Die Bombenattentate der Mudschaheddin treiben Chomeini in die Isolation

Von Ulrich Tilgner

Teheran im September

Wie immer wachte ich hinter der Tür des Konferenzzimmers. Plötzlich hörte ich eine Explosion, die das ganze Ministerium erschütterte. Ich zog meine Pistole und öffnete die Tür, Rauch und Feuer hatten das Zimmer verdunkelt, Staub verschlimmerte die Lage. Mir waren auch die Leute, die im Zimmer waren, verdächtig, und ich war bereit, zu schießen. Doch der Argwohn des Polizisten, der am vergangenen Sonntag die Beratung von Staatspräsident Muhammad Ali Radschai und Ministerpräsident Muhammad Djavad Bahonar mit hohen Armee- und Polizeioffizieren sicherte, war unangebracht. Ein verwundeter Heeresoberst wankte auf ihn zu, mehrere verletzte Offiziere schrien vor Schmerz. Sie konnten kaum geborgen werden. Die Flammen waren nicht zu bändigen und machten Rettungsarbeiten fast unmöglich. Rasch griff das Feuer auf das ganze Gebäude über. Einige Angestellte des Ministeriums sprangen aus den Fenstern, andere mußten mit hydraulischen Leitern gerettet werden. Nach einer halben Stunde wurden die verkohlten Leichen von Radschai und Bahonar geborgen und in Ambulanzen abtransportiert.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Straßen im Teheraner Regierungsviertel bereits verriegelt. Revolutionswächter, Polizisten und bewaffnete Zivilisten mußten Schaulustige zum Teil gewaltsam zurückdrängen. Selbst die Reporter der Parteizeitung Islamische Republik und der staatlichen Nachrichtenagentur „Pars“ wurden für mehrere Stunden in einem nahe gelegenen Komitee-Gebäude festgehalten. Regierungssprecher Behzad Nabavi hatte persönlich Anordnung gegeben, niemanden an den Unglücksort herankommen zu lassen. Erst drei Stunden später, lange nachdem die Nachricht von der Detonation von ausländischen Agenturen in alle Welt verbreitet worden war, meldete auch der iranische Rundfunk, daß eine Bombe im Premierministerium hochgegangen sei und „einige Personen“ verletzt habe.

Ein Zeichen der Schwäche

Das Ausmaß der Explosion wurde als Staatsgeheimnis behandelt. In einem Interview bereitete Parlamentspräsident Rafsandschani die Bevölkerung zwar auf eine schlimme Nachricht vor, spielte aber, wie schon nach dem Anschlag auf die Zentrale der Islamisch Republikanischen Partei Ende Juni, das Ereignis zunächst herunter.