Nun gehen sie dahin, die letzten der großen, noch vor der Jahrhundertwende geborenen Journalisten, die auch der Nachkriegspresse ihr Gesicht gegeben haben. Erwin Topf ist, 82jährig, am 12. Juni 1981 gestorben.

„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“; was sie Großes geleistet haben, bleibt oft länger in der Erinnerung als ihr Name. Wer weiß noch, daß „Soziale Marktwirtschaft“ zuerst ein Buchtitel war, nämlich der Schrift des Professors Alfred Müller-Armack, einem Freund von Ludwig Erhard. Der Titel wurde zur Bezeichnung eines Systems – weil der Wortschöpfer dieses Systems eben genau getroffen hatte. „Utopia“ (griechisch: Das „Land Nirgendwo“) hieß ein Buch von Thomas Morus. Was eine Utopie ist, wissen wir alle – den Ursprung des Wortes kennen nur wenige; und wer hat gar das Buch gelesen? – Erwin Topf gelang mit einem Buchtitel die bissige Sentenz: „Die grüne Front“. Die Landwirte hörten es schon 1932 nicht gern, weil es die immer leidenden Bauern als erfolgreiche Kämpfer im nationalen Verteilungskampf darstellte.

Als die Nazis über uns hereinbrachen, war Topf beim Berliner Tageblatt. Seine große Kollegin Margret Boveri („Wirlügen alle“) zitiert: „Natürlich kam mir damals zugute, daß Erwin Topf Schwierigkeiten mit der Partei hatte und sich im Schreiben sehr zurückhalten mußte.“ Topf hatte sich, seine Sprachkunst nutzend, „an einer Stoffsammlung beteiligt, die alles Abstruse, Geschwollene und Bombastische neuerer Sprachverderbnis zusammenstellen soll“. Da scheiterte der Versuch, weiter im Dritten Reich Journalist und zugleich ehrlich zu sein – Topf wurde Soldat, stieg schnell auf, wurde schließlich Oberst; ein den Zivilisten meist verschlossener Rang.

Topf war der Beweis, daß man den deutschen Soldaten das „Dritte Reich“ nicht pauschal anlasten darf. Er wußte von allen Scheußlichkeiten und glaubte doch, seinem Lande dienen zu müssen; für die Nachfahren gewiß schwer nachvollziehbar.

Dieser bedeutende Mann hat von 1946 bis 1958 bei der ZEIT (als Chef der „Wirtschaft“) eine große Rolle gespielt. Wir danken es ihm heute noch.

GerdBuccrius