Dir alle!“ hatte Horst Herold, der Präsident des Bundeskriminalamtes, am Grabe seines Freundes Siegfried Buback gelobt.

Die Zelle als Grab

Der Beamte in Köln-Ossendorf fühlte sich persönlich angegriffen: „Die haben doch alles, was sie wollen: Zeitungen und Bücher, die können in Ruhe! lesen und sich schulen, die müssen nicht mal arbeiten.

Umkehrer unerwünscht?

Nur wenige Terroristen haben eingesehen, daß ihre blutige Spur im Nichts verläuft. „Bommi“ Baumann – Bombenleger in den Anfängen der RAF – forderte seine Freunde 1974 in einem Spiegel-Interview auf: „Schmeißt die Knarre weg“; Hans-Joachim Klein – der 1975 bei dem Wiener OPEC-Überfall in Wien dabei war – meldete sich aus der Illegalität, um geplante Attentate zu verhindern.

„Einfach nur da sein“

Glaubt ihr, daß die Wallberge Oasen der Liebe und Wahrheit sind? Oder spiegelt die Betonwüste euch in eurem Durst etwas vor? Wir spielen, ihr spielt und die da spielen.

Grüße von Mitterrand

Das Telegramm kam aus Frankreich, war adressiert an „Delphine Brox-Brochot, deutsch-französische ökologische Abgeordnete im Parlament des Landes Bremen“.

Mitte-links mit der AL

Ihr Verhältnis zu den Medien sucht Ursula Schaar noch, die Grundschullehrerin aus Neukölln, mit 58 Jahren ältestes Mitglied der neunköpfigen Fraktion der Alternativen Liste (AL) im neugewählten Berliner Abgeordnetenhaus.

Grün, doch seltsam blaß

Wolf-Dieter Hasenclever, Sprecher der Gruppe der Grünen im Stuttgarter Landtag, war sauer: „Herr Präsident“, so rief er im Parlament aus, „der Verwirrung auf unseren Bänken können Sie entnehmen, daß der Abgeordnete, der eigentlich die Pflicht gehabt hätte, hier zu reden, diese Pflicht nicht wahrnimmt.

Hinweis

Emil Julius Gumbel: „Vier Jahre politischer Mord“. Wer sich über den Rechtsradikalismus in der Weimarer Republik unterrichten will, findet keinen besseren Zugang als durch die zeitgenössischen Dokumentationen des damaligen Privatdozenten für Statistik, Emil Julius Gumbel.

Kriegsgefangene im Osten: Im Schatten der Katastrophe

In der 1962 bis 1974 erschienenen offiziösen, zweiundzwanzig Bände umfassenden Dokumentation „Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges“ sind die rund 27 000 sowjetischen Militärgerichtsverfahren aus den Jahren 1949/50 gegen angebliche deutsche Kriegsverbrecher ausgeklammert geblieben.

Der Weg in die Krise

Wer nicht weiß, daß dieses Sprichwort schon uralt ist, könnte glauben, es sei eigens zur Beschreibung der Bonner Finanzpolitik erfunden worden: Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

Europäische Gemeinschaft: Der vertagte Bankrott

Endlich einmal gute Nachrichten aus Brüssel: Die gemeinsame Agrarpolitik wird billiger. Die Kommission hat errechnet, daß für das laufende Jahr zur Deckung der Ausgabenverpflichtungen des EG-Agrarfonds umgerechnet 1,3 Milliarden Mark weniger gebraucht werden, als in den ursprünglichen Etatansätzen vorgesehen war.

Flughäfen: Roter Stern

Hamburg hat einen neuen Stern zugeteilt bekommen. Leider nicht im Michelin, womit eine gastronomische Attraktion gekennzeichnet wäre, welche die Anziehungskraft der Hansestadt auf Reisende erhöhen könnte.

Partner Frankreich: Verpaßt

Ökonomische Gründe können es nicht gewesen sein, die den neuen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand bewogen haben, den Franc nicht unmittelbar nach seinem Amtsantritt abzuwerten.

Wohnungspolitik: Nichts geht mehr

Das Reformversprechen erwies sich als Flop. Die von der Bundesregierung beschlossenen Gesetze, für eine „neue“ Wohnungspolitik werden die alte Misere fortschreiben – wenn nicht Bundestag und Bundesrat sie am Ende verhindern.

Bonner Kulisse

In einer Art von „Dreisprung“ wollen die Bundesregierung und die Spitzen der Bonner Koalition aus jener finanziellen Misere heraushüpfen, in die teils eigenes Verschulden und teils auch des Schicksals Mächte sie gebracht haben.

Fernsehen: Der Knopf

Das hat uns wirklich noch gefehlt; Eine Bürgerinitiative „gegen mehr Fernsehen“. Vergangene Woche stellte sie sich der Öffentlichkeit mit Namen und Absicht vor: „Klingenmünster Kreis“ nennt sich der Verein „zur Förderung des naheliegenden Gedankens, daß wir nicht mehr Fernsehen brauchen“.

Die Ausgaben des Bundes

Der Haushalt, über den der Bundestag in dieser Woche berät, sieht Ausgaben von insgesamt 231,15 Milliarden Mark vor. Das ist eine Steigerung um 165 Prozent gegenüber den 87 Milliarden Mark, mit denen die sozial-liberale Regierung im Jahre 1970 noch auskam.

Der letzte der Pioniere

Etwas plump sieht es aus, das Flugzeug: ein viereckiger Kasten zum Heck hin konisch verjüngt, am Bug eine Entenschnabelnase, die Außenhaut voller Nietenkopf-Pickel, das Ganze getragen von einem Fahrwerk, das einem Mittelklasseauto zur Ehre gereicht und während des Fluges in einem unter den Rumpf geklebten Behälter verschwindet.

Industriepolitik: Hilfe für Baby-Firmen

Die Liste der guten Taten, mit denen heruntergekommenen alten Industriezentren wie Berlin oder dem Ruhrgebiet aufgeholfen werden soll, ist lang.

Staatsfinanzen: Die Kassen füllen sich nicht

Was dem Wirtschaftsminister Freude bereitet, kann den Finanzminister nur schmerzen: Mäßige Lohnerhöhungen heizen zwar die Inflation nicht weiter an und erhöhen auch nicht die Gefahr weiterer Arbeitsplatzverluste; sie führen aber auch dazu, daß die Steuereinnahmen nur mäßig wachsen.

Die Schwäche der Mark: Michel auf Kapitalsuche

Die Amerikaner hatten, wie Beobachter der Vorgänge auf den Devisenmärkten versichern, erst durch das Dementi des Bundeswirtschaftsministers erfahren, daß es in den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Saudi-Arabien zu vorübergehenden Störungen gekommen war.

Zeitraffer

Vereinzelte „freundliche Farbtöne“ hat das Bundeswirtschaftsministerium im konjunkturellen Gesamtbild der ersten Monate 1981 entdeckt.

Manager und Märkte

Skeptiker, denen der steile Aufstieg von Horst-Dieter Esch schon immer unheimlich war, mögen eine erste Bestätigung finden. Gegen den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Mainzer IBH Holding AG, die binnen sechs Jahren zum drittgrößten Baumaschinenhersteller der Welt avancierte, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Koblenz.

Immer zur Unzeit

Hauenschild: So weit sind wir noch nicht. Da gibt es erst noch ein paar Prozeduren, da gibt es Schlichtungsverhandlungen und die Einbeziehung der Mitglieder in den ganzen Entscheidungsvorgang.

Mailänder Börse: Mit Aktien gegen die Inflation

Wenn Taxifahrer sich über Aktienkurse unterhalten, dann wird es höchste Zeit zu verkaufen, lautet eine alte Weisheit der Börsianer, Falls etwas Richtiges daran sein sollte, müßten die Anleger in Mailand jetzt auf der Hut sein.

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