DIE ZEIT

Adolf vom Flohmarkt

Bundesjustizminister Jürgen Schmude hat dem Plan seines Amtsvorgängers Vogel abgeschworen, die Verbreitung. von "echten" – aus der Hitlerzeit stammenden – NS-Schriften bei Strafe zu verbieten.

Wehners Attacke

Herbert Wehner verbreitet stets viel Qualm und Pulverdampf, wenn er Attacke reitet; auch in der jüngsten Epistel an seine Fraktion.

Bonner Streichkonzert: eine Unvollendete

Die selbstgewisse Einschätzung des Kanzlers, er sei mit dem Ergebnis der Bonner Sparbemühungen "sehr zufrieden", ist von einer Welle der Kritik überrollt worden.

Dollar, Gold und Politik

Helmut Schmidt und sein Kabinett ringen sich zu Etatentscheidungen durch, die sie als "Sparprogramm" bezeichnen. Ergebnis an den Devisenmärkten: Der Kurs der deutschen Mark sinkt weiter.

Es brodelt in Polen

Typisch für Polen war während der letzten Jahrzehnte die Dualität von Staat und Kirche, die miteinander realisierten, oft gegeneinander operierten, manchmal miteinander kollaborierten.

Israels Koalitions-Kalamitäten: Jerusalems B.B.

Das ist ein Witz: Fragt der eine, warum es alle vier Jahre Wahlen in Israel geben müsse. Antwortet der andere: Weil die National-Religiösen die Chance nutzen wollen, sich einen Partner zum Regieren aussuchen zu können.

Zeitspiegel

In Ostfriesland läßt es sich offenbar auch für Polizisten gut leben. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Oldenburg hervor: Ein Polizeiwachtmeister ist mit ausdrücklicher Erlaubnis seines Regierungspräsidenten nebenberuflich als Fußbodenverleger tätig – zwanzig Stunden pro Woche.

Zentralismus in Frankreich: "Gemeinden sind unmündig"

Im Foyer des Stadttheaters von Montpellier, einem jener Stuck- und Plüschpaläste, der in jeder besseren französischen Großstadt steht, verkündet Bürgermeister Georges Freche vor der Lokalpresse die Neuigkeit: Das Kultusministerium übernimmt die Kosten für zehn Musiker des regionalen Symphonieorchesters, das damit auf 50 Mitglieder aufgestockt werden kann.

Letzte Woche schilderte unser Korrespondent, wie das Militär durch eine erfolgreiche Sicherheitspolitik das Vertrauen des türkischen Volkes gewonnen hat. Heute zeigt er die Kehrseite der Medaille: soziale Spannungen und enttäuschte Hoffnungen auf eine demokratische Wiedergeburt des Landes: Ruhm allein kann den Hunger nicht stillen

In Ankara und Istanbul klingen dieser Tage erste verhaltene Zweifel an, ob sich die Generäle mit ihrem jüngsten, im Vergleich zu 1960 und 1971 viel tiefer reichenden "Eingriff" nicht übernommen haben, ob die Ziele einer "neuen Infrastruktur für die türkische Gesellschaft" (so ein Stabsoffizier), eines "neuen politischen Systems" (Admiral Biren) mit einer "neuen Generation von Politikern" (Staatschef Evren) nicht zu hoch gesteckt sind.

Soll Abschreckung wirken...

... bedarf es eines Gleichgewichts der Unverwundbarkeit Skeptische Bemerkungen zum Verhandlungsteil des Nato-Doppelbeschlusses

Wolf gang Ebert: Bitte nachsenden

Lieber Herr Wörner, geradezu vorbildlich, wie Sie im Ausland deutsche Interessen wahrnehmen und der Regierung Ihres Landes nicht in den Rücken fallen.

Benzinpreis: Hauffs falsche Ängste

Bundesverkehrsminister Volker Hauff ist besorgt: Bei einem Benzinpreis von 1,80 Mark pro Liter wollen, so ergab eine Umfrage im Auftrag seiner Behörde, zehn Prozent der Autofahrer ihr Urlaubsziel in der näheren Umgebung ihrer Wohnorte suchen, sechs Prozent streichen die Reise ganz; wenn der Liter Sprit gar 3,60 Mark kosten würde, bliebe jeder vierte zu Hause, und nahezu jeder zweite strebte nicht mehr ganz so weit in die Ferne wie bisher.

Protokoll einer entscheidenden Konf erenz: Eine Partei am Scheideweg

Die Konferenz hatte schicksalhafte Bedeutung. Wäre sie im Sinne von Walter Ulbricht, der zusammen mit Wilhelm Pieck die Kommunisten führte, verlaufen, dann gäbe es heute schon längst kein freies Berlin mehr; denn dann hätte es unter der Führung des Sozialdemokraten Ernst Reuter keinen siegreichen Widerstand Berlins gegen die russische Blockade gegeben, weil keine Abstimmung der Sozialdemokraten gegen die Vereinigung mit den Kommunisten möglich gewesen, weil Sozialdemokraten in Berlin nicht mehr vorhanden gewesen wären.

Bücher zum 13. August 1961: Die unmögliche Möglichkeit

Vier Tage vor dem 13. August 1961 – in ihrer Routinesitzung am Mittwochnachmittag – beugten sich Mitglieder des "Berlin-Beobachter-Komitees" der US-Militärregierung in der Vier-Sektoren-Stadt über Geheimberichte und Photos, die ihnen Rätsel aufgaben: Die DDR-Behörden hatten, das war unübersehbar, nicht weit von der Sektorengrenze entfernt im Ostteil der Stadt große Mengen Baumaterial und Stacheldraht gelagert.

Panama: Todessturz

General Omar Torrijos, der als der starke Mann Panamas galt, ist bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Er war der Favorit für die für 1984 anberaumten ersten freien Präsidentenwahlen seit sechzehn Jahren.

Wind, Brennholz, Zugtiere

Während die wichtigsten nichterneuerbaren Energiequellen Kohle, Öl und Gas sowie die Kernkraft nicht zur Debatte stehen, wollen die Delegierten über solche Uralt-Energiequellen wie Brennholz, Wind und tierische Zugkraft diskutieren, aber auch über die weniger wichtigen nichterneuerbaren Bodenschätze wie Ölschiefer, Ölsand und Torf.

Dritte Welt: Gegen Hunger, Furcht und Tod

Alle Außenminister der acht westlichen Industriestaaten und der 14 Entwicklungsländer, die im mexikanischen Badeort Cancun zusammenkamen, verzichteten darauf, ihre Gegensätze in den Vordergrund zu stellen.

Spar-Lektüre für Beamte: Novellen statt Urlaub

Wenn die Bundeshauptstadt trotz ihrer hektischen Sparwoche doch einen Tag früher als vorgesehen stillgelegt worden ist, dann hatte das, nicht zuletzt, mit Helga Schuchardt zu tun.

Das Unbehagen an der Autorität

Die ersten Kinderläden waren gegründet, den Professoren in ihren Talaren war der Respekt aufgekündigt, die erste große Protestbewegung war auf ihrem Höhepunkt.

Rhein-Main-Flughafen: Höfliche Bitte

In der Frankfurter City wird nicht nur Umsatz gemacht, hier wird auch um Seelen gerungen: Im Schatten der Katharinen-Kirche singt und predigt die Heilsarmee, vor der Börse wird zum Protest gegen Tierversuche aufgerufen, und auf der Hauptwache sammeln Jungsozialisten Unterschriften für ein Volksbegehren mit dem Ziel, den Ausbau des Rhein-Main-Flughafens zu verhindern.

Ganz ohne Marx geht die Chose nicht

Ich darf meiner Analyse zum Stand und Weg des Sozialismus in Deutschland – einer notwendigerweise durch Mangel an Platz und Wissen primitiven – ein paar Sätze zum eigenen Weg zur SPD voranschicken.

Bonner Kulisse

Wer immer die Bonner Sparbeschlüsse für unzureichend hält und nach einer Ursache für die nicht eben befriedigende Arbeit von Koalition und Kabinett sucht, könnte in einer Bemerkung von Arbeitsminister Herbert Ehrenberg eine Erklärung finden.

Die Sparpläne von Bonn

Regierungssprecher Kurt Becker hat die Spar- und Steuerbeschlüsse der sozial-liberalen Koalition, die in der vergangenen Woche verabschiedet wurden, "Operation 82" getauft.

Reagans Wirtschaftsprogramm: Kampf der Skorpione

Nur sechs Monate nach seiner Amtseinführung hat Präsident Reagan sein radikales Wirtschaftsprogramm voll durchgesetzt Die Demokraten im Kongreß gingen mit fliegenden Fahnen zu ihm über und stimmten für Steuersenkungen, deren Ausmaß allen Beobachtern den Atem verschlägt.

Großbritannien: Jetzt streiken die Öl-Multis

Schlachtet die britische Regierung die Gans, die die goldenen Eier legt? Diese Befürchtung äußern jedenfalls einige Konzerne, die Öl und Gas aus der Nordsee fördern und mit ihren Steuern die britische Staatskasse füllen.

Schwarze und weiße Ritter

Die drei streitenden Konzerne Du Pont, Seagram und Mobil werfen nicht nur Geld in die Schlacht / Von Jes Rau

Börsen-Report: Immer wieder Zinssorgen

Als am Freitag vergangener Woche das Bundesanleihe-Konsortium die Konditionen für eine neue Bahn-Anleihe fixierte, war den meisten Teilnehmern bereits klar, daß ihre Rendite nicht den tatsächlichen Marktbedingungen entsprach.

Gespräche am Bankschalter: Poker um teure Pakete

Hinter den Kulissen der deutschen Wirtschaft herrscht Bewegung. Es geht um die Neuordnung der Besitzverhältnisse, zum Teil ausgelöst durch die schlechte Ertragslage einiger großer Banken, die sich von Beteiligungen lösen müssen.

Zeitraffer

Selbst Schwarzseher Josef Stingl, Präsident der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit (BfA), war überrascht: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli um elf Prozent auf 1,246 Millionen gestiegen, das heißt: 5,3 Prozent der Erwerbsfähigen sind ohne Beschäftigung.

Manager und Märkte

Auf der Bilanzpressekonferenz seines Hauses rückte Albert Vietor, Vorstandsvorsitzender des gewerkschaftseigenen Baukonzerns Neue Heimat, von der bisher erhobenen Forderung nach einer raschen Zinssenkung zur Belebung des Wohnungsbaus ab.

Hemmnisse abbauen

Stoltenberg: In der Tat, die Alternative heißt Abbau investitionshemmender Maßnahmen und Vorschriften. Ich muß daran erinnern, daß das schon vor zwei Jahren ein Hauptthema der Bonner Politik gewesen ist.

Die dritte Schicht: Geister der Nacht

Hans Westphal, Vorsitzender der Geschäftsführung der SKF Kugellagerfabriken in Schweinfurt, nimmt es mit Humor: "Wir arbeiten mit guten und bösen Geistern zusammen", witzelt er.

Horst Rumpf las 250 Abiturreden, die der ZEIT zugeschickt wurden. Sein Fazit aus der Lektüre der Schülerreden: Aus ihnen spricht vor allem Ratlosigkeit und Trauer. Nächste Woche analysiert er die Reden der Eltern und Lehrer: Leben wird nur vorgetäuscht

Dreizehn Jahre, mindestens, haben sie ihre beste Zeit und Kraft in die Schule gesteckt. Daß sie einmal öffentlich und kaum überhörbar sagen können, was sie über ihre Schulzeit wirklich denken, dazu gibt es im deutschen Schülerleben eine einzige Gelegenheit: die Rede bei der Abiturientenentlassung, sofern sie noch oder wieder öffentlich begangen wird.

Am liebsten unter sich

Universitäten sollen wieder zu dem werden, was sie einst waren: Stätten des von der Außenwelt weitgehend unbeeinflußten Forschens und Lehrens, Stätten also, denen einst das karikierende Etikett "Elfenbeinturm" angeheftet wurde.

Ausländerkinder: Die vergessene Million

Gastarbeiterfamilien auf dem Lande – gibt es die überhaupt? Dies scheint nicht der Fall zu sein, denn in der gegenwärtigen Diskussion über die Ausländerprobleme spielt diese Gruppe keine Rolle.

Moralischer Hausputz

Sie sind gegen: Abtreibung, Drogen, Staatsverschuldung, einen zu kleinen Verteidigungsetat, Schwäche gegenüber Kommunisten, Darwins Lehre im Biologieunterricht, einen "säkularen Humanismus", den sie als verwerfliche Liberalität brandmarken, Bücher von Steinbeck und Salinger, Homosexualität, außerehelichen Sex, Gewalt und Sex im Fernsehen.

Die neue Schallplatte

Meredith Monk: "Dolmen Music". Das ist eine überaus originelle Musik; sie klingt schön, sie hört sich lustig und auf geistreiche Weise "verrückt" an (was sie nicht ist), sie kann einen verzaubern.

Zeitmosaik

Wir müssen uns klar darüber sein, daß der künstlerische Beruf nicht ins "prima Funktionieren" abgleiten darf... Kunst verlangt Autonomie.

Kunstkalender

Es ist erreicht. Nach all den Jahren der Ausstellungsdialektik, der – oft ins Leere oder in die allzu Vollen zielenden – Versuche, einen Gegenstand mit Schau- und Schrifttafeln, mit mehr oder weniger pädagogischem Aufwand und Geschick dem Publikum verständlich zu machen, haben wir sie nun wieder, die völlig undidaktische, völlig undialektische Kunstausstellung, bei der "bewußt" auf jede inhaltliche Gliederung Verzichtet wurde.

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