Mit Einschränkung hervorragend

Wolfgang Amadeus Mozart: "Die Zauberflöte". Bei den Salzburger Festspielen 1978 war die von Jean-Pierre Ponnelle inszenierte "Zauberflöte" ein so fröhliches wie theatralisches, so phantasievolles wie unangestrengtes Opernmärchen, und so wird sie auch dieses Jahr wieder auf der Bühne der Felsenreitschule wirken. Auf der Schallplatte aber wurde den teilweise sogar ins Salzburgische übertragenen, in Pathos wie Heiterkeit, in Leid wie Menschenfreundlichkeit stets ins expressive Extrem verfallenden Dialogen nicht nur Gewalt angetan – sie überdecken sogar in ihrer gestreckten Form die musikalischen Qualitäten. Wer sich etwa einmal an dem Pseudo-Volkston des Papageno stößt, ist auch nicht mehr bereit, die manchmal arg unsaubere Intonation von Christian Boesch hinzunehmen. Tamino (Eric Tappy) als kraftvoller Held – das läuft nicht immer konform mit seinen feinsinnigen Zweifeln oder einer tiefempfundenen Innerlichkeit. Dennoch: die hohen musikalischen Ansprüche einer Festival-Aufführung werden auf dieser (durch Digital-Technik sehr sauberen) Aufnahme zu einer Muster-Einspielung hochgezogen. James Levine macht mit raschen Tempi und einem hervorragend ausgewogenen Orchesterklang, auch mit deutlichen Struktur-Akzenten seinen Anspruch als Mozart-Dirigent glaubhaft geltend. Fazit: eine Kassette eher für die Nicht-Salzburg-Besucher. (RCA RI 03728,4 LP)

Heinz Josef Herbort

Hörenswert

Duo Z: "Ganz anders". Was ganz anders ist, sagt unter diesem Titel gleich das erste Lied: "Wagen stehn im Wald am Lagerfeuer. Frauen laufen in bunten Röcken rum. Dunkle Männer singen zur Gitarre, und Kinder tanzen um das Feuer rum"? Ganz anders: "Heute fliegst du aus den Wäldern raus. Dafür stellt man dich neben einen Müllplatz... das Feuer kriegste höchstens von Behörden .. Das Hamburger Duo Z, das dieses Lied singt und auf Gitarren spielt, sind Rudko Kawczynski vom Stamm der Romm und der Sinto Tornado Rosenberg. Sie haben sich bei einer Kundgebung im ehemaligen KZ Bergen-Belsen kennengelernt und musizieren seitdem zusammen, und zwar: deutsche Zigeunerlieder. Sie machen nicht den allseits so populären Zigeunerjazz, sondern treten als Liedermacher auf und erinnern dabei ausdrücklich an ihre Herkunft: Was sie spielen, ist Zigeunermusik, und das, wovon sie singen, sind die bitteren Erfahrungen, die Zigeuner unter uns machen, in einer Welt, die sie verachtet, hochmütig duldet, prügelt, beschießt oder abschiebt. So finden sich unter den dreizehn Liedern Anklagen, Satiren und Gedichte mit bitterem Kern, gefaßt in resolute oder poetische Klänge. Die Sympathie, die man für das Duo Z (und seine vier zurückhaltenden Mitspieler) empfindet, ist nicht zuletzt der Art ihres Auftretens zuzuschreiben: Sie tragen nicht auf. (Verlagpläne 88 257) Manfred Sack