DIE ZEIT

Ohne Brecht

Bertolt Brecht, der damals noch Bert Eugen hieß, hat sich selten so geirrt: Seine Geburtsstadt Augsburg hat anläßlich seines fünfundzwanzigjährigen Todestags wenig Ehrungen für den weltberühmten Stückeschreiber anzubieten.

Der Muse Gunst

Der Tod eines, wie wir sagen, „Großen“ läßt uns stets auch erkennen: Wir stehen am Ende einer Entwicklung, einer Ära. Karl Böhm war der letzte unserer großen Dirigenten, die das künstlerische Vermächtnis der Schlußphase unseres abendländisch-tonalen Musiksystems noch von den Komponisten selber in die Interpreten-Hand gelegt; erhielten.

Beben in der Koalition

Die sozial-liberale Welt ist auch demoskopisch nicht mehr in Ordnung. Konnte jahrelang als gesichert gelten, daß vier Fünftel der liberalen Stimmgänger nur ein Bündnis mit der SPD wünschten, so gibt die plötzlich zutage beförderte jüngste Wähleruntersuchung der FDP eine andere Auskunft.

Fünfe gerade?

Das Spiel wiederholt sich alle paar Wochen: Die Ölkonzerne erhöhen die Benzinpreise, die Kritiker stimmen Geschrei an. Die deutschen Ölgesellschaften weisen entschuldigend auf den Dollar-Kurs, der zu Jahresbeginn bei 2,00 Mark stand, heute bei 2,50, und klagen über ihre Verluste; die Verbraucher-Anwälte, aber auch mehr und mehr Politiker – sogar CSU-Leute – schimpfen über die „Bande von Preistreibern“.

Zeitspiegel

Freundliche Herren aus dem Polizei- und Zolldienst der Volksrepublik China haben sich, nach einer Absprache zwischen Innenminister Baum und seinem Pekinger Kollegen, während der letzten Wochen in den Zwingern der Bundesrepublik umgetan – um Schäferhunde einzukaufen.

Worte der Woche

„Wir müssen uns dagegen wenden, daß eine Geisterbahn aufgebaut wird, auf der ausschließlich amerikanische Nukleargespenster montiert werden, und daß nach der Gruselfahrt das erschreckte Publikum auf den großen russischen Friedensbasar gewiesen wird, wo unter Schalmeienklang die allgemeinen Friedensparolen ausgegeben Werden.

Eintönigkeit ist schlechte Politk

Auf meine Analyse der Verharzung des deutschen Parteiensystems, deren Titel und Schlußsatz hieß „Es ist nicht alles Weimar, was bunt ist“ (DIE ZEIT Nr.

Im Westen wächst das Unbehagen an Reagans Außen- und Sicherheitspolitik. Setzt der Präsident nur auf militärische Überlegenheit?: Wehklagen hilft nicht weiter

Neun Monate nach seinem Wahlerfolg und sieben Monate nach seinem Arbeitsantritt ist Präsident Reagans Außenpolitik nach wie vor wenig mehr als ein Katalog von Prinzipien; allen voran die Überzeugung, daß nur ein wirtschaftlich gesundes und militärisch starkes Amerika die internationale Politik zu seinen Gunsten beeinflussen kann.

Wohin mit der MX-Rakete?

Der Verteidigungsminister, der CIA-Chef, der Chef der Vereinigten Generalstäbe und der in der aufdringlichen Eleganz des Publikums etwas verloren wirkende Professor Rostow, Direktor der Behörde für Rüstungskontrolle – sie kamen durchs Hauptportal, Der Präsident betrat das Hotel durch die Tiefgarage.

Krieg in Angola: Ein hoher Preis

Angop, die angolanische Nachrichtenagentur, meldete es beinahe gleichmütig: Südafrikanische Truppen, unterstützt von Jets und Hubschraubern, hätten sich aus ihren Stellungen an der Grenze Namibias zu Angola bereits 250 Kilometer nach Norden vorgekämpft – nicht die erste Grenzverletzung und Aggression in diesem Jahr.

Wolfgang Ebert: Lektüre-Tips

Angst vorm fliegen? (Nicht) von Erica Jong. Dieser verlegerische Schnellschuß ist ein „Muß“ für jeden USA-Reisenden nach der Entlassung der Fluglotsen.

Umwelt: Minister-Drohung

Der Arbeits- und Sozialminister von Nordrhein-Westfalen, Friedhelm Farthmann, wies in der vorigen Woche den Düsseldorfer Regierungspräsidenten an, den 43jährigen Peter Mittelmann, einen der drei Geschäftsführer der Velberter Eisengießerei Wilhelm Mittelmann GmbH, aus dieser Position zu entfernen.

FDP: Koalitions-Gewackel?

a) Zum erstenmal seit der Erhebung solcher Daten sind 60 Prozent der FDP-Wähler nach den Kriterien der Wahlforschung als Stammwähler zu betrachten.

Berlin: Lummers Kummer mit der Szene

Wir hätten es viel leichter, wenn wir es nur mit Berlinern zu tun hätten“, meinte Berlins Innensenator Lummer dieser Tage. Damit spielte er nicht auf die vielen neuen Senatsmitglieder an, die aus der Bundesrepublik nach Berlin gekommen sind, sondern auf die sogenannte „Szene“, die sich für Lummer vor allem durch „Instandbesetzer“ und „Störer“ repräsentiert.

Iran: Piratenstück

Die Tabarzin, in Cherbourg zusammen mit den zwei Schwesterschiffen von iranischen Seeleuten übernommen, wurde vor dem spanischen Cadiz gekapert, wo sie zum Auftanken angelegt hatte.

Polen: Schulden-Stundung

Zweitens: Breschnjew ermahnte seine Gäste, einen entschiedenen Kampf gegen Anarchie und Konterrevolution zu führen, um die Pläne der Feinde des Sozialismus innerhalb und außerhalb Polens zu vereiteln.

Marxismus: Späte Aufnahme

Daß es nicht einen Marxismus gibt, sondern vielerlei Spielarten, von besonderen Bedingungen der einzelnen Länder geprägt, ist hinlänglich bekannt.

Italien: Römischer Pragmatismus

Beargwöhnt sogar von manchen seiner Freunde, geschätzt aber auch bei vielen seiner Gegner, kann er noch immer als einer der wenigen, wenn nicht als einziger Politiker Italiens gelten, der mit Sachverstand und ohne Ideologie, aber mit Blick über den Kirchturmshorizont die Krise des Landes in den Griff bekommen könnte.

Zweiter Weltkrieg: Grundstein des kalten Krieges?

Am 19. März 1945 trafen sich in einer Gründerzeitvilla am Lago Maggiore, in der neutralen Schweiz also, „auf einer geräumigen Terrasse mit Zugang zu guter Küche“, einige in unauffälliges Zivil gekleidete Herren.

Pfarrer Jörg Zink: Er macht sie „besoffen“

Die Szene war symptomatisch für den Hamburger Kirchentag: Auf der Moorweide, zwischen zwei großen Verkehrsadern der Hansestadt, hockten 60 000 meist Jugendliche bei der Bibelarbeit.

Schwer zu ersetzen

Wilhelm Kempf war immer ein Außenseiter unter seinen Amtsbrüdern – er liebte und pflegte einen unautoritären Stil gegenüber seinen Priestern, beteiligte wie kein zweiter die katholischen Laien an der Verwaltung seines Bistums und gab der Diözese Limburg die bei weitem liberalste und demokratischste Synodalverfassung in deutschen Landen.

...dann sind es nur noch drei

Die haben jetzt endlich erkannt“, so frohlockte ein Klöckner-Manager, „wo der wahre Gegner steht.“ Er spielte damit auf den jüngsten Krach in der deutschen Stahlindustrie an, der ausnahmsweise ohne Beteiligung der Klöckner-Werke über die Bühne ging.

Was schert uns die Zukunft?

Einst gab es den Doktor Eisenbart. Der kurierte die Leut’ auf seine Art. Konnte machen, daß die Lahmen sehn und die Blinden wieder gehn.

Kilometerpauschale: Verschleiert

Autofahren wird fast täglich teurer: steigende Benzinpreise, höhere Versicherungsprämien, wachsende Werkstattkosten. Vor allem für Autofahrer, die sich ein Häuschen im Grünen gebaut haben und täglich einen weiten Weg zum Arbeitsplatz zurücklegen müssen, führt dies zu einer schmerzlichen Einschränkung des Lebensstandards.

Bonner Kulisse

„Verschleppungstaktik“ wirft FDP-MdB Wolf-Dieter Zumpfort Arbeitsminister Herbert Ehrenberg vor. Obwohl ihm und Finanzminister Hans Matthöfer ein Gutachten – im Arbeitsministerium „Problemskizze“ genannt – über die „Finanz- und Arbeitslage der Bundesanstalt für Arbeit“ schon seit dem Dezember vergangenen Jahres vorlag, erfuhren das Parlament und der Präsident der Bundesanstalt, Josef Stingl, erst ein halbes Jahr später davon.

Fördergewinne: Milliarden-Spiel

Wochenlang haben die Bonner Minister nun über Sparmöglichkeiten debattiert und nach Einnahmequellen gesucht. Dabei haben sie anscheinend eine sehr ergiebige Steuerquelle völlig übersehen: die großen Gewinne der Öl- und Gasindustrie in der Bundesrepublik.

Bundesbahn: Einfallslos

Kaum ein Bonner Minister weiß so unablässig mit publicitymachenden Anregungen präsent zu sein wie Volker Hauff. Doch mitunter tut der Verkehrsminister sich schwer, das richtige Thema zu finden.

Dollarkurs: Nervös

Nähert sich die Dollar-Hausse ihrem Ende? Die Schwankungen der letzten Tage haben zumindest erkennen lassen, daß er sich nicht mehr auf einer Einbahnstraße bewegt und anfälliger geworden ist.

Berlin-Hilfen: Doppeltes Notopfer

Berlins Wirtschaftspolitiker machen sich Sorgen. Krawalle und Hausbesetzungen haben dem Image der Stadt geschadet. Nun droht Bonn auch noch mit Kürzung der Bundeszuschüsse für den Landeshaushalt und der Berlinförderung.

Gefährliche Jagd auf Spezialitäten

Obwohl sich der Aktienindex in den letzten Wochen eher „seitwärts“ bewegt hat, bot die Börse ständig Gesprächsstoff durch ihre Sonderbewegungen.

Kleine Zinshoffnung

Als in der vergangenen Woche der Zentralbankrat darauf verzichtete, Maßnahmen zur Verteidigung der Mark gegenüber dem Dollar zu ergreifen, also praktisch an der Zinsschraube zu drehen, atmeten die Rentenhändler der Banken auf.

Manager und Märkte

Eine ganze Anzeigenseite zum Gegenwert von über 26 000 Mark opferte die Frankfurter Allgemeine (FAZ), um ihren Abonnenten mitzuteilen, daß vom 1.

Zeitraffer

Gegen die ständig steigenden Benzin- und Baulandpreise möchten einige SPD-Politiker aktiv werden. So förderte Jürgen Böddrich, bayerischer SPD-Spitzenpolitiker, „einmal ernsthaft über ein Einfrieren der Benzin- und Heizölpreise für eine bestimmte Dauer oder überhaupt ein unbefristetes Festschreiben“ zu reden.

Härtere Gangart

Marquardt: In der Tat ist zu beobachten, daß bei Preiserhöhungen die einzelnen Gesellschaften einander mit größerem Abstand folgen als früher.

VW in USA: Formtief oder Krise?

Der Absatz von Volkswagen in den USA blieb in diesem Jahr bisher hinter den Erwartungen zurück. Die Kapazitäten des Werkes in New Stanton sind deshalb nicht voll ausgelastet Dennoch soll die Produktion in einem zweiten Werk anlaufen.

Lieber den Spatz in der Hand...

Der Hang, das Bestehende zu bewahren, ist wohl nirgendwo ausgeprägter als im Schulbereich. Die grundsätzlich eher konservative Haltung vieler Eltern, aber auch vieler Erwachsener ohne Kinder, belegt jetzt aufs neue eine im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung herausgegebene Studie des Institutes für Demoskopie in Allensbach.

Was mit den Händen schaffen

Immer häufiger suchen Abiturienten nach Lehrstellen, doch das Bedürfnis nach kreativer Tätigkeit wird meistens enttäuscht

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