Von Viola Roggenkamp

Bevor ich euch von der Höchsten Seele erzähle, wollen wir alle etwas meditieren.“ Heide Fittkau-Garthe, Gottesbotin und Weltwohltäterin für Deutschland, hat auf einer Matratze Platz genommen. Das dunkle Haar fällt ihr über die Schultern auf das weiße, weite Gewand. Ihr linkes Bein hat sie ein wenig vorgestellt. Auf dem Knie ruht die linke Hand. Die Rechte ist leicht erhoben. So als trüge sie in ihr die Erkenntnis aller Dinge. Sie lächelt sanft. Sie spricht in sanftem Tonfall und streift jeden mit einem sanften Blick. Dann sagt sie: „Ich werde meine Energien auf euch übertragen.“

Das ist Pushbas Stichwort. Pushba ist die Inderin vom Dienst, Abgesandte der Gottväterlichen Universität in Pandav Bhavan, Mount Abu, im indischen Rajasthan. Pushba, klein, mollig, in weißem Sari, das weiße Haar im Nacken zusammengeschlungen, erhebt sich, löscht die Stehlampe – das einzige Requisit deutscher Gemütlichkeit in diesem Raum – und knipst ein rotes Ei an, das an der Wand über Heide als Meditationsampel installiert ist. Rotes Licht durchflutet das Raja Yoga Center in Hamburg am Grasweg 13.

Die kleine Gemeinde atmet tief durch. Draußen tobt der abendliche Berufsverkehr, während drinnen Heide Fittkau-Garthe bemüht ist, die Energien zu verströmen. Gerade will sie innerlich abheben, da klingelt das Telephon.

Es ist ein Kind, ein kleiner Junge, der seine Mutter sprechen möchte. Die Mama entknotet ihren Schneidersitz und geht verlegen an den Apparat. „Nö, Klaus, du gehst jetzt aber sofort ins Bett“, sagt die kleine blonde Frau gedehnt. Dabei schielt sie betreten auf die Weltwohltäterin, die um Sanftheit bemüht etwas gereizt in die Runde lächelt.

Doch der kleine Klaus will noch nicht ins Bett. Er will auch noch nicht auflegen. Er will wissen, wo Mutti überhaupt jetzt ist. „Das erzähle ich dir später“, sagt die Mama beschwörend und legt nach einigem Hin und Her endlich auf. Die Gruppe hat das Gespräch mit Interesse und teilweise mit Gekicher verfolgt.

„Drehen Sie eine Nummer und legen Sie den Hörer daneben, sonst stört uns das Telephon noch einmal“, rät eine schlanke Dame, die zum Kreis der eingeweihten Seelen gehört. Die kleine Blonde nickt und tut es. Dann taucht sie wieder am Boden unter, neben einem jungen Mann, der entschlossen ist, alles per Tonband mitzuschneiden.