DIE ZEIT

Begins gefährliche Komplexe

Wenn Israel sich von lauter unversöhnlichen arabischen Feinden umstellt wähnt; wenn es sich keinen Deut um die Weltmeinung schert; wenn es nur dem – militärischen Instrument zutraut, seine Sicherheit zu verbürgen; wenn es, kurzum, sich lieber in seiner Isolierung einigelt, als sich, zum Frieden ebenso wie zur Abwehr bereit, mit seiner arabischen Umwelt auszusöhnen, dann hatte die Attacke von Pfingssonntag ihre Raison.

Sind alle Chancen schon vertan?

In Polens Partei wimmelt es plötzlich von „politischen Chamäleons“, das Land selbst wird überschwemmt von „antisowjetischen Terroristen“.

Iranischer Grabenkrieg

„Ich bin der erste und einzige Staatschef der Welt, der zugleich auch Oppositionsführer ist“, hatte Bani Sadr Anfang April in einem ZEIT-Gespräch erklärt.

Worte der Woche

„Obwohl wir uns bewußt sind, daß wir erst am Beginn des Wechsels stehen, zweifelt niemand in Polen daran, daß es keine Rückkehr zu den alten Methoden mehr gibt, das Land zu regieren und die Wirtschaft zu leiten.

Israels Botschafter: Abschied mit schriller Begleitmusik

Zuletzt kam noch die israelische Bombe auf das irakische Atomzentrum. Johanan Meroz, Jerusalems Mann in Bonn, saß schon auf seinen gepackten Koffern, da passierte just auch das, zu allem anderen: zu der tiefsitzenden Verärgerung über Bonns jüngsten „proarabischen“, „propalästinensischen“ Kurswechsel und zu Begins wütenden Attacken auf die Deutschen im allgemeinen und ihren Kanzler im besonderen.

Frankreich: Gute Chancen für die Linke

Noch Ende Februar gab der um seine Wiederwahl kämpfende Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing die Parole aus: „Ich oder das Chaos.

Wolfgang Ebert: Abschreckung

„An den vielen sogenannten Friedensfreunden überall. Hätten die zum Beispiel damals nicht so wild gegen die Neutronenbombe protestiert, brauchten wir nicht erst jetzt mit ihrem Bau anzufangen.

DDR-Wahlen: Sternstunde der Gisela Zepp

Jeder im märkischen Zehdenick kennt Gisela Zepp. Sie ist in dem Ort aufgewachsen, heute leitet sie dort die Kreisfiliale der Staatsbank.

Rechtsradikaler Terror: Lektion von „Oma“

Die Verfassungsschützer, wiewohl sie gerade die Terroristen von rechts einigermaßen sicher im Griff haben, lernen immer noch dazu: erst, daß sich – wie im linken Gewaltspektrum – auch Frauen an Mordaktionen beteiligen (so beim Brandanschlag gegen ein Hamburger Ausländerwohnheim); jetzt, daß rechte Radikale „Volksschädlinge“ und „Verräter“ aus ihren eigenen Reihen liquidieren (so im Fall der brutalen Ermordung des 26 jährigen Homosexuellen Johannes Bügner vergangenen Himmelfahrtstag am Hamburger Stadtrand).

An der Schwelle zur Atommacht

Könnte die am vorigen Sonntag in der Nähe von Bagdad zerstörte Reaktoranlage Osirak den Irakis wirklich zu Atombomben verhelfen? Aus wissenschaftlicher Sicht läßt sich diese Frage unzweideutig beantworten: Der von Frankreich gelieferte 70 Megawatt-Forschungsreaktor ist eine der reifsten Konstruktionen seiner Art; der Brennstoff, mit dem er beladen wird, läßt sich für Nuklearwaffen bestens verwenden.

Frankreich: Der Vertrag wird erfüllt

Frankreich ist nicht ganz unschuldig daran, daß eine ausschließlich friedliche Nutzung der Anlagen bezweifelt wird. Die gesamte Technologie für den Forschungskomplex südlich von Bagdad stammt aus Frankreich ebenso wie ein großer Teil des ebenso brennstoffs.

„Will Begin einen Krieg?“

Jetzt sehen Sie, was Menachem Begin, unter Israels Sicherheit versteht. Heute ist es ein Atomkraftwerk im Irak, morgen sind es die Erdölfelder Saudi-Arabiens.

Als das „Chaos“ nahte

Rechte Sozialdemokraten schreien linke nieder, Herbert Wehner sieht nur noch „das Chaos“. Die Bundestagspräsidentin Renger kanzelt Mandats träger ab, wie es sich kein Saaldiener gefallen ließe.

Ärger über die „Außenseiter“

Einer wie ich, der von fast zwölf Jahren sozial-liberaler Koalition zehn Jahre in der Regierung arbeiten durfte, hat leicht reden.

Zu kritisch und zu harsch

Wir sind der Meinung, daß in einzelnen Redewendungen der Bundesgerichtshof in einer Weise kritisiert worden ist, die über das notwendige Maß hinausgeht“ – mit dieser Begründung verurteilte ein Ehrengericht der Rechtsanwaltkammer für den Bezirk Freiburg in der vergangenen Woche einen Journalisten, der auch als Anwalt zugelassen ist, zu einer Geldbuße von tausend Mark.

Zu rigoros und zu aggressiv

Zweiundzwanzig Monate soll ein Heidelberger Rechtsanwalt ins Gefängnis; ein Justizdelikt wird ihm vorgeworfen, falsche Aussage als Zeuge in einem Strafprozeß, aber auch Widerstand gegen die Polizei.

Künstlerclub: Die Insel an der Alster

Die schönen Künste haben es nirgends leicht, sich gegen wirtschaftliche Gesichtspunkte durchzusetzen. Da verwundert es, wenn sich gerade in Hamburg, wo vor allem Handel und Wandel auf eine besonders traditionsreiche Vergangenheit zurückblicken, ein Künstlerclub über Wasser halten konnte, der seit seiner Gründung im Jahre 1948 ohne öffentliche Förderung arbeitet.

Bierkampf: Die Axt am Eichenfaß

Es war, als ob die Erde bebte in der bayerischen Landeshauptstadt. Ein Aufschrei ging durchs Volk und durch den bunten Blätterwald der „Weltstadt mit Herz“, galt es doch, den Sturm auf die letzte Bastion bajuwarischen Brauchtums abzuwehren: Statt aus Holzfässern soll zukünftig Münchner Bier auf dem „berühmtesten Volksfest der Welt“, dem Oktoberfest, aus riesigen Stahlcontainern fließen.

Hinweis

Wilhelm Bruns: „Die Uneinigen in den Vereinten Nationen: Bundesrepublik Deutschland und DDR in der UNO“. Das Buch ist ein erster – und gelungener – Versuch, die UN-Politik der beiden deutschen Staaten umfassend zu analysieren.

Dokumente des Grauens

Es gibt Bücher, die ein besonderes Schicksal haben. Und dieses Schicksal hilft bisweilen, Geschichte doch so zu schreiben, „wie sie wirklich war“.

Gefangenschaft im Dritten Reich: Diesseits des Drahtverhaus

Es ist meine Pflicht“, so beginnt die Meldung des, englischen Reporters, der die Befreiung des Lagers Bergen-Belsen durch britische Truppen miterlebte, „es ist meine Pflicht über etwas zu berichten, das jenseits allen menschlichen Vorstellungsvermögens liegt.

Lebendiges Radio

Mitten im Programm, „live“ versteht sich, lachte die Moderatorin plötzlich brüllend auf, lachte in allen Tiefen ihres Alts und steigerte sich auf Höhen, die man eher einem Koloratur-Sopran zutrauen würde, sie lachte völlig undamenhaft und ohne alle Ziemlichkeit.

Bonn verweigert die Alimente

Das Bild ist vielen Millionen Steuerzahlern, Wählern und Freunden der Eisenbahn seit fast zwei Jahrzehnten schön so vertraut, daß sie es mühelos wiedererkennen konnten: ein neuer Bundesverkehrsminister, ein neues Programm zur Sanierung der Bahn, die derweil ihre rasende Fahrt auf abschüssiger Strecke fortsetzt.

Vertreibung aus der Hängematte

Zumindest darüber wird in Bonn nicht mehr gestritten:An einer kräftigen Reduzierung der Staatsausgaben führt kein Weg mehr vorbei.

Sozialleistungen: Und nun an die Renten?

Sind die Arbeitslosen, die Kranken und die Rentner schuld am Staatsruin? Der unbefangene Bürger, der in der letzten Woche die Haushaltsdebatte des Bundestags in den Ausschnitten der Nachrichtensendungen am Fernsehschirm verfolgte, konnte leicht den Eindruck haben, daß es just die Ausgaben für diesen Personenkreis sind, die das Loch in die Staatskasse gerissen haben.

Italien: Privatisierung

Italiens Sozialisten haben als Regierungspartnerder Christdemokraten beschlossen, eine schon fast vollzogene Verstaatlichung rückgängig zu machen.

Bonner Kulisse

Wenn, wie nach dem langen Pfingst-Wochenende, in Bonn rein gar nichts passiert, dann bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als kritisch über die Beamten und das öffentliche Dienstrecht nachzudenken – Dauerthemen der Republik vor allem in der Saure-Gurken-Zeit.

Bundeshaushalt: Holzweg

Sollte die Gelassenheit des Bundeskanzlers und seines Finanzministers bei der dringend gebotenen Sanierung des Bundeshaushalts darauf zurückzuführen sein, daß sie, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung vermutet, auf einen Milliardensegen aus dem Gewinn der Bundesbank für 1981 hoffen, dann haben sie sich auf einen Holzweg begeben.

Verkehr: Tinnef

Auf den ersten Blick scheint der Autofahrer schwer geprüft zu sein: Opec, Staat und Multis schröpfen ihn an der Zapfsäule, für Reparaturen und Versicherung müssen immer höhere Beträge aufgebracht werden.

Irrtum

Zwei Männer, die sich in der deutschen Medienpolitik hervortun und beide Albrecht Müller heißen – solchen Zufall gibt’s. Und der weitaus berühmtere von beiden, Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt, mußte bedauerlicherweise in einer Glosse der letzten ZEIT darunter leiden.

Ist die Bundesbahn noch zu retten?: “Vom Gesetz zum Zwitter gemacht“

ZEIT: Frau Breuel, die Bundesbahn fährt einer finanziellen Katastrophe entgegen. Sie sind Mitglied des Verwaltungsrates der Bahn und haben schon im Januar einen Brief an Bundesverkehrsminister Volker Hauff geschrieben, in dem Sie Vorschläge zur Reform dieses bundeseigenen Unternehmens gemacht haben.

„Hier werden Arbeitsunwillige produziert“

Es war schon, ungewöhnlich. Da fuhren 28 Arbeitnehmer mit Wissen und Billigung ihres Arbeitgebers zu einem anderen Unternehmen, um sich dort nach Arbeit umzusehen.

Frankreich: Die Wahl der leeren Kassen

Schott wieder Wahlen! Die Franzosen sind nicht gerade begeistert, daß sie wenige Wochen nach der Wahl des Staatspräsidenten auch noch ein neues Parlament wählen sollen.

Zeitraffer

Der Mai hat den US-Amerikanern mit über acht Millionen Arbeitslosen, das sind 7,6 Prozent aller Erwerbstätigen, eine neue Rekordmarke in diesem Jahr beschert.

Genauer kalkulieren

Geiger: Es geht mir um klare Schuldzuweisungen an die für das gegenwärtige Zinsniveau Verantwortlichen. Der Schuldige ist die öffentliche Hand, Denn die hohen Zinsen sind die Folge einer Überforderung der deutschen Kapitalmärkte durch die öffentlichen Haushalte.

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