DIE ZEIT

Umwelt-Getöse

Mehr als 70 000 Tonnen Giftmüll wurden illegal beseitigt, zum Teil einfach ins Meer oder in Flüsse gekippt, teils mit gefälschten Papieren auf Deponien – auch deutschen – abgelagert, teils als Heizöl verkauft.

Konterbande

Baptisé – non converti“ nannte sich der getaufte Jude Heinrich Heine, der auf seinem Grabstein – Zufall? – Henri heißt; die Taufe war, genau wie im Fall der Familie Marx, kein Bekenntnis gewesen, sondern ein Akt der Notwehr: In vielen bürgerlichen Berufen, etwa der Jurisprudenz, gab es im 19.

Ist alles anti, was Kritik ist?

Ist es Anti-Amerikanismus, wenn man sich auch unter Ronald Reagan an den Satz seines republikanischen Vorgängers Ford hält, daß Inflation und Wirtschaftsstagnation der Staatsfeind Nr.

Etwas ist faul

In der Fernseh-Nachrichten-Zentrale „ARD aktuell“ („Tagesschau“ und „Tagesthemen“) haben 27 Redakteure ihren Chefredakteur öffentlich beschuldigt, er behindere sie in ihrer journalistischen Aufgabe, „unabhängig, ausgewogen, objektiv und umfassend zu berichten“.

Nur Theaterdonner

War was? Das beschwichtigende Etikett für die Koalitions-Auseinandersetzungen der letzten Wochen hat sich der Bundeskanzler nicht zufällig bei der Kunst des schönen Scheins ausgeborgt: Sommertheater.

„Tuwat“ in Berlin: Zum Auftakt ein Fackelzug

Dienstagabend kurz nach neun, am Leopoldplatz in Wedding, dem historischen „roten“ Arbeiterviertel: Mit einem Fackelzug beginnen zwei- bis dreitausend Hausbesetzer und einheimische wie zugereiste Sympathisanten das „Tuwat“-Spektakel.

Auf takt in Hamburg: Kiep geht nicht aufs Abstellgleis

Die Hamburger können der Bürgerschaftswahl im nächsten Juni schon jetzt mit Interesse entgegensehen. Wie immer auch das Drehbuch des Wahlkampfes ausfallen wird, eine Starbesetzung der politischen Auseinandersetzung ist bereits garantiert.

Zeitlese

Aus der Schweiz kommt eine neue Erfindung, das Söipfeblatere-Mobil. Auf hochdeutsch: die Seifenblasenmaschine. Iwan Pestalozzi, ein Eisenplastiker aus Binz, ist der Erfinder dieses außerordentlichen Geräte! Mit seinem Seifenblasenspender hält er jetzt Einzug in das Guinness-Buch der Rekorde, denn seine Blasen sind Weltklasse: Seine „Langblase“ erreichte stattliche drei Meter, die „Rundblase“ plusterte sich immerhin bis auf einen Durchmesser von neunzig Zentimetern.

Die Supermächte auf Kollisionskurs

Viele sehen heute in der Sowjetführung eine Gruppe von Männern, die sich vor allem von dem Wunsch leiten läßt, ihre Macht immer weiter auszudehnen, und dies auf Kosten der Unabhängigkeit wie der Freiheit anderer Völker, auf Kosten auch des Friedens und der Stabilität des internationalen Lebens.

Angst vorm schwarzen Mann?

Frauen sind von ihm fasziniert, von seinen dunklen Augen, seinen zarten Händen, seinem schwarzen Wuschelkopf, seiner leisen Stimme.

Was das Völkerrecht sagt

Im Oktober 1973 zog Libyens Staatschef Ghaddafi eine Linie auf der Landkarte: entlang dem 32. Breitengrad 30 Minuten. Alles, was südlich dieser Linie liegt, die „Große Syrte“, erklärte er kurzerhand zu libyschem Hoheitsgewässer.

Friedensbewegung: Apels Stil?

Die Sache ist nicht ohne Pikanterie: SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz hat für das „Forum Frieden“ in dieser Woche neben dem SPD-Verteidigungsminister auch den Generalmajor außer Diensten Gert Bastian eingeladen; derselbe Mann aber wird in einer Dokumentation aus dem Hause Apel als sowjetischer Befehlsempfänger bezeichnet.

Nachrüstungs-Debatte: „Nützliche Pazifisten“

Der Pazifismus betrachtet jeden Krieg als verdammenswert. Anders der Marxismus-Leninismus sowjetischer Prägung. Die schon den Schulkindern in der Sowjetunion beigebrachte „Leninsche Lehre über den Krieg“ betont, daß es „gerechte Kriege“ gibt.

Wolf gang Ebert: Nervtötend

Auch wenn erfreulicherweise 45 Prozent aller Bundesbürger bereit sind, persönliche Opfer zu bringen, wenn es darum geht, unseren Staatshaushalt zu sanieren, so wäre es doch übertrieben anzunehmen, die Sparpläne der Regierung hätten bei allen Schichten der Bevölkerung helle Begeisterung ausgelöst.

Westsahara: Freie Wahl?

In der ehemals spanischen Kolonie Westsahara soll eine Volksabstimmung stattfinden, ob die Saharouis künftig einen eigenen Staat bilden oder das Gebiet zu Marokko geschlagen werden soll.

Kirchentreffen in Dresden

Zum ersten Mal fand in der DDR ein Treffen der protestantischen Weltkirche statt: Die Tagung des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (140 Mitglieder von 300 protestantischen und orthodoxen Kirchen aus 300 Ländern).

Portugal: Die Krise wurde vertagt

Am Freitag voriger Woche ließ der 44jährige Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei (nach Bonner Maßstäben eher Mitte-Rechts-Liberale) Staatspräsident Eanes wissen, daß er das neue Kabinett bilden wolle: die 14.

Iran: Blutiger Machtkampf

Tagelange Razzien in den Quartieren der linken Volks-Mudschaheddin haben die politische Unruhe in der iranischen Hauptstadt nicht erstickt.

Von Umfragen und dräuenden Gefühlen

Da habe jemand aus einer Kaulquappe einen Ochsenfrosch gemacht, zitierte der Kanzler gelassen seinen „Freund, den Staatsminister Huönker“ – Schmidt meinte damit jene Umfrage, wonach die FDP bei einem Koalitionswechsel nur 10 Prozent ihrer Wähler einbüßen würde.

El Salvador: Offensive ohne Erfolg

Begonnen hatte die Offensive vor gut zwei Wochen, ausgehend von den Grenzgebieten zu Honduras. Zehn Tage hielt die „Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti“ die Provinzstadt Perquin besetzt; Ende vergangener Woche mußte sie sich vor den Regierungstruppen wieder zurückziehen.

Was soll aus dem Jungen bloß werden?

Am 30. Januar 1933 war ich fünfzehn Jahre und sechs Wochen alt; und fast genau vier Jahre später, am 6. Februar 1937, neunzehn Jahre und sieben Wochen alt, bekam ich das „Zeugnis der Reife“ ausgestellt.

„Das ist der Weg in die Krise“

ZEIT: Herr Ministerpräsident, die Bonner Kabinettsbeschlüsse über die Kürzung öffentlicher Ausgaben vor Beginn der Sommerpause waren nicht das Ende eines Kapitels, sondern der Auftakt zu heftigen Auseinandersetzungen nicht nur mit den betroffenen Gruppen, sondern auch innerhalb der Parteien und vor allem zwischen den Koalitionspartnern SPD und FDP.

Umsatz ist nicht alles

Für Veba, seit Jahren auf den Spitzenplatz in der Rangliste der umsatzstärksten deutschen Industrieunternehmen abonniert, gab es eigentlich nichts mehr zu überrunden.

Hotels: Luxus für Sir Joseph

Reisende, die sich künftig nach des Tages Mühen in einem der 82 Hotels der Interconti-Gruppe zur Ruhe begeben, sind nicht mehr länger bei der Pan Am zu Gast.

Unterhaltungselektronik: Der gekaufte Knüller

Ein unscheinbarer Kasten mit der Typenbezeichnung „VP 100“, kaum voluminöser als der erste Band von Galsworthys Roman „Die Forsyte Saga“, könnte zum größten Star der nächste Woche beginnenden Internationalen Funkausstellung in Berlin werden.

„Brot und Fleisch müssen teurer werden“

In Polen stehen drastische Preiserhöhungen bevor: Grundnahrungsmittel sollen doppelt oder dreimal teurer werden. Hungermärsche, Kürzungen der Fleischrationen, lange Käuferschlangen waren schon vorher Zeichen der tiefen Krise.

Kalte Dusche

Die Hoffnungen auf eine Zinsstabilisierung in der Bundesrepublik haben sich – wie schon sooft in der jüngeren Vergangenheit – als verfrüht erwiesen.

Mißglückter Börsenstart

Nicht jeder Börsenneuling macht so viel Freude wie Herlitz, Leffers oder Dräger. Die Aktien der Joh. Friedrich Behrens AG, Ahrensburg bei Hamburg – das Unternehmen wurde in den sechziger Jahren den Mitarbeitern, übereignet – haben sich zu einem ausgesprochenen Flop entwickelt.

Alle müssen opfern

Blüm: Ich habe meine Grundsätze nicht aufgegeben, aber Sozialpolitik findet nicht im Wolkenkuckucksheim statt. Wenn das Geld fehlt, kann ich es nicht herbeizaubern.

Zeitraffer

Die positive Entwicklung der Leistungsbilanz – im zweiten Quartal betrug das Minus nur noch 5,3 gegenüber 9,1 Milliarden Mark in den ersten drei Monaten dieses Jahres – weckt Hoffnungen bei den Wirtschaftsforschern des Münchner Ifo-Instituts.

Manager und Märkte

BP-Chef Hellmuth Buddenberg sieht schwarz: „Wenn der Dollarkurs nicht deutlich sackt, werden wir selbst nach Verrechnung aller Bestandsgewinne in diesem Jahr einen Verlust von 1,1 Milliarden Mark machen.

Ohne Energie kein Fortschritt

Warum die Atomkraft trotz aller Einwände für unsere Zivilisation unentbehrlich ist – der humanisierende Einfluß der Naturwissenschaft (II)

Es lebe die Ruine!

Nicht zu zählen, die – alten – Gehäuse, die längst ganz anderen Zwecken dienen als denen, für die sie gebaut worden waren: Pumpwerke sind Jugendhäuser, in Windmühlen und Wassertürmen wohnen Menschen, aus Lagerhäusern wurden Hotels und Ateliers, aus Kirchen Supermärkte oder Hallen der Geselligkeit, aus ff.

Krieg den Kästen, Friede den Palästen!

Das Theater kann ein Ort der Verschwendung sein – so residiert es in Palästen. Das Theater kann ein Ort der Askese sein – so haust es in Kellern, windschiefen Schuppen, vom Einsturz bedrohten Ruinen.

Zeitmosaik

Wer einmal die Aufmerksamkeit der Kunstbetrachter der CDU erregt hat, darf lebenslanger Anhänglichkeit dieser Kreise gewiß sein.

Peter Wapnewski: Vom verlorenen Staat

Bilder einer Ausstellung. Der sie hier zu geben versucht, tut es ohne kennerische Ambition. Er will – was man denn ambitioniert nennen mag – versuchen, aus der Perspektive des wohlwollend interessierten Laienbesuchers Eindrücke einzufangen und widerzuspiegeln.

Kunstkalender

Die Situation bleibt unverändert: ein leerer Raum, ein schmuckloses Kanapee, eine etwa dreißigjährige Frau, von einem Scheinwerfer schwach angestrahlt, in einer Ecke des Sofas.

Die neue Schallplatte

Hans-Joachim Hespos: „point/für cello solo/conga/profile/harry’s musike/z-dor/en-kin/dscben/go“. Traurig ist’s, aber wahr. Da macht sich eine Gruppe von Musikern die vergnügliche Mühe, gewissermaßen eine Art Querschnitt durch das Schaffen eines lebenden Komponisten zu liefern – aber niemand von den großen Plattenproduzenten mag die zwar in Eigenverantwortung, aber auf der professionellen Basis einer Rundfunk-Qualität entstandenen Aufnahmen übernehmen: die Gruppe muß die Platten selber herausgeben.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Hans Platschek: „Porträts mit Rahmen – Picasso, Magritte, Grosz, Klee, Dell und andere“. Einige der in diesem Band behandelten Figuren, ein Kandinsky, ein Klee, sind vor nicht allzu langer Zeit von einer bundesdeutschen Kunstkritik zu Besuchern aus dem All erklärt worden, zu Heiligen auf jeden Fall, die in keiner Weise sonderbar wirken sollten.

Alltag im Irischen Bürgerkrieg

„Wir haben die Bomben satt, die in unseren Häusern explodieren / Wir haben den Schutt satt, der sich in unseren Straßen häuft / Wir haben den Tod von alten Freunden satt / Wir haben satt die Tränen und Begräbnisse / Diese endlosen, endlosen Begräbnisse.

Die Gesamtschule Hollfeld: Ein Kuckucksei im bayerischen Nest

Mitten auf einer grünen Wiese steht die Gesamtschule Hollfeld. Der Vergleich mit dem Kuckucksei drängt sich auf, bedenkt man die bildungspolitische Auseinandersetzung um diesen Schultyp und weiß man, daß Hollfeld ein Städtchen im Freistaat Bayern ist, genauer im oberfränkischen Landkreis Bayreuth.

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