Auch mit ihrer jüngsten Afghanistan-Initiative konnte die Sowjetunion nicht beeindrucken. Zu offensichtlich ist das Bemühen, dem Regime in Kabul endlich Anerkennung zu verschaffen.

Der pakistanische Präsident gab sich großmütig. Immerhin, so meinte Zia ul-Haq nach dem Besuch Ton Vizeaußenminister Firjubin in Islamabad, zeige die sowjetische Afghanistan-Initiative mehr Flexibilität als die vorangegangenen. Doch in der Sache hat sich nichts verändert: Weiterhin bleibt unklar, wie Pakistan und Iran, der andere afghanische Nachbarstaat, an einer politischen Regelung beteiligt werden können.

Der diplomatische Vorstoß – zum erstenmal seit der Invasion 1979 besuchte ein hoher sowjetischer Offizieller Pakistan – kam nicht zufällig. In den nächsten Wochen werden die Vereinten Nationen wieder über Afghanistan debattieren, und Moskau liegt daran, demütigende Resolutionen wie im Vorjahr zu verhindern. Jene Flexibilität, die Zia konstatierte, soll sicherlich auch den schlechten Eindruck vergessen machen, den die schroffe Ablehnung der EG-Initiative vor wenigen Wochen erweck: hatte.

Mit Firjubins Visite war das Gesprächsangebot gekoppelt, das die afghanische Regierung Zia in der vergangenen Woche unterbreitete. Die Offerte unterscheidet sich nur in Details vom Sieben-Punkte-Plan, der im Mai 1980 vorgelegt worden war. Hauptziel, so Kabul, einer politischen Regelung müsse es sein, die „äußere Einmischung“ in die inneren Probleme Afghanistans zu beenden. Unausgesprochen erwartet Babrak Karmal, daß Pakistan seine Grenzen schließt und den Nachschub für die afghanischen Rebellen unterbindet.

In welcher Zusammensetzung Gespräche organisiert würden – ob bilateral oder mit Pakistan und Iran gemeinsam –, sei dabei nebensächlich. Kabul lehnt auch nicht mehr – das ist neu – die Teilnahme der Vereinten Nationen ab. Die Beschlüsse müßten schließlich nach Karmals Vorstellungen von den Großmächten USA und Sowjetunion garantiert werden.

Wenn die Sowjetdiplomatie mit ihrer doppelgleisigen Initiative nicht weitergekommen ist, so liegt das an ihrem Junktim: Über die Invasion und das dadurch installierte Regime soll nämlich nicht diskutiert werden. Zweck eventueller Gespräche ist es gerade, Karmal zu Anerkennung zu verhelfen und seinem Regime endlich Legitimität zu verschaffen.

Zia ul-Haq befindet sich derzeit in begünstigter Position. Moskau umwirbt ihn, obwohl er sein Land „zum Aufmarschgebiet eines unerklärten Aggressionskriegs“ machen läßt. Kaum war der Abgesandte Moskaus wieder abgereist, traf ein amerikanischer Beamter in Islamabad ein. Mit ihm wollte Zia Einzelheiten der US-Wirtschafts- und Militärhilfe besprechen: Von Washington erhält Zia sieben Milliarden Mark für seine wenig sowjetfreundliche Politik. G. S.