DIE ZEIT

Der kleine Unterschied

Nun läßt der neue Berliner Senat besetzte Häuser räumen und andere durchsuchen, und nachts gibt es – wie nicht anders zu erwarten – zerworfene Scheiben, umgestürzte Autos, Brandsätze, Steinwürfe, Verletzte, Festnahmen.

Frankreichs Rutsch nach links

Das Wort "Linksrutsch" ist zu schwach, um zu bezeichnen, was sich während der letzten Wochen in Frankreich abgespielt hat. Zum erstenmal in der Geschichte der Fünften Republik wählten die Franzosen einen Sozialisten an die Spitze des Staates; obendrein schickten sie ein erdrückendes Obergewicht sozialistischer Abgeordneter in die Nationalversammlung.

Angst in der Luft

Das Jahrhundert scheint sich seinem Ende so zu nähern, wie es einst begonnen hat. Damals schrieb Karl Kraus in dem Gedicht "Furcht" die Zeile: "Ich lebe in den Untergang und wohne in bedrohten Räumen.

Nicht nur Propaganda

Moskau malt die Gefahr eines neuen Weltkrieges an die Wand. Sofort und ohne Vorbedingungen, so Leonid Breschnjew, solle über eine Begrenzung der Atomraketen verhandelt werden.

Zeitspiegel

In Peking zirkulieren Gerüchte, wonach der Parteivorsitzende Hua Guofeng seit Oktober 1980 eine "Kaderschule" besuchen mußte.

Parteitag der Hamburger SPD: Viel Krach und noch mehr Späne

Es ist lange her, daß die Sozialdemokraten Parteitage abhielten, um hart miteinander zu debattieren, politische Ziele aufzuzeigen, Entscheidungen zu fällen und, wenn nur irgend möglich, mit der Gewißheit nach Hause zu gehen, im Kern einig zu sein.

Worte der Woche

"Es liegt heute in Ihrer Hand, in der wohl kritischsten Phase der Nachkriegsgeschichte Deutschlands, das deutsche Schicksal zum Guten zu wenden, doch nicht als Kanzler der Amerikaner, sondern als Kanzler der Deutschen.

Vorige Woche half er in Hamburg eine SPD-Regierung flicken.Nächste Woche redet er in Moskau mit Leonid Breschnjew. Ausländische Zeitungsschreiber spekulieren, er wolle Helmut Schmidts Nachfolge antreten. In seiner Partei bleibt Willy Brandt die wichtigste Integrationsfigur,: Willy Brandt in einer neuen Rolle

Sieben Jahre als "Parteisekretär", findet Willy Brandt, sind genug. Einem Freund in Österreich hat er kürzlich anvertraut, er könne sich – so lange Zeit nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler im Jahr 1974 – auch etwas Schöneres vorstellen, als "jeden Tag ins Parteihaus zu laufen".

Die vier Jahre des Menachem Begin

Was wurde nicht alles über Menachem Begin gesagt, wie wurde der israelische Ministerpräsident bissigem Spott ausgesetzt: krank sei er, müde, seines schweren Amtes überdrüssig.

Kritik an Ronald Reagan: Der "Honigmond" geht zu Ende

Ronald Reagan hat sich vorige Woche zum erstenmal seit dem Attentat vom 30. März wieder der Presse gestellt. Die bissigen Kommentare, die danach auch Kolumnisten aus der Feder flossen, die ihm wohlwollen, deuten an, daß der lange "Honigmond" zwischen den Medien und dem neuen Mann im Weißen Haus zu Ende geht.

GEGENDARSTELLUNG

In der ZEIT Nummer 25 vom 12. 6. 1981 wird unter der Überschrift "Rechtsradikaler Terror – Lektion von ‚Oma‘ behauptet, daß sich die Reste der ANS in der "Wehrsportgruppe Dems" zusammengerottet hätten, ferner, daß angenommen werde, daß die Mitglieder dieser Gruppe über den Fememord an dem abtrünnigen "Kameraden" Bügner diskutiert und ihn gutgeheißen hätten; jedenfalls hätten auch in ihren Reihen die von Kühnen inspirierten "Säuberungs-Anweisungen" kursiert.

Absetzung des iranischen Präsidenten: Ein Sieg der islamischen Eiferer

Die Vertreibung des Abolhassan Bani-Sadr ist vollbracht. Der erste Präsident der islamischen Republik Iran ist auf der Flucht, Von Chomeini für vogelfrei erklärt, von islamischen Schlägertrupps schon vor der Amtsenthebung terrorisiert, von der islamisch-republikanischen Mullahpartei (IRP) im geknebelten Parlament in Acht und Bann geschlagen, wählte Bani-Sadr den Untergrund.

Wolfgang Ebert: Herrliche Zeiten

Die Griechen trauen den Türken nicht über den Weg; die Türken trauen den Griechen alles zu. Wenn man nur wüßte, was Burundi im Schilde führt.

„Den Dschungel lichten“

Die Ableger seiner neonazistischen „Wehrsportgruppe“ wollte Karl-Heinz Hoffmann ignorieren. „Ich will den Dschungel nicht lichten“, wehrte der selbsternannte Major entsprechende Fragen in einem Spiegel-Interview vor sieben Monaten ab.

Rechenschaft - nach "gusto und frustro"

"Nach dem ersten Halbjahr gusto und frustro in Bonn und nachdem ich nun so ein bißchen kapiert habe, daß Erfolg schon ist, einen Zwischenruf wie einen Pingpongball auf die Tischplatte des Stenographen plaziert zu haben", so hat der sozialdemokratische Abgeordnete Freimut Duve den Genossinnen und Genossen seiner Fraktion geschrieben, "hält mich nichts mehr davon ab, den Bundestag ernst zu nehmen – und die Arbeit leicht.

Paris: KPF stellt nach 34 Jahren Minister

Zum erstenmal seit 34 Jahren hat Frankreich wieder kommunistische Minister. Nach dem planmäßigen Rücktritt der provisorischen sozialistischen Regierung unter Pierre Mauroy wurden bei der Neubildung am Dienstag vier Kommunisten aufgenommen.

Erfolg mit Ariane

Der bislang vom Pech verfolgten europäischen Raumfahrt war endlich ein Erfolg beschieden: Am vergangenen Freitag hob die fast 48 Meter lange und 210 Tonnen schwere Trägerrakete "Ariane" von der Startrampe in Kourou (Französisch-Guyana) ab.

Polen: Moskau droht, Warschau dämpft

Die Sowjetunion und ihre Verbündeten geben durch fortdauernde Kritik zu verstehen, daß sie die dringend geforderte "Wende" in Polen nicht sehen.

Kirche auf der Wanderung

120 000 beim Hamburger Kirchentag: Eine neue Bewegung aus Angst und Glauben kann die Republik verändern

Rundfunkurteil: Nur Sieger?

Wenn nun wirklich alle Interessenten ein höchstrichterliches Urteil loben, sich zufriedengeben und kritische Worte nicht hören lassen, wird der Bürger mißtrauisch.

Nichtseßhafte: Berber rebellieren

Penner" werden amtlich Nichtseßhafte genannt. Sie genießen unter Sozialarbeitern den zweifelhaften Ruf, daß sie sich gut schikanieren lassen.

AStA-Wahlen an der Freien Universität: Schönheit siegte

AStA-Wahl in der Freien Universität. Nach zwölf Jahren (1969 war mit dem "Reformgesetz" der AStA abgeschafft worden) sollte – nun schon im dritten Anlauf – wieder ein "Allgemeiner Studentenausschuß" vom Studentenparlament gewählt werden.

Schicksalsfrage: Weißblauer Alpentraum

Der Traum schimmert weißblau in den Farben Bayerns, riecht nach Bier und Rad: wie die Schwemme des Hofbräuhauses und ist etwa so realistisch wie die Forderung, von so.

Am Ölmarkt ist (k)ein Wunder geschehen: Es herrscht Überfluß, und die Förderländer senken die Preise: Eine Lehre für Dirigisten

Die Zeiten, in denen fast täglich neue Forderungen und Drohungen der ölfördernden Staaten gemeldet wurden, sind vorüber. Vorbei sind auch die Tage, in denen Opec-Mitglieder den Ölgesellschaften rüde formulierte Fernschreiben ins Haus schickten, in denen sie sogar nachträglich für bereits vor Monaten gelieferte Mengen höhere Preise forderten.

Vom Eigenheim ruiniert

Familie Knepper* hatte einen Traum verwirklicht: Anfang 1980 zog sie in das eigene Reihenhaus in der Nähe von Augsburg. Schon im Frühjahr tobten die drei Kinder im eigenen Garten und quengelten nicht mehr in der engen Mietskasernen-Wohnung.

Bonner Kulisse

Verteidigungsminister Hans Apel hatte zwar eine richtige Erkenntnis, sie auch laut geäußert – dennoch hat er keine Absicht, für sein Milliarden verschlingendes Ressort die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Erwin Topf †

Nun gehen sie dahin, die letzten der großen, noch vor der Jahrhundertwende geborenen Journalisten, die auch der Nachkriegspresse ihr Gesicht gegeben haben.

Wirtschaftspolitik: Mit Herz und Kopf

Zum erstenmal setzen wichtige Mitgliedsländer der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der Wirtschaftspolitik wieder verschiedene Akzente.

AEG-Telefunken: Unter Zeitdruck

Die AEG-Telefunken ist immer noch allein. Auch auf der Hauptversammlung konnte der Vorstandsvorsitzende Heinz Dürr den Aktionären noch keinen starken Partner für den zweitgrößten deutschen Elektrokonzern präsentieren.

Europa-Parlament: Büroschlaf

Ob Champagnergelage in Südamerika, ob Konferenzreisen nach Afrika mit Ehefrau oder Verwandten, ob Politikausflüge in ferne exotische Breiten – den Mitgliedern des Europäischen Parlaments ist offenbar keine Ausgabe zu hoch, wenn es darum geht, die Europäische Gemeinschaft (EG) in der Welt zu repräsentieren.

Arbeitsmarkt: Sonderopfer?

Etwa neun Milliarden Mark wird die Bundesanstalt für Arbeit im kommenden Jahr mehr ausgeben müssen als geplant. Da sich ein solcher Riesenbetrag unmöglich durch Einsparungen wettmachen läßt, gilt es in Bonn schon jetzt als ziemlich sicher, daß der Beitrag der Arbeitnehmer zur Arbeitslosenversicherung auf vier Prozent der versicherungspflichtigen Einkommen steigen wird.

Die Grenzen der Besteuerung: Wer die Kuh schlachtet...

Noch ehe der Haushalt des Bundes für dieses Jahr verabschiedet worden war, begann bereits die Debatte darüber, wie der Etat 1982 durch Ausgabenkürzungen oder Einnahmeerhohungen so zurechtgestutzt werden kann, daß er finanzierbar bleibt.

Krach um Quoten

Seit Tokio dem Westen zugesichert hat, daß sich die japanischen Autoexporteure in diesem Jahr zurückhalten werden, hat zwischen den Autokonzernen heftiges Feilschen eingesetzt.

"Menschenrecht"

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund sei es unannehmbar, erklärte der DGB-Vorsitzende Heinz Oskar Vetter zu dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wenn das gewerkschaftliche Betätigungsrecht zur Interessenvertretung von über einer halben Million im kirchlichen Bereich beschäftigten Arbeitnehmern zu einem wesentlichen Teil außer Kraft gesetzt werden soll.

Gewerkschaften und Kirche.: Zutritt verweigert

Ein kleines Wort, und das noch aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919 (WRV), hat den beiden großen Kirchen dazu verhelfen, in der Bundesrepublik arbeitsrechtlich weiterhin eine Insel zu sein und der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) keinen Zutritt für "betriebsfremde" Gewerkschafter gewähren zu müssen.

Die versorgten Versorger

Das ist gewiß kein falscher Rat. Aber der entscheidende Rat ist es nicht. Denn der müßte lauten: Such dir den richtigen Arbeitgeber aus.

Frankreich: Mit der Baisse leben

Das Attribut "historisch" wurde in den letzten Wochen in Frankreich ausgiebig bemüht. Da war vom historischen Wandel die Rede, vom historischen Sieg der Sozialisten, vom historischen Tiefpunkt der Kommunisten.

Ringo statt Ringi

Japans Manager sind dafür berühmt, daß sie es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben betrachten, im Unternehmen für Harmonie zu sorgen.

Nur ein Signal

Wernitz: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wenn man das Tarifergebnis für die Angestellten des öffentlichen Dienstes auf den Beamtenbereich überträgt, wären das 4,3 Prozent Gehaltserhöhung bis zur Besoldungsgruppe A 16 (Ministerialrat); der darüberliegende Bereich wäre davon streng genommen nicht erfaßt, doch war dies bisher regelmäßige Übung.

Dafür haftet der Steuerzahler

Die staatliche Exportkreditversicherung der Bundesregierung, mit der deutsche Exportgeschäfte gegen wirtschaftliche und politische Risiken im Importland versichert werden können, hat im vergangenen Jahr eine neue Rekordhöhe erreicht.

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