DIE ZEIT

Fleisch für Kohle?

Nun ist die politische Erneuerung Polens durch den Parteikongreß festgeschrieben worden. Alle Errungenschaften – die freien Gewerkschaften, das total veränderte Parteistatut, das System geheimer Wahlen und der hohe Grad an Demokratisierung – sind in Anwesenheit der Delegationen aus der Sowjetunion und den Nachbarstaaten bestätigt worden.

Neue Stufe

Eins bedeutet der Parteiausschluß des SPD-Abgeordneten Hansen, den der SPD-Bezirk Niederrhein beschlossen hat, gewiß nicht: das Ende des strapaziösen Kleinkriegs in der SPD, der sich mit seinem Namen verbindet.

Bomben statt Politik

Die Welt hatte sich schon daran gewöhnt – an den friedlichen Zustand zwischen Ägypten und Israel, an die Zerrissenheit des Libanon, auch an die gelegentlichen Grenzscharmützel zwischen Palästinensern und Israelis im Norden.

Die Verhältnisse, sie sind nicht so

Führt die Politik Margaret Thatchers zu Straßenschlachten? Das wäre wohl eine Übertreibung. Unruhen hat es auch in Zürich und andernorts gegeben.

Zeitspiegel

Was sich im Lauf des Jahres gelegentlich schon angedeutet hat, soll jetzt zur festen Praxis werden: Bonn will fortan auch bei Staatsempfängen sparen.

Worte der Woche

"Wir wollen nicht auf Kosten unserer Kinder und Enkelkinder leben. Deshalb sind jetzt weitgehende Maßnahmen erforderlich, und diese für den Haushalt 1982.

Das halbfertige Kunsthandwerk

Ein diplomatisches Kunstwerk sollte es werden, ein Sonntag politischer Verträglichkeit jener sieben westlichen Herrscher, die das frankophone Kanada "les leaders" nennt.

Helmut Schmidt wieder auf der Brücke

Helmut Schmidt genoß den Augenblick. Zweitausend Kanadier klatschten stehend Beifall, als er mit Frau Loki im National Art Center von Ottawa die Proszeniumsloge betrat, um sich Benjamin Brittens "Sommernachtstraum" anzusehen.

"Auswanderer auf Pump"

Die Sachbearbeiterin im Lager Friedland verliert den Gleichmut. "Da mußt du dich eben durchboxen!" schreit sie über die Phalanx der Bittsteller hinweg, die vor ihrem Büro Schlange stehen.

Wolfgang Ebert: Anti-Anti-amerikanismus

Uns allen ist der Anti-Antiamerikanismus Herzenssache. Aber der Kampf gegen den Antiamerikanismus hat seine Tücken. Manche unter uns, die im Verdacht antiamerikanischer Gefühle stehen, scheinen nämlich gar nichts gegen Amerika oder gar gegen Amerikaner zu haben, sondern nur etwas gegen noch mehr amerikanische Raketen auf deutschem Boden.

"Das sind ehrliche Leute"

Wenn alles in Polen auf Erneuerung drängt, warum sollte diese Bewegung ausgerechnet vor seiner Kirche haltmachen? Ein neuer Primas, mehr all ein Vierteljahrhundert jünger als sein Vorgänger, ist in den erzbischöflichen Palast in der warschauer Miodowa-Straße eingezogen.

Parteitag in Warschau: Die Angst vor der nächsten Krise

So hemmungslos ist auf dem Kongreß einer kommunistischen Partei noch nie diskutiert worden. "Nur Taten zählen", gestand Stanislaw Kania am Ende vor den übermüdeten Delegierten und ließ gleich nach der "Internationale" die Nationalhymne anstimmen.

Vietnam soll seine Truppen aus Kambodscha abziehen und freie Wahlen zulassen. Das haben 93 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen diese Woche empfohlen. Jürgen Horlemann, Gründungsmitglied der inzwischen aufgelösten KPD, war im thailändischen Grenzgebiet der "Roten Khmer", die sich dort seit der vietnamesischen Invasion von 1979 behaupten.: Von Pol Pot reden sie nicht

Thailändische Freunde hatten mir die Warnung mit auf den Weg gegeben, daß vietnamesische Truppen, eine "mopping-up"-Operation im Dreieck Aranyaprathet-Sisophon-Battambang begonnen hätten, um die dort in Kambodscha neu errichteten Dörfer der "Roten Khmer" zu vernichten.

"Nato-Europa" – wo liegt denn der neue Kontinent?

Auf den ersten Blick nimmt sich das Wort ganz harmlos aus. "Zusätzlich zu der genannten Zahl der gegen Nato-Europa gerichteten SS-20 sind mehr als 30 Raketen in einem geographischen Raum stationiert, von dem sowohl Europa als auch Länder in Mittel/Fernost erreicht werden können.

Berlin: Linie der Vernunft

Die stille Berliner Koalition bewährte sich auch bei der Regierungserklärung von Bürgermeister Weizsäcker. Vier FDP-Abgeordnete stimmten mit der CDU.

Asylantenschwemme in Berlin

Berlin stöhnt unter einer neuen Asylantenschwemme. Täglich treffen 120 bis 150 Emigranten ein; derzeit werden mehr Anträge gestellt, als die Ausländerbehörde bearbeiten kann.

England: Wähleraufstand

Die britische Nachwahlen-Sage hat eine neue Strophe. In Warrington in Lancashire, einer heruntergekommenen Stadt aus den Großtagen der ersten industriellen Revolution, probten die Wähler den Aufstand gegen Regierung und Opposition.

Streichzettel der Steuerzahler

– Stellenstopp: Es dürfen keine neuen Stellen bewilligt werden. Frei werdende Stellen dürfen für die Dauer eines Jahres nicht wieder besetzt werden.

Wohnungsnot: Lieber reden

Erster Akt: Am 4. Juli wird in der Münchner Blutenburgstraße ein Mietshaus besetzt. Die Besetzer sind K-Gruppen, orthodoxe und andere, Initiativler und Alternativler, überwiegend aber unorganisierte junge Leute, die in der Münchner Wohnraumnot aktiv werden.

Zeitungen (I): Majestät beleidigt

München hat wieder einmal seinen Sommerspaß. Während die Nackten aus dem Englischen Garten sich vor. dem kühlen Dauerregen fröstelnd unter Regenschirme flüchteten, wurde es Ministerpräsident Strauß ganz von selbst heiß ums Herz.

Zeitungen (II): Vorurteile abbauen

Drucken Sie Ihr Blatt doch am Bosporus", schimpfte ein deutscher Anrufer ins Telephon des Herausgebers der Frankfurter Zeitung Wir ausländischen Mitbürger.

Behinderte: Kein Wille zum Helfen

Im Zimmer 23? eines modernen Wohnstiftes des Stuttgarter Stadtteils Mönchsfeld lebt die 56jährige Ingeborg Liebewein. Die frühere Photographin hat seit mehr als 20 Jahren Multiple Sklerose, ihr Körper ist der krasse Gegensatt zur Lebendigkeit dessen, was in ihrem Kopf vor sich geht.

Ins Abseits manövriert

Eines der Modelle ist das Job sharing. Auf gut deutsch: Zwei oder mehr Arbeitnehmer teilen sich einen Vollzeitarbeitsplatz. Zwar kann niemand mit Sicherheit die Folgen für den Arbeitsmarkt vorhersagen, doch nach dem alten Sprichwort "Versuch, tut gut", muß man wenigstens die Probe aufs Exempel machen.

Ronald Reagans Renten-Sorgen

Können Sie sich den Ruhestand leisten? betitelte das US-Nachrichtenmagazin Newsweek kürzlich einen Bericht über die amerikanische Altersversorgung.

Arzneimittel: Heilsamer Schock

Eine Untersuchung über Herzmedikamente schreckte die Öffentlichkeit auf. Angeblich sind zwei Drittel der Präparate unwirksam.

WestLB: Vollmundig

Noch vor seinem offiziellen Amtsantritt am 1. September 1981 hat der neue Vorstandsvorsitzende der von Verlusten und Skandalen gebeutelten Westdeutschen Landesbank, Friedel Neuber, seine "Regierungserklärung" abgegeben.

Bonner Kulisse

Wenn von den Verbänden die Rede ist, die sich in der Bundeshauptstadt niedergelassen haben, dann denken viele sogleich an clevere Beeinflussung politischer Entscheidungen, an kühles Nutzendenken oder auch an administrative Erfahrung, deren sich sowohl Parlamentarier als auch Regierungsbeamte und Journalisten oft bedienen.

Kostendämpfung: Ohne Eile

Sechs Jahre ist es nun her, daß die Bundesregierung, mal wieder eine Reform angekündigt hat: Eine Kommission von Arzneimittel-Sachverständigen sollte einberufen werden, um ein wenig Klarheit – "Transparenz" genannt – ins undurchdringliche Gestrüpp von Produkten und Preisen zu bringen.

Sowjetisches Gas: Kein Druckmittel

Das geplante Erdgasgeschäft europäischer: Gasversorgungsunternehmen mit der Sowjetunion kommt nicht so recht voran. Über und Zinsen für die Finanzierung gibt est-bisher keine Einigung.

Fernsehen: Wenn die Piraten Pornos senden

In der Stunde vor Mitternacht wird es auf Amsterdamer Fernsehschirmen gemischt. Da flimmern Pornos und Evergreens aus Hollywood, Werbespots mit Bauchtänzerinnen und singenden Altstadtwirten.

Spaß am Spekulieren

In letzter Zeit wird der Aktienmarkt zunehmend durch Sonderbewegungen geprägt, ein sicheres Zeichen dafür, daß der spekulativ eingestellte Teil der Bankenkundschaft wieder Interesse an der Börse findet, Er ist für Anlagetips ansprechbar.

Energie: Das Wunder ist nicht kostenlos

Die Italiener haben einmal mehr ein technisches Wunder vollbracht. Die meter-.... dicke Rohrleitung zwischen Sizilien und Nordafrika ist so gut wie fertig.

Die teure Baufirma des Josef Schörghuber

Josef Schörghuber, Baulöwe und "Braukönig" in der bayerischen Hauptstadt, hat sich verkalkuliert – und muß jetzt dafür zahlen: Die Baufirma, die er aus drei verschiedenen Unternehmen zusammengebastelt hat, ist fast pleite, die Sanierung wird teuer.

Zeitraffer

Die Sparappelle in Sachen Energie haben spürbar gewirkt: Mit 189 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (SKE) verbrauchten die Bundesbürger bis Ende Juni sechs Prozent weniger an Primärenergie als im ersten Halbjahr 1980.

Manager und Märkte

Egidius Braun, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), fühlt sich falsch verstanden: Da hatte der Finanzminister der Kicker der deutschen presse agentur (dpa) detailliert das DFB-Konzept zur Werbung im Fußball erläutert – und in den Zeitungen fand sich dann lediglich die Meldung "Gelbe Karte für Derwall".

Die Risiken streuen

von Dohnanyi: Der Senat ist der Auffassung, daß es für die Zukunft Hamburgs notwendig ist, die Risiken der Stromversorgung zu streuen.

Vor acht Wochen hatten wir darum gebeten, uns Abiturreden zuzuschicken. Über 250 Reden wurden eingesandt. Die kürzeste von ihnen, gehalten von einer Abiturientin aus Laatzen bei Hannover, umfaßt fünf Sätze: "Ich weiß nicht, ob ich dem ganzen Lehrerkollegium danken soll. Nicht alle Lehrer haben uns geholfen. Auch unter uns Schülern hat es an Solidarität gefehlt. Uns bleibt nur: ablehnen, protestieren, verweigern. Das war’s." Nicht alle Schüler drücken ihr Unbehagen an der Schule so drastisch aus, doch Kritik Und Ablehnung überwiegen. In Reden von Eltern und Lehrern hingegen spürt man eher ein Unbehagen an der leistungsfeindlichen Haltung der Schüler. Es ist unmöglich, aus der großen Zahl der Reden eine auch nur halbwegs faire Auswahl zu treffen. Wir bringen deshalb in dieser Ausgabe der ZEIT Auszüge aus vier Ansprachen, die uns repräsentativ erscheinen. Außerdem drucken wir die Abiturrede ab, die der Schriftsteller Ernst Wiechert als Studienrat in Königsberg im Jahre 1929 gehalten hat. Wiecherts Stimmungsbilder, sein Plädoyer für ein "einfaches Leben", das auch in seinen Werken zum Ausdruck kommt, treffen den Ton vieler Jugendlicher von heute. In der kommenden Ausgabe der ZEIT werden wir dann eine Abiturrede veröffentlichen, die beispielhaft ist für das Bemühen vieler Schüler um Originalität in Form und Inhalt. Danach wird Horst Rumpf, Professor für Pädagogik in Frankfurt, die uns zugeschickten Reden analysieren.: Ein Mensch ist niemals arbeitslos

Ich habe lange und viel nachgedacht, worüber ich heute sprechen soll, denn ich weiß sehr gut, daß es eine schöne Pflicht und etwas Großes ist, noch einmal zu einer jungen Mannschaft zu sprechen, bevor sie darangeht, ihr Leben aufzubauen.

Kompromißlos für die Gesamtschule

Zum Ärger der eigenen Parteibasis hatte sich die CDU-Führung in Nordrhein-Westfalen im Gesamtschulstreit kompromißbereit gezeigt.

+ Weitere Artikel anzeigen