DIE ZEIT

"Mit der Stärke prahlet nicht"

Wenn er Frieden predigen will, skandiert Leonid Breschnjew Lyrik. In seiner vielzitierten Rede von Tiflis, zum 60. Geburtstag der Sowjetrepublik Georgien, beschwor er im Frühjahr den mittelalterlichen Dichterfürsten dieser traditionsreichen Kulturnation: "Der große Rustaweli sagte vor mehr als acht Jahrhunderten: Zum Vernichten großer Haine kann ein Funke nur genügen.

Bald wird es ernst

Auf nichts, so hat es in diesen Tagen wieder einmal den Anschein, ist so wenig Verlaß wie auf Statistiken und Prognosen: Sie verwirren oft mehr, als daß sie belehren – gerade die Angaben über wirtschaftliche Entwicklung.

Saurer Wald

Die Wissenschaft warnt schon seit mehreren Jahren, nun ist auch die Politik aufmerksam geworden: Rund 80 000 Hektar Nadelwald im Süden der Bundesrepublik, so gab das Bonner Landwirtschaftsministerium bekannt, sind durch den sogenannten "sauren Regen" bereits geschädigt.

Keine Büttel

Nach den jüngsten Straßenkrawallen in West-Berlin erschien die Staatsschutz-Polizei mit – richterlichen Durchsuchungsbefehlen in den Redaktionsräumen des Zweiten Deutschen Fernsehens und des Senders Freies Berlin.

Aura dahin

Alle paar Jahre wieder rückt Wimbledon, das Bayreuth des Tennisspiels, vom Sportteil auf die erste Seite. Dann nämlich, wenn dort schreckliche Dinge geschehen, die in der übrigen Welt schon lange zum guten Ton gehören.

Worte der Woche

"Wenn Herr Brandt von einer Null-Option spricht in dem Sinne, daß die Sowjets ihre installierten Mittelstreckenraketen demontieren, zerstören, den ursprünglichen Zustand wiederherstellen, dann glaube ich, daß bei ihm Wunschtraum und Phantasie seinen Verstand verdrängt haben, daß Helmut Schmidt demgegenüber wenigstens einen etwas größeren Wirklichkeitssinn aufweist.

Berliner Innensenator: Entschieden für Gesetz und Ordnung

Als Heinrich Lummer am 11. Juni zum Bürgermeister und Innensenator von Berlin gewählt wurde, nannte der Abgeordnete Rabatsch von der Alternativen Liste dies eine "Kriegserklärung auch gegen die Hausbesetzer", und selbst moderatere Beobachter witterten darin eine Konzession Richard von Weizsäckers an den rechtskonservativen Flügel der Berliner CDU.

Zeitspiegel

Als im Oktober 1980 zwei israelische Wissenschaftler bei der Nuclear Regulatory Comission (NRC) in Washington vorsprachen und sich erkundigten, welchen Schaden eine konventionelle Bombe an einem Atomreaktor anrichten könnte, wurden sie routinemäßig informiert.

Der ungeliebte Nachbar

Bonn ist noch einmal davongekommen: Zur deutsch-französischen Konsultation erscheinen die Franzosen am Wochenende in kleiner Besetzung – ohne einen der vier kommunistischen Minister.

Kohl und Korber: Zwei deutsche Schicksale

Die Übereinkünfte, die ihre Namen zum ersten Male bekannt machten, waren dürftig in den Ergebnissen, umstritten in der Tendenz, dazu kurzlebig und mit fast grotesker Sorgfalt an umständliche rechtliche Klauseln gebunden.

Großbritanniens Verteidigung: Abkehr vom Perfektionismus

Noch ist es zu früh, die Wirkungen des veränderten Verteidigungskonzeptes abzuschätzen. Aber das britische Beispiel enthält schon jetzt wichtige Lehren, wie zu Zeiten stagnierenden Wirtschaftswachstums angemessene Verteidigung möglich bleiben soll.

Ein asiatischer Libanon

Noch ehe die Kambodscha-Konferenz begonnen hat, ist Prinz Norodom Sihanuk schon von ihrem Scheitern überzeugt. "Sie werden das Problem auf dem Papier lösen", meinte der ehemalige kambodschanische Staats- und Regierungschef, "aber eine Verurteilung Vietnams wird niemanden dienen".

Israel: An Begin führt kein Weg vorbei

Begin hat in der Knesset nur eine Mehrheit von einer Stimme. Sein größter Triumph: Nach den letzten Berechnungen – das offizielle Wahlergebnis wird erst Ende dieser Woche bekanntgegeben – hat der Likud die oppositionelle Arbeiterpartei unter Shimon Peres mit einem Mandat überflügelt (48 zu 47 Sitze).

CDU: Biedenkopf gewinnt an Boden

Vier Jahre, nachdem er sich an die Spitze der westfälischen CDU gesetzt hat, scheinen Kurt Biedenkopf und sein Landesverband miteinander im reinen zu sein.

Polens neuer Primas

Wenn es nur nach seiner privaten Neigung gegangen wäre, hätte Johannes Paul II. einen anderen Nachfolger für Kardinal Wyszynski bestimmt.

Viola vor der Bewährung

Die Witwe Pérons will Argentinien so rasch wie möglich verlassen. Zwar ist sie wegen Mißbrauchs von öffentlichen Geldern und Veruntreuung verurteilt worden, aber die Strafe gilt durch die (komfortable) Untersuchungshaft als abgegolten.

DDR: "Kurzer Prozeß"

In der DDR wurde nach Kriegsende mit tatsächlichen oder vermeintlichen Kriegs- und Naziverbrechern im wahrsten Sinne des Wortes kurzer Prozeß gemacht: Gleich nach dem Kriege wurden etwa 150 000 Menschen in den ehemaligen Konzentrationslagern des Dritten Reiches interniert.

Nachkriegsgeschichte: Niemand wollte die Teilung

Du Problem der deutschen Einheit, die "nationale Frage", ist heute so lebendig wie eh und je. Das dürfte nach der jungsten Wiederaufnahme der öffentlichen Diskussion in West und Ost schwer zu bestreiten sein, Es läßt sich daher vermuten, daß auch die Debatte über die Entstehung der deutschen Teilung Wiederaufleben wird.

In unseren Nachbarländern, in Frankreich und Holland, in den skandinavischen Ländern und in Großbritannien, ist Unterhaltung eine anerkannte Kunst, und Showstars sind dort respektierte Künstler. Anders bei uns: Der Bundesbürger gibt ungern zu, wenn ihm die Fernsehshow gestern abend gefallen hat.: Inseln der Phantasie

Über Unterhaltung zu diskutieren ist nicht halb so unterhaltsam wie der Gegenstand der Debatte. Über Unterhaltung zu diskutieren ist gleichwohl wichtig, besonders in Deutschland, einem Land, dessen Unterhaltungsszene unterentwickelt ist.

Einig im Kassieren

Bitter beklagte der Abgeordnete Günter Müller vor dem Plenum des Bundestages: "Der berufsmäßige Stadtrat in München, der für die Müllabfuhr als Leiter zuständig ist, bekommt mehr Geld als ein Bundestagsabgeordneter.

Fernwärme: Konsens herbeiführen

In Bonn stellte Forschungsminister Andreas von Bülow eine von ihm geförderte Vorstudie vor, in der die Nutzung der Fernwärme im Industrie- wie bevölkerungsreichen Revier an Rhein und Ruhr zum Gebot der Stunde erhoben wird.

Gold: Für Kleinsparer?

Gegenwärtig sinkt der Goldpreis so rasant, daß alle Sparer aufatmen, die ihr Geld in festverzinsliche Papiere gesteckt haben.

Bonner Kulisse

Die Stille der parlamentarischen Sommerferien wird in den zuständigen Bonner Ministerien unter anderem dazu genutzt, Sparvorschläge zu sammeln und den jeweiligen Ministern vorzulegen.

Benzinpreise: Multi-Verluste

Die Ruhe überrascht. Da erhöhen die Ölkonzerne zum sechstenmal in diesem Jahr den Benzinpreis, aber außer einigen notorisch aufgeregten Zeitungskommentatoren erhebt kaum jemand öffentlich Widerspruch.

Frankreich: Bilanz der mageren Hoffnung

Frankreich fährt in Ferien. In der letzten Woche haben die Schulen ihre Pforten geschlossen, auf den Straßen zum Mittelmeer und zum Atlantik gehören kilometerlange Staus wieder zum Alltag.

Ohne Tricks in Rente

Döding: Wir haben entsprechend unserer Konzeption für die besonders belasteten Gruppen in der Arbeitswelt ein Mehr an Entlastung vereinbart.

Manager und Märkte

Karlheinz Kaske, seit Anfang des Jahres Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, wollte Zuversicht demonstrieren: Der neue Chef hat die "feste Hoffnung", daß sein Unternehmen den Verlust in der defizitären Sparte Datenverarbeitung in diesem Geschäftsjahr auf einen "zweistelligen Millionenbetrag" herunterdrücken kann.

Zeitraffer

Obgleich der Sommer kaum begonnen hat, ist der Sommerschlußverkauf schon in vollem Gange. Die Preise für leichte Kleidung und Einzelstücke sind erheblich herabgesetzt.

Die vertuschte Teuerung

Die ersten Signale kommen stets aus der Provinz. Noch ehe ein Monat ganz zu Ende gegangen ist, melden einzelne Bundesländer, wie sich bei ihnen die Preise entwickelt haben.

Triumph-Adler: Der verpatzte Wechsel

Am Mittwoch letzter Woche schien die Sache perfekt: Friedrich Thomée, Finanzchef des Volkswagenwerkes und Aufsichtsratsvorsitzender der VW-Tochtergesellschaft Triumph-Adler in Nürnberg, hatte einen Nachfolger für den langjährigen TA-Chef Gerd E.

Italien: Nur ein Kunststück rettet Rom

Einen eigenen Beitrag zur Rettung der italienischen Währung hat Kunstweltmeister Joseph Beuys angekündigt: Er will alle italienischen Geldscheine signieren, die ihm unter die Hand kommen, Beuys erwartet, daß die Empfänger solcher Banknoten seine Originalsignatur höher schätzen als das aufgedruckte Faksimile des römischen Notenbankchefs und deshalb die Scheine für sich behalten werden.

Vatikan: Gesündigt im Namen der Kirche

Der Papst mußte geahnt haben, daß Verderben über die weltlichen Finanzberater des Heiligen Stuhls kommen würde. Denn gleich nach seinem Amtsantritt hatte er es für dringlich befunden, die vatikanische Finanzverwaltung einer gründlichen Erneuerung zu unterziehen.

Längster Schulstreik beendet

Mit dem Beginn der Sommerferien endete der bislang längste Schulstreik in der Bundesrepublik. Aus Protest gegen die Entlassung ihres Lehrers waren die Schüler der vierten Grundschulklasse im nordhessischen Eschenstruth mehr als sechs Wochen nicht zur Schule gekommen.

+ Weitere Artikel anzeigen