DIE ZEIT

Preußens Gloria, Deutschlands Elend

Der Zufall des Kalenders hat es so gefügt: Am 13. August jährt sich zum zwanzigsten Male der Tag des Mauerbaus, drei Tage später öffnet die Berliner Preußen-Ausstellung ihre Tore.

Bizeps oder Fingerspitzen?

Das hatte den geplagten westeuropäischen Nato-Mitgliedern gerade noch gefehlt: daß Ronald Reagan die Neutronenwaffe wieder aus der Versenkung holt und die ohnehin schwierige Nachrüstungsdebatte zusätzlich kompliziert.

Zeitspiegel

Die Deutschen haben Schwierigkeiten mit Traditionen. Das Unternehmen, den Muff von tausend Jahren aus den Talaren zu klopfen, bekannt als Hochschulreform, ist nur ein Beispiel dafür.

Worte der Woche

"Das ist Bürgerkriegshetze, wie sie Herr Wehner in den zwanziger und dreißiger Jahren zur Zerstörung der Weimarer Republik betrieben hat, Sie soll unser Volk spalten, ist eine massive Sowjetpropaganda.

Nostalgie, Melancholie, schlichte Erinnerung: Diese Woche holt uns die Vergangenheit ein. In Berlin beschwört eine Ausstellung Preußens Gloria; zugleich mahnt die jetzt zwanzig Jahre alte Mauer an Deutschlands Elend. Die ZEIT-Herausgeberin fragt:: Die Deutschen – wer sind sie?

Vor zwanzig Jahren, am 13. August 1961, ließ die SED quer über den Potsdamer Platz in Berlin Stacheldraht spannen, an dessen Stelle dann sehr bald die Mauer gesetzt wurde, die als ein einzigartiges Monument menschlicher Barbarei die ehemalige Hauptstadt verunziert.

Wolfgang Ebert: Die Welt: ein Rückblick

Als wir am Abend des Tages, an dem die neue Horrorbotschaft aus Washington kam, bei ‚Alberto‘, unserem ‚Stammitaliener‘, zusammensaßen, stocherten wir nur lustlos in unserer Pasta herum, denn irgendwie war uns der ganze Appetit vergangen.

Israels Weg zum Gottesstaat: Samstags nie

Ronald Reagan wird sich wundern. Der amerikanische Präsident, zur Zeit auf Urlaub in Kalifornien, muß sich endlich an die Arbeit machen, um eine "dauerhafte und gerechte Lösung" des Nahost-Konflikts vorzubereiten: Fortsetzung des Camp David-Prozesses oder ein neues Konzept? Noch gilt Reagan, der die Palästinensische Befreiungsfront als "Terrorgruppe" einstuft und die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten für legal hält, als Israels getreuester Verbündeter.

"Die nackte Furcht lehren"

Berlin soll einen heißen Herbst haben. Die Hausbesetzerszene hat es angekündigt. 50 000 Sympathisanten sollen zu einem "Tuwat-Kongreß" und zu einem vierwöchigen Spektakel nach West-Berlin kommen und "die Stadt erzittern lassen".

Getreidehandel gesichert

Nach nur drei Verhandlungstagen einigten sich in Wien die Vertreter beider Staaten, das Getreidelieferabkommen von 1975 unverändert um ein Jahr zu verlängern.

Iran: Terror und Gegenterror

Ayatollah Mohammed Bahonar, Ministerpräsident seit dem 6. August, will ein "Kriegskabinett" bilden, um die innere Opposition niederzuwerfen.

Namen und Nachrichten

Der unblutige "Sechs-Tage-Putsch" in Bolivien ist zu Ende: Die meuternden Truppen in Santa Cruz, der zweitgrößten Stadt, unterstellten sich am vorigen Wochenende dem Oberkommando der regierenden Militärjunta; die (putscherfahrenden) Generäle Natusch Busch und Anez Rivero gaben sich mit dem Rücktritt des – ebenfalls durch einen Putsch an die Macht gekommenen – Generalspräsidenten García Meza zufrieden.

Rote Rosen für die Ministerin

Das sind keine sommerlichen Divertimenti mehr, sondern schon Proben auf die Herbstdissonanzen. Hans-Dietrich Genscher versucht den großen Paukenschlag mit seinem fast ultimativen Rat an die Sozialdemokraten, die Ergänzungsabgabe endlich im Sommerloch verschwinden zu lassen.

Kuba: Ausschluß von Nord-Süd-Gipfel

Diese Ankündigung ist das Hauptergebnis der zweitägigen Gespräche, die Castro und der mexikanische Präsident José Lopez Portillo am vergangenen Wochenende Ali der Insel Cozumel (Mexiko) rührten.

Portugal: Regierungskrise

Pinto Balsemão, 44 Jahre alt, war der neunte Regierungschef seit der Militärdiktatur von 1974. Nach dem Tode seines Vorgängers Sá Carneiro bei einem Flugzeugabsturz hatte er zu Jahresbeginn die Führung der Mitte-Rechts-Koalition aus drei Parteien übernommen, in der seine Sozialdemokratische Partei (die er mit Sá Carneiro als "Volksdemokraten" gegründet hatte) die stärkste Fraktion stellte.

Das Unbehagen an der Autorität

Das Phänomen Autorität macht uns zu schaffen. Es ist aber nicht die eher anthropologische Frage, ob Autorität sein muß, die Ideologen und Philosophen bewegt hat.

Den Teufel mit Beelzebub austreiben

Als der Marokkaner Abdallah Laroui vor einigen Jahren sein Buch "La crise des Intel – lectules Arabs" (Die Krise der arabischen Intellektuellen) veröffentlichte, da löste diese Selbstanalyse eines akkulturierten Muslim im frankophonen Sprachraum heftige Reaktionen aus – vor allem unter den Trägern der Spannung zwischen abendländischer und islamischer Kultur, von denen in jenem Buch die Rede war.

Viele Köche – kein Rezept

Alle westlichen Industrieländer stecken zur Zeit mehr oder weniger tief in einer Wirtschaftskrise. Kein Land in Westeuropa oder Nordamerika, wo nicht entweder die Arbeitslosenzahl die Toleranzgrenze längst überschritten hat, die Inflation viel zu rasch trabt, die Staatsverschuldung beängstigend schnell zugenommen hat oder das Loch in der Zahlungsbilanz gefährlich groß ist.

Kohlesubvention: Gute Optik

Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff gilt als Supersparer des Kabinetts, Sein Haushalt ist am stärksten geschrumpft.

Bonner Kulisse

Neckermann hat sich die jüngste Anzeigen-Attacke gegen die von Postminister Kurt Gscheidle geplante Gebührenerhöhung im Postwesen eine ganze BILD-Seite kosten lassen.

Kooperation AEG-Bosch: Zeit gewonnen

Die Börse hat ihr Urteil gefällt: Seit die Pläne über eine Zusammenarbeit zwischen AEG-Telefunken und Bosch auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik bekannt geworden sind, stieg der Kurs der AEG-Aktie um über zwanzig Prozent.

Flughafen München: Gute Juristen

Die Münchner sollen ihren neuen Flughafen eine Nummer kleiner bauen. So wollen es streitbare Bürgerinitiativen; so wollen es aber auch die Verwaltungsrichter.

Dollar-Hausse: "Überbewertet"

Als zu Beginn der Woche der Dollar auf 2,57 Mark stieg und damit den höchsten Stand seit Juli 1976 erreichte, waren sich die sogenannten Experten wieder einmal rasch einig: Der Dollar ist überbewertet! Sie mögen damit sogar recht haben.

Benzinpreise: Blinder ADAC

Die Reaktionen des ADAC auf steigende Benzinpreise muten zwanghaft an. Kaum hat eine Ölgesellschaft mal wieder eine Preissteigerung angekündigt, schon hagelt es Beschimpfungen und Proteste aus der Münchner Zentrale des Autoclubs.

Facharbeiter-Ausbildung: Neue Wege in Wuppertal

Studiendirektor Siegfried Keller von den Gewerblichen Schulen II in Wuppertal hatte es satt, den angehenden Drehern, Fräsern, Maschinenschlossern und Werkzeugmachern mit der Kreide in der Hand an der grünen Tafel die theoretischen Grundlagen längst überflüssiger meist handwerklicher Techniken beizubringen.

Börsen-Report: Was Fonds verkauften

Die Masse der deutschen Aktien-Fonds befindet sich in einer fatalen Lage. Sie müssen Monat für Monat mehr Geld an ihre Anteilsinhaber zurückzahlen, als der Neuabsatz von Zertifikaten bringt.

Mit US-Anleihen mehr verdienen

In den letzten Monaten haben inländische Anleger Milliardenbeträge in Fremdwährungsanleihen investiert, hauptsächlich in Dollar-Papieren.

Firmen und Fakten

Die Aktionäre der Deutschen Bank brauchen um ihre Dividende nicht zu fürchten. Für 1980 war sie wegen des guten Abschlusses von neun auf zehn Mark heraufgesetzt worden.

Manager und Märkte

Der Großverleger Axel Springer ("Hörzu", "Bild", "Welt") selbst war es, der den Daumen senkte und damit in letzter Minute ein bereits weit gediehenes Joint Venture mit dem japanischen Unterhaltungselektronik-Konzern Sony für den gemeinsamen Vertrieb von Video-Cassetten kippte.

Zeitraffer

Die schwierigen Verhältnisse in Polen, zweitwichtigster deutscher Handelspartner im Ostblock, wirken sich recht massiv aus: Die Einfuhren gingen im ersten Halbjahr um 11,8 Prozent auf 1,125 Milliarden, die Ausfuhren gar um 17,6 Prozent auf 1,027 Milliarden Mark zurück.

Versuche, eine Sprache zu finden

Wie schlagen sich die Erfahrungen mit der Schule in den Abiturreden nieder? In der letzten Woche befaßte sich Horst Rumpf mit den Reden von Schülern; mit einer Analyse der Vorträge von Lehrern und Eltern beschließt er heute sein Fazit aus der Lektüre von etwa 250 Reden zum Abitur 1981, die an die Redaktion der ZEIT geschickt wurden.

Fußball-Kombinationen

Fußballplatz-Atmosphäre herrschte kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in der Hamburger Schulbehörde. Nicht etwa, daß die Beamten die Ferienzeit ausnutzten, um sich sportlich zu betätigen; vielmehr zählten sie Tore und Punkte im Kampf um.

In München streikt der Opernchor für mehr Geld und mehr Freizeit: Jetzt reicht’s – aber wem?

Es muß schon ein Erlebnis eigener Art gewesen sein: Da erheben sich mehrere Dutzend spätmittelalterlich-festlich verkleidete Männer und Frauen, in geordneter Zwanglosigkeit zu vertrautem Ritual arrangiert, sehen in der Generalpause das Auftaktzeichen des Kapellmeisters, holen tief Luft und – nein, schmettern nicht hymnisch, sondern hauchen nur flüsternd in Richtung Intendanten-Loge "Wach auf, es nahet gen den Tag!" Nicht minder komisch die Schlußapotheose, wenn die Prophezeiung "Zerging’ in Dunst das heil’ge röm’sche Reich, uns bliebe gleich die heil’ge deutsche Kunst!" allenfalls als Lippenbekenntnis in des Wortes wahrer Bedeutung zu sehen, aber nicht zu hören ist.

Verbrennt die Kinos!

"Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es so weiter‘ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende, sondern das jeweils Gegebene.

Zeitmosaik

Die wenigen, die in der DDR einen Paß in der Tasche haben, der ihnen eine Reise nach West-Berlin, Rom oder Paris ermöglicht, benehmen sich fast ausnahmslos so, als hätten sie einen faulen Fisch in der Tasche.

Glanz auf blinder Folie

Baden-Württemberg hat ein Stück seiner Kunstvergangenheit wiederentdeckt – 1981 ist offiziell zum Barockjahr erklärt worden, Der Veranstaltungskalender, umfangreich, aber nicht immer ganz zuverlässig (erhältlich beim Verkehrsamt der Stadt Bruchsal), verzeichnet Ausstellungen, Konzerte und Vorträge überall im Land.

Heinrich Böll: Sacharows Aktentasche oder Die Ästhetik der Wörtlichkeit

Andrej Sacharow, da wird manch einer, auch in westlichen Gefilden, glauben, daß es sich um einen Spinner handelt, einen dieser zwar liebenswürdigen, aber doch verrückten Don Quijotes, die gegen die berühmten Windmühlenflügel kämpfen; ein netter Mensch, den man verehrt und bewundert und doch – nun ja, ein bißchen verrückt wird er schon sein, wenn er da weiter und weiter kämpft, und wenn man ihn gelegentlich im Fernsehen sieht, da wirkt er fast wie ein Mönch.

Kunstkalender

Daß Berliner Kunst vorzugsweise gegenständlich sei, ist ein Vorurteil, das sich immer wieder bestätigt, so auch in der jetzigen Schau mit Eigenbeständen in der Berlinischen Galerie.

Lebensbilder eines Philosophen

"Kafka war doch ein Realist", das sagte Georg Lukács, als er nach seiner nächtlichen Verhaftung in Budapest 1956, nach rasender Wagenfahrt mit verhängten Fenstern zu einem unbekannten Militärflugzeug geschafft wurde, das ohne Hoheitsabzeichen in ein unbekanntes Land flog, in dem er in einer schloßartigen Villa, halb zeremoniös behandelter Stargast, halb Zuchthäusler, lebte; ohne Kenntnis, wo er sich überhaupt befand.

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