DIE ZEIT

Grass in Danzig

Die „Blechtrommel“ existiert nur in einem zweibändigen Samisdat-Druck, vom „Butt“ hat lediglich Solidarność, die Zeitung der freien Gewerkschaft, ein Kapitel (das die polnischen Ereignisse 1970/71 behandelt) publiziert, und verlegt wurde bisher nichts als die Erzählung „Katz und Maus“: Günter Grass war in Polen bisher mehr Mythos als Gegenwartsschriftsteller.

Mitterrand vor einem Triumph

François Mitterrands Rechnung ist aufgegangen. Er hatte die Nationalversammlung aufgelöst, weil er mit ihrer konservativen Mehrheit schwerlich hätte regieren können.

Kindergeld - kein Tabu

Auch Selbstverständlichkeiten auszusprechen ist in der Politik mitunter gefährlich. Dies hat Oppositionsführer Helmut Kohl erfahren, als er vor der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft zu erkennen gab, daß bei der Konsolidierung des Haushalts auch die bestehende Kindergeldregelung nicht tabuisiert werden dürfe und daß die Familien mit mehreren Kindern der Unterstützung am meisten bedürften.

Ist in der Kirche der Teufel los?

Christen gibt es, sie nennen sich Evangelikaie, die ihre Kirche auf Biegen und Brechen aus der Welt heraushalten wollen. Zusammen mit den Anhängern der radikal konservativen Bewegung "Kein anderes Evangelium" denunzieren sie die Kirchentage als eine Art Teufelswerk und bleiben ihnen aus Protest fern.

Kraftprobe im Iran

Die iranische Revolution hat erst mit ihren Gegnern aufgeräumt, dann hat sie die Eigenwilligen und die Gemäßigten unter ihren Anhängern verfemt und verdrängt – schon früh den Ministerpräsidenten Bazargan, danach den Außenminister Ghotbzadeh, nun den Staatspräsidenten Bani-Sadr.

Worte der Woche

„Die Gebirgsschützen sind Träger einer Geisteshaltung, die in unserer zunehmend bindungs- und orientierungslosen Zeit die Treue zu überlieferten Werten hochhält und Gewähr für bayerische Eigenständigkeit, Kontinuität und Selbstachtung bietet.

Zeitspiegel

Billy Carter, Bruder des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, muß für seine langjährigen Steuersünden büßen. Das Finanzamt hat Billys Haus und Grundbesitz in Plains/Georgia beschlagnahmt und droht für Ende des Monats die Versteigerung an.

Berliner Regierungsbildung: Senat auf schwankendem Boden

Der 140-Tage-Senat hat die Schreibtische geräumt. Etliche Senatoren, wie Anke Brunn, Frank Dahrendorf, Günter Gaus, Gerhard Konow und Pressesprecher Sepp Binder haben auch schon die Koffer gepackt, um Berlin wieder zu verlassen.

"Die Deutschen helfen uns"

Am Abend dieses brütend-heißen Tages stellt sich die Erinnerung an jenen kalten Januarmorgen des vergangenen Jahres ein, als die diplomatischen Annäherungsversuche zwischen der Bundesrepublik und Spanien begannen.

Wolfgang Ebert: Tollhaus-Blues

Nachdem Annemarie Renger einem weiteren Genossen das Wort erst einmal abgeschnitten, dann aber entzogen hatte, bevor er es überzogen ergreifen konnte, erteilte sie ihm auch noch eine Rüge und das Wort endlich einem angeheiterten FDP-Abgeordneten.

Im Tiefflug über Nebraska

Fast dreißig Jahre nach seinem Jungfernflug ist der achtstrahlige Düsenbomber B 52 noch immer im Einsatz. Neben den verbunkerten Interkontinentalraketen und den auf See stationierten Raketen sind die 347 Maschinen ein Teil der „Triade“ strategischer Waffen, auf die sich die amerikanische Abschreckung stützt.

Abschreckung sichtbar machen

In unserer FORUM-Serie „Krieg und Frieden“ haben der Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker und der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer dafür plädiert, die neuen Mittelstreckenraketen auf See zu postieren.

Amerika: Mit Mexiko gegen den Kommunismus

Mexikanischer Grandezza wußte Ronald Reagan sehr viel besser zu entsprechen als sein Vorgänger Jimmy Carter, der sich noch friedlich um spanische Sprachkenntisse bemüht hatte.

Frankreich: Sieg für die Sozialisten

Der große Gewinner der französischen Parlamentswahlen sind die Sozialisten. Sie wurden mit rund 38 Prozent der Stimmen zur eindeutig größten Partei im Lande; bei den letzten Wahlen zur Nationalversammlung im März 1978 hatte die Sozialistische Partei nur 24,7 Prozent erreicht.

Schweizer Frauenfreundlichkeit

Einprägsam formulierte es die Nationalrätin Cornelia Füeg: „Wir Frauen bleiben Frauen und Mütter, aber als Anerkennung dafür möchten wir die Gleichberechtigung.

Schulpolitik: Zu kleine Klassen

Baden-Württembergs Kultusminister Gerhard Mayer-Vorfelder hat eine Schule ganz nach seinem Herzen entdeckt. Mitten in Stuttgart, wo der Bildungspolitiker auch Vorsitzender der örtlichen CDU ist, steht sie: das Hölderlin-Gymnasium, mit nur 480 Schülern eine relativ kleine Schule in einem zentral gelegenen, alten Gebäude.

Ausgrabungen: Troja des Nordens

Zum Abschluß der Grundsteinlegung für ein Museum bei Haithabu sagen (fast) alle gemeinsam mit Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg die ersten drei Strophen des Liedes „An Schleswig-Holstein“ („Schleswig-Holstein, meerumschlungen, deutscher Sitte hohe Wacht, wahre treu, was schwer errungen .

Medientage: Schelte von rechts und links

Zur Selbstbesinnung wollte Hans Detlev Becker, Spiegel-Verleger und Initiator der „3. Hamburger Medientage“ anhalten. „Es ist den Journalisten seit jeher nicht leichtgefallen, laut nach sich selbst zu fragen, so wenig es auch beim Auseinandernehmen anderer Berufsstände fehlte.

Friedensmarsch: Pfullendorfer in Angst

Die Besetzung begann pünktlich. Sie war angemeldet und genehmigt. Für eine Stunde gehörte die malerische, verwinkelte Altstadt mit ihren hochgiebeligen Fachwerkhäusern und den engen Straßen den Fremden.

Zeitgeschichte: Adenauers graue Eminenz

Dr. Hans Globke, 1949 bis 1953 Abteilungsleiter und anschließend zehn Jahre Staatssekretär des Bundeskanzleramtes, war eine der umstrittenen Persönlichkeiten der Ära Adenauer.

Polen: Ständig auf dem Sprung

Nicht jede Revolution frißt ihre Kinder; aber keine gedeiht ohne Protagonisten, die sich traumwandlerisch auf der schwindelerregenden Höhe der vermeintlichen Zeitenwende finden.

Polen: Leichenrede vor dem Begräbnis

Hans Peter Rullmann: „Ist der Kommunismus reformierbar? Nach dem polnischen Herbst – Frühling in Osteuropa.“ Geschichtliche Zäsuren bringen es mit sich, daß Fragen an die Geschichte plötzlich genauer, weniger akademisch gestellt werden können.

Evangelische Kirche in Deutschland: Unter Gottes Zorngericht

Zu den spannendsten Vorgängen der ersten Nachkriegsjahre gehörte die Neukonstituierung der Evangelischen Kirche. Sie hatte sich damals mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Konsequenzen sie aus den einschneidenden Erfahrungen des Kirchenkampfes und der Verfolgung im Hitler-Reich ziehen solle und wie sie den neugewonnenen Chancen gerecht werden könne.

West-Berlin: Geteilt, besetzt, doch frei

Vor fast sechzig Jahren machte Max Weber darauf aufmerksam, daß die Städte eine früher weitverbreitete Eigenschaft völlig eingebüßt hätten: sie dienten nicht mehr als Festung oder Garnison.

Zeitgeschichte: War Weimar noch zu retten?

Die zeitgeschichtliche Forschung über die Weimarer Republik, die in Deutschland frühestens nach 1945 ernsthaft betrieben werden konnte, war begreiflicherweise zunächst ganz von der Fragestellung beherrscht, wie es zum verhängnisvollen Scheitern dieser Demokratie hatte kommen können.

Wer verdient am Dollar-Roulette?

So ganz verbergen konnte Herbert Grunewald seine Freude nicht. Mit deutlichem Bemühen um Zurückhaltung rang der Vorstandsvorsitzende des drittgrößten deutschen Chemiekonzerns sich das Eingeständnis ab: „Ich würde für Bayer sagen, daß die Stärkung des US-Dollars uns einen Vorteil bringt.

Bonner Kulisse

Die Haushaltssanierer der beiden Bonner Koalitionsfraktionen haben ihr durchaus unerfreuliches Werk begonnen, und schon jetzt zeigt es sich, daß sich die beiden gängigsten Prognosen für diese beschwerlichen Sanierungsarbeiten erfüllen werden.

Arbeitgeber: Diskret

In Überlingen nichts Neues: Die Arbeitgeber der Metallindustrie haben Wolfram Thiele für die nächsten zwei Jahre wieder zu ihrem Präsidenten gewählt – aller Kritik an der Verbandsführung zum Trotz, die nach den letzten Lohnverhandlungen das Gefüge von „Gesamtmetall“ zu erschüttern schienen.

Staatsverschuldung: Für Lieschen

Die rasch wachsende Verschuldung des Staates erregt die Gemüter und wird es noch monatelang tun. Gegen die Kreditpolitik werden dabei viele ernstzunehmende, aber auch manche törichte Argumente ins Feld geführt.

Polenkredite: Stichtag

Noch streiten sich die Experten, ob die dreißig Millionen Dollar, mit deren Rückzahlung Polen am 10. Juni in Verzug geraten ist, ein Kredit oder eine Anleihe sind.

Automarkt: Sündenfall in Tokio

Japans Autohersteller wollen in diesem Jahr ihre Verkäufe in der Bundesrepublik um nicht mehr als zehn Prozent steigern. Das verkündete Wirtschaftsminister Lambsdorff nach seinem Besuch in Tokio.

Internationales Bankgeschäft: Gefahr aus New York

Während Regierungen und Notenbanken in Europa überlegen, wie sie das gigantische Finanzierungspotential – über tausend Milliarden Dollar – der Euromärkte unter ihre Kontrolle bringen können, hat der amerikanische Zentralbankrat, der Federal Reserve Board, unter dem Vorsitz von Paul A.

Silber und Schulden

Man versteht schon nach einem kurzen Gespräch, warum die Gebrüder Bunker und Herbert Hunt nicht allzugut auf ihn zu sprechen sind: Henry Jarecki ist smart, sehr smart – keiner, den man so leicht übers Ohr haut.

Israel: Ein Traum wird verwirklicht

Die Idee ist schon alt. Bereits im vergangenen Jahrhundert erwogen Geographen und Ingenieure die Möglichkeit, einen Kanal vom Mittelmeer zum Toten Meer zu graben.

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