In der vergangenen Woche wurde das Schicksal des 1920 gegründeten Photounternehmens Rollei nach vielen Verlustjahren endgültig besiegelt. Die Eigentümer beantragten die Liquidation.

Es war schön ein merkwürdiges Stück, das da über – die Bühne ging: Hannsheinz Porst, Herr über Deutschlands zweitgrößtes Photo-Versandhaus, der zudem als „Marxist und Millionär“ für manche Schlagzeile gesorgt hatte, wollte zeigen, daß er noch mehr kann – und übernahm Anfang April den traditionsreichen, aber seit Jahren verlustgeplagten Kamerahersteller Rollei. Noch ehe seine Sanierungsarbeit jedoch richtig begann, fiel der Vorhang schon wieder.

Was war in der kurzen Zeit passiert, das aus dem optimistischen Sanierer Porst einen Pessimisten machte? Ein plötzlicher Anfall von Angst vor der eigenen Courage ist wenig wahrscheinlich, denn Post hatte – zumindest finanziell – überhaupt nichts zu befürchten: Er bekam Rollei Deutschland mit seinen rund 700 Beschäftigten zum Nulltarif von der Norddeutschen Landesbank (NordLB). Die über einen Beherrschungsvertrag verbundene Rollei Singapore mit der Hauptproduktionsstätte und 4500 Mitarbeitern blieb zunächst zu 75 Prozent im Besitz der NordLB (25 Prozent besitzt die Development Bank of Singapore) und sollte erst später von Porst „gekauft“ werden.

Das geschenkte Braunschweiger Unternehmen, so befand der Photofachmann Porst im April außerdem siegessicher, sei finanziell gut gerüstet für die bevorstehende Gesundungskur. NordLB-Chef Adolf Kracht hatte nämlich – zum letztenmal, wie er hoffte – in die Bankkasse gegriffen, um Rollei endlich loszuwerden. Mehr als 600 Millionen, Mark – manche Schätzungen gehen sogar bis 800 Millionen Mark – hatte das Abenteuer Rollei die Bank im vergangenen Jahrzehnt bereits gekostet. Völlig verständlich, daß Kracht nun einen Schlußstrich ziehen wollte.

Und frisch in Porsts Händen sah Rollei fast schön aus – zumindest auf dem Papier. Da standen in der Eröffnungsbilanz nahezu neunzig Millionen Mark Eigenkapital. Das waren respektable 35 Prozent von der Bilanzsumme – AEG beispielsweise hat nicht einmal neun Prozent vorzuweisen. Und auch für ausreichende Kreditlinien schien damals gesorgt: Stattliche 166 Millionen Mark, von denen nur etwa hundert Millionen Mark in Anspruch genommen waren, „so. daß genüngend Spielraum für die nächsten Jahre verbleibt“ (Porst). Lediglich neunzig Tage später war das alles gar nicht mehr schon. Porst war klargeworden, daß es doch nicht langte bis an das rettende Ufer, und forderte von der NordLB neue Kredite – es sollen Beträge von nahezu hundert Millionen Mark gewesen sein. Doch Bankchef Kracht sperrte sich. Bei seiner optimistischen April-Einschätzung ging Porst von einem Verlust für dieses Jahr von 32 bis 35 Millionen aus. Doch das waren offensichtlich unrealistische Zahlen. Keine Frage ist, von wem diese Verlustziffern stammen, denn Porst („Das Jahr 1981 kann ich kaum noch beeinflussen“) hatte sie zwar mit „eingekauft“, doch zur eigenen Kalkulation fehlte ihm schlicht die Zeit. Bilanzbewertung und Verlustschätzung waren also dem alten Management unter; dem NordLB-Mann Heinz Wehling überlassen – und der hatte deutlich danebengehauen.

Plötzlich war von weit höheren Verlusten die Rede. Doch die Begründungen dafür – konjunkturelle Umsatzeinbußen und Mehrkosten durch den Kursanstieg von US-Dollar, Yen und Singapore-Dollar – klingen fadenscheinig, weil sie im April schon vorhersehbar waren.

Ist Porst reingelegt worden? In Geld gerechnet nein, denn er hat außer ein bißchen Reputation nichts verloren. Daß er schnell aufgab, spricht für ihn, denn es nützt keinem, wenn sinnlos Millionen verpulvert werden.