DIE ZEIT

Kania in der Zwickmühle

Draußen vor der Tür des Warschauer Kongreßsaales wartet ein Volk, schwankend zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Elf Monate nach seinem Aufbruch in eine neue Zukunft ist es von banger Sorge erfüllt, daß diese doch voll alter Vergangenheit stecken könnte, "Vielleicht zu viel" erwarte man von diesem Parteitag der polnischen Kommunisten, sagte Stanislaw Kania gleich zu Beginn mit der spröden Ehrlichkeit eines Konkursverwalters, der freilich weiß, welche Chancen zu nutzen sind, solange die Gläubiger, die politischen und die wirtschaftlichen, noch stillhalten.

Gefahr von rechts

Fast zehn Tage lang hat Willy Brandts Moskaureise in Bonn die Gemüter in Wallung gehalten. In der Saure-Gurken-Zeit gab das Thema trefflichen Anlaß zu parteipolitischer Polemik (Strauß: "Wunschtraum und Phantasie haben Brandts Verstand verdrängt"), zu genüßlicher Ausschlachtung in der Presse (Die Welt: "Zweimal SPD"; Frankfurter Allgemeine: "Woher kommt die Friedensverstiegenheit?"), zu publizistischem Voltigieren (Rudolf Augstein: Sein Kirchentagsauftritt habe "des Kanzlers Kompetenz und Autorität angenagt").

Ottawa – Gipfel der Hoffnung?

Schöben sie doch die Tagesordnung beiseite, die sieben Staats- und Regierungschefs aus den wichtigsten Industrieländern, die sich vom Sonntag an in Ottawa zum siebten Weltwirtschaftsgipfel treffen.

Zeitspiegel

Jean Mayland, Ehefrau des Vikars von Ecclesfield, fordert in England mehr Frauen auf die Kanzel. Sie glaubt, so männliche Kirchgänger werben zu können.

Worte der Woche

"Wenn wir das Land weiterhin so erschüttern, werden wir überhaupt nichts erreichen. Das Wichtigste ist, daß wir uns nicht selbst bekämpfen.

Zurück zum Kalten Krieg?

John Foster Dulles ist wieder springlebendig – im Weißen Haus. Wiederum hören wir seine leidenschaftliche Klage, daß die Sowjetunion der Antichrist sei, der die Zivilisation mit einer verderblichen Doktrin bedrohe.

Hochschulbau-Finanzierung: Der Länderschreck

Wer auf Spannung aus ist, kann sich nicht beklagen. Zum Ausklang der parlamentarischen Arbeitsperiode haben die Politiker aus Bund und Ländern jedenfalls nochmals demonstriert, was sie der Gewalten-Mechanik des politischen Systems in der Bundesrepublik an Überraschungen abzuverlangen imstande sind.

Spar-Zwang

Nun ist es soweit! Wir haben es geschafft! Und uns geschieht ganz recht! Genießt den Sommer, der Herbst wird fürchterlich! Zumindest heiß.

"Wir arbeiten so lange, wie es sinnvoll erscheint."

Rantzau: Diese Konferenz findet zu einer Zeit statt, da die politische Großwetterlage im argen liegt. Zum anderen hat diese Konferenz sich eine Reihe von sehr ehrgeizigen Zielen gesetzt.

Vertrauen zu Mitterrands Mannschaft

Bonn und Paris trugen nach der 38. deutsch-französischen Konsultation Zufriedenheit zur Schau. Bundeskanzler Helmut Schmidt und Staatspräsident François Mitterrand hatten schneller als erwartet eine gemeinsame Basis gefunden; auch die Fachminister waren von der Atmosphäre und dem Sachgehalt der Gespräche angetan.

Terror oder Happening?

Ein bunt gemischter Haufen war das, der sich in Berlin zu einem "friedlichen Sonntagsspaziergang" getroffen hatte: junge Männer in Jeans, Mütter mit Kleinkindern, linke Intellektuelle und Arbeitslose, Punks mit buntgefärbten Haaren, knüppelbewehrte Chaoten.

Spanien: Vor der Kraftprobe

Der 23. Februar ist für die spanische Demokratie ein Alptraum geworden. Hinter dem Überfall auf das Madrider Parlament wurde rasch ein ausgeklügeltes Militärkomplott sichtbar.

Bissingers unverhofftes Angebot

Stolz meldete sich der Geschobene zu Wort. Manfred Bissinger, unter Hans-Ulrich Klose Hamburger Pressesprecher, ließ Bürgermeister Dohnanyi wissen, er stehe in seiner alten Funktion wieder zur Verfügung.

Israel: Druck der Orthodoxen

Damit war gerechnet worden. Zwar haben die beiden großen Parteien, der Likud und der oppositionelle Maarach, je 48 Mandate bekommen, aber Begin konnte sich sofort nach der Wahl der insgesamt 17 Mandate der drei religiösen Parteien versichern (von der NRP, von Agudat Israel und der Tami-Liste).

Schlacht in England

Liverpools Upper Parliament Street war einst ein geziegeltes Denkmal des viktorianischen Englands. Es war ein überdimensionierter Boulevard, eingerahmt von verschnörkelt-klassizistischen Fassaden, die alles symbolisierten, was dem britischen Bürgertum heilig war: Wohlstand, Ordnung, Optimismus.

Jugend – eine Lücke im Leben

Was ist los in England? Wie kommt es, daß eine der gewaltlosesten Gesellschaften der Welt plötzlich Orgien der Gewalt erlebt? Brixton, Southall, Liverpool Toxteth, Wood Green – und das alles ist offenbar nur der Anfang.

Skinheads und Punks – "Oi, oi, oi"

Ihre Haare sind drei Millimeter kurz geschoren und ihre Schnürstiefel mit Stahlkappen und Nägeln verstärkt. Sie tragen weiße oder schwarze Hemden und ihre weiten Blue Jeans hängen an schmalen, roten Hosenträgern.

Chemische Keule: Keine Skrupel

Sie waren alle so wahnsinnig menschlich: Ein Minister, ein Ex-Minister, ein Dutzend Abgeordneter, ein Pulk Journalisten und eine Gruppe hoher Polizeibeamter griffen ungeniert zum Taschentuch, rieben sich die Augen, hüstelten und ließen den Tränen ihren Lauf.

Kieler Prozesse: Symbolische Strafen

Wie es der Zufall so wollte: Es war beide Male der Sitzungssaal 212 im Kieler Landgericht. Beide Male, ging es, ein Tag nach dem anderen, um den Mord an den Juden, "Endlösung" genannt.

Landesgartenschau: Rote Zahlen

Fröhlich, heiter und unvergeßlich" sollten die 199 Tage Landesgartenschau Baden-Württemberg in die Geschichte der Stadt Baden-Baden eingehen.

Presse: Wupper...Nachrichten

Ein schlimmes Jahr wird 1981 für die nordrhein-westfälische Presselandschaft. Sechs Lokalausgaben einiger regionaler Tageszeitungen sind seit Januar aus dem ohnehin schon arg gelichteten Blätterwald verschwunden.

Ehrungen: Wir haben die Mehrheit

Das Zimmer ist klein, riecht muffig, die rustikale Einrichtung strahlt mäßige Gemütlichkeit aus. Der Blick aus dem Zimmer allerdings würde jeden München-Touristen in sprachlose Begeisterung versetzen: vorn der Marienplatz mit dem Rathaus, dahinter die Spitzen des Doms, und das alles aus souveräner Hohe – ein Super-Motiv.

Nationalcharakter: Die wurzellosen Amerikaner

Man sollte annehmen, der Begriff "Nationalcharakter" geriete uns nicht mehr so rasch auf die Lippen oder in die Feder, doch dies mag, wie vieles andere, eine fromme Illusion gewesen sein.

Die Affäre Timerman

Wie hält es US-Präsident Ronald Reagan mit Menschenrechtsverletzungen südamerikanischer Militär-Juntas?

Hans Matthöfers Traum

Mit Milliardengewinnen der Bundesbank möchte der Finanzminister Löcher im Haushalt stopfen

Kreditgewerbe: Alarm für Landesbanken

Am 31. Juli 1981 räumt Johannes Völling, der Vorstandsvorsitzende der Westdeutschen Landesbank (WestLB), den Chefsessel. Krach zwischen Eigentümern und Spitzenmännern der Landesbanken ist kein Zufall.

Sparprogramm: Kein Zunder für Sankt Florian

Was die Wirtschaftsprofessoren, gemeinhin auch die "Fünf Weisen" genannt, ohne viel Publizität versuchten, wird zur Zeit in allen Medien geboten: die Ballade vom heiligen Sankt Florian, der doch bitte das eigene Haus verschonen möge und dafür ein anderes anzünden soll.

Inflation: Der Primus schreibt Sechsen

Seit März dieses Jahres schreibt der ehemalige Musterschüler fast nur noch Sechser. Die Schweiz, bislang berühmt als "Stabilitäts-Wunderland", ist drauf und dran, ihr Renommee einzubüßen, das sie sich mit der sensationellen Inflationsrate von einmal einem Prozent erworben hat.

Bonner Kulisse

Im Bonner Forschungsministerium wird so getan, als seien die jüngsten Spekulationen über eine bevorstehende Umorganisation im Ministerium nichts weiter als dumme Gerüchte von außen, bestenfalls Wunschdenken mißgünstiger Neider.

Frankreich: Glaube statt Vernunft

Nach der Regierungserklärung des französischen Premierministers Pierre Mauroy sind keine Zweifel mehr erlaubt: Paris wird die im Wahlkampf angekündigte Verstaatlichungspolitik in die Tat umsetzen.

Konzentration: Reagan gibt seinen Segen

Fast sieht es so aus, als erfülle sich die Vision des Spaßmachers Art Buchwald: daß es eines Tages in den USA nur noch die "Samson Company" und die "Delilah Corporation" geben werde – deren Fusion zu guter Letzt vom US-Justizministerium gutgeheißen wird, weil "die Vorteile für die Allgemeinheit die Nachteile bei weitem überwiegen".

Die Angst der Multis vor dem Öl

Noch kein Pressegespräch hat mich emotional so bewegt wie dieses", gestand Hellmuth Buddenberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen BP.

Arbeitsmarkt: Die falsche Sparsamkeit

Wenn Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, am Monatsanfang die neuesten Arbeitslosenzahlen verkündet, reagieren Politiker aller Parteien seit Jahren mit sorgenvollen Kommentaren.

Börsen-Report: Kein Sommerloch

Auf den deutschen Aktienmärkten gab es in den letzten Tagen zwar stark schwankende Umsätze. Von einer "Sauregurkenzeit" kann jedoch bisher keine Rede sein.

Kursbarometer: Rentenfonds im Minus

Das "große Geld" war für die deutschen Investment-Fonds im Ausland zu verdienen. Manager, die es verstanden, erfolgreich an der New Yorker Börse oder in Tokio zu operieren, brachten bei einzelnen Fonds im ersten Halbjahr 1981 Wertsteigerungen von annähernd 20 Prozent zustande.

Löwenbräu: Der Trick mit der Stadtgrenze

Münchner Bier darf nur innerhalb der Grenzen der bayrischen Hauptstadt gebraut werden. Kein Grund für Löwenbräu, Pläne für eine Braustätte im Grünen gleich zu verwerfen: Die Brauer möchten die Stadtgrenzen einfach verschieben.

Manager und Märkte

Unternehmensführer halten sich gemeinhin viel darauf zugute, daß sie ihr Haus gut bestellt haben. Für den Fall der Fälle sei, so wird immer wieder versichert, vorgesorgt; für den Vertreter, der sofort an die Stelle des Top-Managers treten kann, hat sich sogar ein besonderer Terminus eingebürgert: "Der Ziegelsteinmann" übernimmt die Geschäfte, "wenn dem Ersten ein Ziegelstein auf den Kopf fällt".

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