Düsseldorf: Manon – Ball der Einsamkeiten

Die Situation bleibt unverändert: ein leerer Raum, ein schmuckloses Kanapee, eine etwa dreißigjährige Frau, von einem Scheinwerfer schwach angestrahlt, in einer Ecke des Sofas. Manon erzählt in dieser Situation dreißig Lebensläufe, Geschichten von Frauen, Frauenbilder: die Nonne und der Vamp, die Distanzierte und die Frohnatur, die mit Luftschlangen behängte Frau im Regenmantel und die Stripperin, die Hausfrau und das Funkmädchen, die Sportlerin und die Gesellschaftsdame – mal in der einen Ecke des Sofas, mal in der andern, doch immer allein: der vom Scheinwerferkegel markierte Platz neben ihnen bleibt leer. „Ball der Einsamkeiten“ nennt die Schweizer Performance-Künstlerin Manon, die nach Kunstgewerbeschule und Schauspielakademie unter anderem als Entwerferin von Show-Kostümen arbeitete, ihre aus dreißig großformatigen Schwarzweißphotos bestehende jüngste Arbeit, die das Kunstmuseum Düsseldorf jetzt vorstellt. Ihre in den letzten Jahren entstandenen Photosequenzen „La dame an crâne rasé“, „Elektrokardiogramm“, „Die graue Wand oder 36 Schlaflose Nächte“ und „Ball der Einsamkeiten“ sind unter dem Titel „Identität, Selbstdarstellung, Image“ gerade auch als Buch erschienen (Benteli Verlag Bern, 174 Seiten, 48 Mark). „Selbstdarstellung“, stellt die Schauspielerin von Gefühlen, Situationen, Erfahrungen darin fest, „hat immer auch etwas Verzweifeltes an sich. Es ist eine Synthese zwischen Sehnsucht und Trauer Eine Gratwanderung zwischen dem Wunsch nach einem möglichst perfekten Produkt und dem Bedürfnis, jede Illusion zu zerstören.“ Wenn sie in ihrem „Ball der Einsamkeiten“ dreißig verschiedene Frauen darstellt, geht es dann auch um mehr als nur ein abstraktes Personendefilee: zum Beispiel die Frage, „inwieweit existentielle Ereignisse Einfluß nehmen auf die menschliche Form: die Hülle, den Koffer, das Etui, die den Inhalt umschließen“. (Kunstmuseum, Ausstellungsräume Orangeriestraße, bis 13. September, Katalog 12 Mark) Raimund Hoghe

Karlsruhe: „Gegen-Bilder – Die Kunst der jungen deutschen Generation“

In der Serie der seit etwa einem Jahr stattfindenden Ausstellungen mit jungen deutschen Künstlern wurde die jetzige in Karlsruhe am gründlichsten vorbereitet. Michael Schwarz, der Leiter des Badischen Kunstvereins, hat akribisch Informationen über 150 Nachwuchskünstler gesammelt; vierzig von ihnen besuchte er, achtzehn wählte er für die Schau aus. Dabei machte er aus der Not eine Tugend: Um nicht noch einmal zu zeigen, was andernorts schon zu sehen war, wollte er nicht wieder die zur Zeit interessanteste künstlerische Strömung (die Malerei der Heftigen, Postmodernen oder der Transavantgardisten) hervorheben, sondern ein möglichst breites Spektrum zeigen. Doch sind, nolens volens, immerhin acht der achtzehn der neuen „Richtung“ zuzurechnen: Ina Barfuß, Michael Bauch, Stephan Dillemuth, Benedikt Forster, Albert und Markus Oehlen, Thomas Wachweger und (überraschend für Insider) Herbert Wentscher. Ihre oft die Gattung überschreitenden, heftigen und häßlichen, subjektiven, magisch-verschlüsselten und anarchischen Arbeiten belegen nachdrücklich die Bedeutung dieser Kunst Der andere Schwerpunkt liegt bei der Skulptur mit minimalistischen, zum Erzählerischen neigenden Aspekten (Hubert Kiecol, Elisabeth Wagner), der dritte bei Rauminstallationen und bei der Bildhauerei in der Stadtlandschaft (Astrid Klein, Wolfgang Luy und vor allem Bogomir Ecker). Hinzu kommen die Photographie (Klaus Mettig und Marina Makowski) und zwei Arbeiten von Dietmar Bauer und Hermann Pitz. Schwarz bringt das alles auf die Kurzformel „gute Arbeiten“. Auch wenn das nicht immer zutrifft: hier liegt ganz sicher der Nerv jeder neuen Richtung. (Badischer Kunstverein bis 20. 9., Katalog 20 Mark) Ernst Busche

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Karl Friedrich Schinkel – Architektur, Kunstgewerbe, Malerei“ (Orangerie Schloß Charlottenburg bis 13. 9, Katalog 25 Mark)

Bonn: „Jeanne Mammen 1890–1976 – Retrospektive“ (Kunstverein bis 30. 8., Katalog 18 Mark)