Die Katastrophe am Wohnungsmarkt wird aus folgenden Zahlen deutlich:

  • Luxusbedarf (wie Zweitwohnungen) abgerechnet, hatten wir 1960 pro Kopf der Bevölkerung 18 Quadratmeter Wohnraum. 1980 waren es mit 27 Quadratmetern um fünfzig Prozent mehr,
  • Eine Mietwohnung (Maßstab: sozialer Wohnungsbau) neu zu bauen, kostete 1960 so viel, daß ohne Gewinn eine Miete von 12 Mark pro Quadratmeter nötig war; 1980 aber waren es schon 22 Mark.
  • Die Differenz zur tatsächlich gezahlten Miete (sechs bis zehn Mark) schießt der Staat zu. Diese Subvention wird immer größer. Sie wird in zehn Jahren 150 Milliarden jährlich betragen müssen.
  • Wenn in fünfzig Jahren alle heutigen Wohnungen ersetzt werden müssen, wird eine Subvention von 500 Milliarden jährlich notwendig sein; schon 1985 wird sie 80 Milliarden Mark betragen.

Der geringe Preis täuscht

Ein Freund schrieb mir: „Ich darf Ihnen gar nicht sagen, was meine Frau und ich an Miete bezahlen: zur Zeit vier Mark pro qm, ohne Umlagen. Eine Altbauwohnung in Hamburg, Baujahr 1900, gut erhalten. Aber: Der Hausbesitzer renoviert das Haus nur außen. In den Wohnungen hat er wohl noch nie etwas getan. Die Mitter zahlen die notwendigen Investitionen selber: Neue Stromleitungen und neue Steckdosen, da die alten für Waschmaschine und Herd nicht taugen; sie bauen sich die Bäder neu, ersetzen die alten und zugigen Fenster.

Die Folge: Solche Wohnungen werden, da ihre Miete niedrig ist, nicht auf dem Markt gehandelt, sondern unter der Hand weitergegeben, und jeder Mieter verlangt vom Nachmieter eine Art Instandsetzungsprämie. 12000 Mark Abstand bezahlt, bei Bekannten waren es 30 000. Das heißt: Die Mieter subventionieren ihre niedrige Miete durch eigene Investitionen. Viele andere modernisieren wegen der hohen Handwerkerlöhne ihre Wohnungen selber.

Nimmt man hinzu, daß die Altbauwohnungen in der Regel längst amortisiert sind, daß der Hausbesitzer also im wesentlichen nur die Instandhaltungskosten zuzüglich einer angemessen nen Rendite berechnen darf, dann sind die beistehenden Mieten sicher nicht zu niedrig. In unserer Straße zahlt man durchschnittlich zwischen sechs und acht Mark (unsere Miete ist eine Ausnahme und wird sicher bald erhöht werden).“

Da sieht man, welche verrückten Märkte unter der Zwangswirtschaft entstehen. Wohnungen werden nicht mehr auf dem Markt gehandelt, sondern unter der Hand weitergegeben.