DIE ZEIT

Hua und Hu

Er ist Mao Tse-tungs letztes Opfer geworden: Hua Guofeng, dem der "Große Steuermann", schon vom Tode gezeichnet, im April 1976 das Steuer übergab ("Hast Du die Sache in der Hand, ist mir leicht ums Herz").

Die Regierung bittet zur Kasse

Was Ronald Reagan gerade mit Bravour hinter sich gebracht hat, steht Helmut Schmidt noch bevor: Wenn die Bonner Parlamentarier aus den Sommerferien zurückkehren, muß er ein drastisches Sparprogramm durchboxen.

Blut um Blut

Sechs Dutzend Tote, darunter der Ajatollah Beheschti, der starke Mann des Iran, ferner vier Minister, sechs stellvertretende Minister und zwanzig prominente Abgeordnete der Islamisch-Republikanischen Partei – mörderischer ist in der Neuzeit kein anderes Sprengstoffattentat gewesen.

Israels bitterer Lorbeer

Wenn sich die Hochrechnungen aus der Wahlnacht bestätigen sollten, dann bleibt Menachem Begin Israels Ministerpräsident, wenngleich mit einem weniger respektablen Vorsprung als bei seinem Überraschungssieg vor vier Jahren.

Zeitspiegel

Fünf Themen waren von jeher auf englischen Dinner-Parties tabu: Sex, Politik, Religion, Krankheiten und Dienstbotenprobleme.

Wechsel an der Weltbank-Spitze: Ein Manager als Missionar

Einsamkeitsüberglänzt" – so wäre in ironischer Manier freilich, der vorzeitige Rücktritt, wenn nicht das ganze Leben des 65jährigen amerikanischen Weltbankpräsidenten Robert Strange McNamara zu beschreiben: Hier verläßt ein Mann einsamen Formats seinen Posten, "mutig, anständig, selbstbewußt, hart" (so einer seiner ärgsten Kritiker), reif schließlich auch – nur eines wohl nicht: weise.

Worte der Woche

"Unserer Meinung nach ist nicht alles zutreffend und gerecht, was in den letzten Wochen gesagt wurde. Ich bitte Sie, mir abzunehmen, daß wir die schreckliche Bedeutung des 22.

Bilanz in Bonn

Im ersten Halbjahr ersparte die Schwäche der Regierungskoalition der Union eigene Stärke

Es ist nicht alles Weimar, was bunt ist

Die deutsche Politik hat sich wieder einmal gründlich festgezurrt. Alle neuen Impulse scheinen von außerhalb oder allenfalls vom äußersten Rand des parlamentarischen Parteienspektrums zu kommen, während die Parlamentsparteien ihren Konsens immer neu bekräftigen – die Nachrüstung ist unentbehrlich; das Netz sozialer Sicherheit darf nicht gefährdet werden; nur durch härtere Arbeit läßt sich-die Wirtschaft in Gang halten; die Zukunft der deutschen Demokratie verlangt das vertraute Dreiparteiensystem.

Bekenntnisse sind nicht gefragt

Gute Schlagzeilen sind für die SPD selten geworden. In den letzten Monaten blies ihr nicht nur der Wind ins Gesicht, in "gelegentlichen kleinen Zirkeln" ist – um es mit den Worten von Johannes Rau zu sagen – sogar darüber geredet worden, "ob der Wind uns wohl umwirft".

Kitt für die Koalition

In seinem Bundestagsbüro ist es stets so emsig zugegangen, als handele es sich um eine der Schaltstellen des Parlaments. Daß da internationale Verbindungen hergestellt und unterhalten wurden, vorzugsweise in die westliche Hemisphäre und besonders in die Vereinigten Staaten, bezeugten schon die Besucher und der Terminkalender.

Beschwingt ins Abseits

Schon vor einem Jahr forderte Peter Glotz, heute Bundesgeschäftsführer der SPD, die Jungsozialisten zur Selbstbesinnung auf.

Im Namen des Volkes?

Wenn Zahlen sprechen, genug sprechen könnten: "Mindestens 200 000 Menschen, so fand das Düsseldorfer Gericht, kamen im Lager Maidanek um ihr Leben, davon "mindestens" 60 000 Juden.

Kurt Birrenbach: Stets diskret

In der deutschen Nachkriegspolitik ist Kurt Birrenbach eine seltene Erscheinung: ein Top-Manager, der neunzehn Jahre lang dem Bundestag angehörte; ein Industrieller, der sich niemals zum Lobbyisten machte; ein Mann, der nicht das Rampenlicht suchte, aber in den Kulissen um so aktiver wirkte; ein Politiker aus Leidenschaft, nicht aus Ehrgeiz.

Wolf gang Ebert: Gewöhnung

Die verdächtige Stille zerrt an unseren Nerven. Schon seit Tagen keine Warnung oder Drohung, kein atomarer Schock aus Washington, nicht einmal ein kleiner Neutronen-Weinberger, der immer soviel freudvolle Beunruhigung verbreitet.

Berliner FDP: Bis zum Zerfall

Die Berliner FDP ist nur noch ein schwacher Schatten ihrer selbst. Jeder der rasch aufeinanderfolgenden Parteitage verläuft chaotischer als der andere; Satzungen und Programme spielen keine Rolle mehr; die Solidarität unter Parteifreunden ist gänzlich auf den Hund gekommen.

Spaniens Demokratie: Ein Putsch ohne Ende

Das Datum "23." ist langsam dazu angetan, den Spaniern Angst einzujagen. Am 23. Februar überfiel der Guardia-Civil-Oberstleutnant Tejero das Parlament in Madrid; der Militärputsch scheiterte an der festen Haltung des Königs, der sich bedingungslos für die Demokratie erklärte.

Afghanistan: Karmal gerät unter Druck

Durch Abkommen mit den Comecon-Staaten versucht die afghanische Regierung, die desolate innenpolitische Lage zu verbessern. Vor dem Krieg sind schon mehr als zwei Millionen Afghanen nach Pakistan geflohen.

Italien: Stolpersteine für Spadolinis Regierung

Nicht im Niemandsland" habe er seine Regierung bilden könne, ließ Giovanni Spadolini etwas resigniert verlauten. Hoffnungsfroh hatte er sich darangemacht, sogar angekündigt, er werde von seinem verfassungsmäßigen Recht der Ministerauswahl entschlossenen Gebrauch machen.

Urlaub von der Politik – aber unter Vorbehalt

Meine Damen und Herren", so hat Vizepräsidentin Annemarie Renger am vergangenen Freitag die letzte Parlamentssitzung vor der Sommerpause abgeschlossen, "ich erlaube mir, Ihnen allen einen erholsamen Urlaub und eine gesunde Rückkehr in den Deutschen Bundestag zu wünschen.

Das Ende der Mediengötter

Üb’ immer Treu und Redlichkeit – vor allem Treu". An diesem Leitspruch haben Frankreichs Rundfunk- und Fernsehjournalisten in den letzten 20 Jahren ihre Arbeit ausgerichtet.

Afrika: Voller Erfolg für Libyen

Nach langen Debatten und zum Teil leidenschaftlichen Diskussionen verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs insgesamt 55 Resolutionen, die – unabhängig von ihrer Bedeutung – zumindest erkennen lassen, daß der Wille zur Einheit an Boden gewonnen hat.

Der Verdächtige: Ein "Medien-Groupie"?

Weyne B. Williams, ein 23jähriger junger Mann mit weichen Gesichtszügen und fast fingerdicker Brille, wartet in einer 1,80 mal 3,20 Meter kleinen Gefängniszelle auf seinen ersten Prozeßtag.

Pro und contra Atomkraft: Neinsagen verboten

Otto Graf Lambsdorff war unangenehm berührt. Ausgerechnet von CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht mußte er sich über Unbotmäßigkeit an der FDP-Basis aufklären lassen: Albrecht ließ den Bundeswirtschaftsminister wissen, daß der FDP-Kreisverband Lüchow-Dannenberg – ganz im Gegensatz zur Bundespartei – Kernenergie für äußerst gefährlich halte.

Bundesverdienstkreuz: Genossin auf Abwegen

Die Düsseldorfer Sozialdemokraten haben nicht nur mit ihrem Mitglied Karl-Heinz Hansen Probleme. Von der 76jährigen Genossin Josefine Jürgens müssen sie jetzt hören, der Maidanek-Prozeß sei ein von Juden und Kommunisten arrangierter Skandal, und das deutsche Volk müsse sich endlich gegen die grausame Verfolgung der Funktionäre des Nationalsozialismus wenden.

Glücksspiel: Volksentscheid im Lottostreit?

Nun reicht’s, schreibt ein empörter Tipper an die Berliner Lotto-Zentrale und fordert ultimativ Volksentscheid. Der Volkeszorn, nicht nur in Berlin, richtet sich derzeit bundesweit gegen die wohl unpopulärste Preiserhöhung der letzten Monate, die an diesem Wochenende auf gut 25 Millionen Tipper zukommt: Lotto und Toto werden von diesem Freitag an zwar ihre Gewinne verdoppeln, aber die Gesellschaften langen auch doppelt zu.

Fest der Grünen: Blumen für den Frieden

In zwölftausend Stunden werden bei uns die ersten Pershings und Cruise Missiles stationiert, und wir wissen immer noch nicht, wie das zu verhindern ist", drängt ein Teilnehmer die Versammlung.

Deutsche Arbeiterbewegung: Die Revolution blieb ein Schlagwort

Einer der großen alten Männer der deutschen Geschichtswissenschaft, Hans Rothfels, hat vor beinahe dreißig Jahren im ersten Heft der neugegründeten "Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte" 1953 mit Nachdruck (und mit Recht) festgestellt, "daß Geschichte.

Bericht der Nord-Süd-Kommission: Das Überleben sichern

In England ist er zum Bestseller geworden, hat die Bevölkerung alarmiert und die Regierung beunruhigt. In der Bundesrepublik ist er weitgehend unbekannt geblieben, in den Buchhandlungen stoßen Kaufwünsche auf bedauerndes Achselzucken, auf Lager liegt das Gesuchte seiten.

Auflösung, nicht Zerstörung

Zu dem sehr gut resumierenden Artikel von Kurt Sontheimer "War Weimar noch zu retten?" (Die Zeit Nr. 26, 19. 6. 1981) erlaube ich mir den Hinweis, daß mein Buch von 1955 nicht die "Zerstörung", sondern die "Auflösung der Weimarer Republik" heißt (es liegt inzwischen in der 6.

Wenn du den Frieden willst...

Wenn ich von mir selber in der dritten Person spreche und mich L. nenne, so versuche ich damit zu objektivieren: So wie mir erging und ergeht es vielen, die in Hitlers Reich Kinder waren, die als halbe Kinder sechs Jahre Krieg überlebten, die nach dem Krieg einen erstaunlichen Aufstieg jedes ihrer beiden Deutschlands zum ökonomisch wie militärisch stärksten Partner ihrer jeweiligen Großmacht in Ost und West mitbewirkt haben und die sich heute sorgenvoll fragen, ob die Welt, die sie ihren Kindern hinterlassen und die gewiß nicht die beste ist, doch wenigstens frei nach Leibniz die beste aller möglichen Welten genannt werden kann – wobei unterstellt wird: bessere Welten sind zwar denkbar, aber nicht existenzfähig.

Aus Gegnern werden Jünger

Noch vor einigen Tagen war alles noch Rhetorik und gute Absicht. Aber nun hat der von Ronald Reagan propagierte Kurswechsel der amerikanischen Wirtschaftspolitik tatsächlich begonnen.

Ruin durch Reagans Roßkur?

Die zweite Garnitur war gerade gut genug. Nicht Finanzminister Donald Regan vertrat die Vereinigten Staaten auf der Ministerratskonferenz der OECD, sondern nur sein Vize McNamara kam am 17.

Bonner Kulisse

Was im Bonner Verteidigungsministerium vorgeht, läßt sich eigentlich nur noch als ein Vorgang bezeichnen, der dem Zweck dient, den amtierenden Minister Hans Apel abzuschießen.

Photoindustrie: Aus vor dem Anfang

Es war schön ein merkwürdiges Stück, das da über – die Bühne ging: Hannsheinz Porst, Herr über Deutschlands zweitgrößtes Photo-Versandhaus, der zudem als "Marxist und Millionär" für manche Schlagzeile gesorgt hatte, wollte zeigen, daß er noch mehr kann – und übernahm Anfang April den traditionsreichen, aber seit Jahren verlustgeplagten Kamerahersteller Rollei.

Europäische Gemeinschaft: Das Gesellenstück des Gaston Thorn

Gaston Thorn war mit sich zufrieden. Als der Präsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaft (EG) am vergangenen Mittwoch im Konferenzzentrum auf dem Luxemburger Kirchberg vor die Presse trat, war ihm ein Gefühl der Erleichterung und ein Anflug von Stolz anzumerken.

Pressefreiheit: Auf Schweizer Art

Der Berg kreißte und – gebar ein Mäuslein. Nach eineinhalbjähriger Fleißarbeit hat die eidgenössische Kartellkommission vergangene Woche zwar einen beeindruckenden Bericht vorgelegt, auf verbindliche Empfehlungen oder Verhaltensrichtlinien allerdings einmal mehr verzichtet.

Frankreich: Stürzen die windigen Brüder?

Wenn man die Franzosen nach Bilderbuchkapitalisten der Gegenwart fragt, dann fallen ihnen meist die Brüder Willot ein. Bernard, Jean-Pierre, Antoine und Régis Willot sind selbst schuld daran, daß sie den Ruf der hemdsärmeligen Industriellen von gestern nicht loswerden.

Börsen-Report: Sechs erfreuliche Monate

Der Aktienindex der Commerzbank ist im ersten Halbjahr 1981 um etwas mehr als acht Prozent gestiegen. Wenn nicht alles täuscht, stehen dem deutschen Aktienmarkt noch weitere erfreuliche Wochen bevor.

Karrieren: Feiner Job für Kracht

Ein smarter Aufsteiger soll der Münchner Privatbank Merck, Finck & Co. mit geschäftlichen Impulsen und frischen Ideen mehr Attraktivität verschaffen.

Entsorgung von Kernkraftwerken: Atommüll in die USA?

Was in der Wiesbadener Staatskanzlei des hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner zunächst nur für ein Gerücht gehalten wurde, verdichtete sich Ende letzter Woche zu einem handfesten Vorgang: die Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen, kurz DWK genannt, plant, sich an einer Wiederaufbereitungsanlage in den Vereinigten Staaten zu beteiligen.

Wiederaufbereitung

Die Gesellschafter sind: Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG (31 Prozent), Nordwestdeutsche Kraftwerke AG (11 Prozent), Preußische Elektricitäts AG (11 Prozent), Bayernwerk AG (10 Prozent), Hamburgische Elektrizitäts-Werke AG (8 Prozent), Badenwerk AG (7 Prozent), Energie-Versorgung Schwaben AG (7 Prozent), Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (7 Prozent), Neckarwerke Elektrizitätsversorgungs-AG (3 Prozent), Technische Werke der Stadt Stuttgart AG (2 Prozent), Isar-Amperwerke AG (2 Prozent), Elektromark Kommunales Elektrizitätswerk Mark AG (1 Prozent).

Automarkt: Schlappe für die Japaner

Otto Graf Lambsdorff hätte sich seine Reise nach Tokio sparen können: Die japanischen Autohersteller, die dem deutschen Wirtschaftsminister im fernen Osten Zurückhaltung beim Export ihrer Wagen in die Bundesrepublik versprachen, mußten schon im Mai einen deutlichen Rückgang ihrer Verkäufe hinnehmen.

Manager und Märkte

Mitglied des mächtigen Werbe- und Medienclubs ZAW (Zentralausschuß der Werbewirtschaft) sind sie nun zwar seit einem Jahr. Doch an der so begehrten Auflagenkontrolle durch die Schwestergesellschaft IVW dürfen die im Verleger-Verband Deutscher Anzeigenblätter (VVDA) organisierten Gratisblätter noch immer nicht teilnehmen.

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