Berlin stöhnt unter einer neuen Asylantenschwemme. Täglich treffen 120 bis 150 Emigranten ein; derzeit werden mehr Anträge gestellt, als die Ausländerbehörde bearbeiten kann. Deren Unterbringungsmöglichkeiten sind längst erschöpft. Viele Asylanten werden notdürftig in Schulen untergebracht; andere schlafen im Bahnhof Zoo oder verbringen die Nacht vor der Ausländerbehörde.

Die meisten Asylanten kommen aus Sri Lanka, dem ehemaligen Ceylon. Anfang der Woche waren es allein 600 Tamilen. Das sind Angehörige einer ethnischen Minderheit, die angeblich von der Majorität – den Singhalesen – unterdrückt wird, seitdem Sri Lanka 1948 unabhängig wurde. In den letzten Wochen sollen sie wieder Opfer einer Gewaltorgie geworden sein. Deshalb seien Tausende Tamilen ins Ausland geflohen.

Die Behörden haben weder Beweise noch Gegenbeweise. Allerdings paßt nicht ins Bild, daß einige Dutzend Tamilen sich inzwischen wieder nach Sri Lanka zurückfliegen ließen.

Offenbar werden die Asylanten von organisierten Schleppern mit großartigen Versprechungen über die Zukunft in der Bundesrepublik angeworben. Sie kommen dann auf komplizierten Umwegen auf dem Ost-Berliner Flughafen Schönefeld an. Schon dort füllen sie mit Hilfe West-Berliner Rechtsanwälte Asylanträge aus und fahren mit der S- oder U-Bahn nach West-Berlin. Für jeden einzelnen Transfer kassieren die Schlepper, so wird vermutet, rund 2500 Mark. J. W.